Europäische Wettbewerber in besserer Position
Stille Reserven der Banken schmelzen dahin

Mit den Aktienkursen ist auch ein Großteil der Reserven in den Beteiligungsportfolios deutscher Banken dahin geschmolzen. Bei Hypo-Vereinsbank und Commerzbank bestehen stille Verluste. Die Entwicklung der Bewertungspolster in 2003 hängt im wesentlichen vom künftigen Börsentrend ab.

FRANKFURT/M. Die stillen Reserven der Banken werden immer weiter aufgezehrt. Die Polster, die ein weiteres Jahr mit operativ schwachen Ergebnissen abfedern könnten, sind gefährlich dünn geworden. Das haben die Ratinganalysten der Agenturen Standard & Poor?s und Moody?s festgestellt.

"Die Resistenzfähigkeit der Banken hat sich deutlich verschlechtert", sagte Stefan Best, Direktor bei Standard & Poor?s (S&P) Anfang dieser Woche. Die finanzielle Flexibilität der Banken, mit eigenen Reserven Ertragsschwächen oder Verluste auszugleichen, sei gesunken. Aktienanalysten bestätigen dieses Urteil. Im nächsten Jahr sind die Banken von der Gunst der Börsen abhängig: Steigen die Kurse börsennotierter Beteiligungen, dann füllt sich das Reservepolster wieder. Weitere starke Rückgänge würden dagegen dazu führen, dass die Reserven völlig verschwinden oder sich sogar in stille Verluste verwandeln.

Besonders transparent sind stille Reserven oder Verluste in den nicht- dauerhaften Wertpapierbeständen der Banken. Denn wer nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften IAS oder der US-Norm Gaap bilanziert, muss diese Position (genannt ?available for sale?), zu Marktpreisen bewerten.

Konrad Becker, Aktienanalyst bei Merck Finck & Co. hat diese Bestände für europäische Banken per 30. September zusammengestellt oder selbst geschätzt. Schlusslicht bei den Bewertungspolstern ist danach die Hypo-Vereinsbank mit stillen Verlusten in Höhe von 1,8 Mrd. Euro, gefolgt von der Commerzbank mit 1,28 Mrd. Euro. Die Deutsche Bank, die nach den US-Regeln GAAP bilanziert, kommt laut Becker auf ein Plus von 1,15 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die spanischen Großbanken BBVA und Santander Central Hispano (SCH) erreichen 1,68 beziehungsweise 2,6 Mrd. Euro. Die Aktienanalysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) beziffern die unrealisierten Verluste des Commerzbank-Portfolios sogar mit 2,9 Mrd. Euro, die der Hypo-Vereinsbank mit rund einer Mrd. Euro. Da seit Quartalsende der Deutsche Aktienindex (Dax) aber rund zehn Prozent zugelegt hat, dürfte sich die Reserveposition für deutsche Banken - grob geschätzt - ebenfalls um rund 10 % verbessert haben.

Das Beteiligungsportfolio ist zwar nicht die einzige Quelle stiller Reserven, aber die größte und transparenteste. Daneben können Banken Reserven im Immobilienbesitz und im Anleiheportfolio aufweisen. Die Experten von S&P legen darauf aber keinen besonders großen Wert. "Wir geben nicht viel auf schwer mobilisierbare Reserven wie etwa Immobilien", sagte Best. "Sie machen auch nur den kleineren Teil der Reserven aus."Ein Wertverlust führt entweder zu Abschreibungen oder er verändert die Eigenkapitalposition. Die bilanzielle Behandlung hängt vor allem von der Dauerhaftigkeit des Verlustes ab.

Die hat Commerzbank im dritten Quartal 545 Mill. Euro vor allem auf ihren T-Online-Anteil abgeschrieben. Das regulatorische Eigenkapital (Tier 1) ist nur dann betroffen, wenn die Wertminderungen dauerhaft sind.

Die CSFB-Analysten haben Szenarien entwickelt: Damit die Tier 1-Relation der Commerzbank unter die von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) geforderten 4 % der Risikoaktiva rutscht, müsste sich der Portfolio-Wert um 56 % reduzieren. "Die Commerzbank ist relativ geschützt vor dem schlimmsten anzunehmenden Szenario weitere Kursrückgänge an den Börsen", schreiben die Analysten. Der Wert des Beteiligungsportfolios der Hypo-Vereinsbank müsste sich um 34 % reduzieren.

Für 2003 rechnen die Moody?s- Analysten Samuel S. Theodore und Johannes Wassenberg mit weiteren Gewinnbelastungen durch Wertverluste bei Beteiligungen. Allerdings legen sie Wert auf eine individuelle Fallbetrachtung. Merck-Finck - Analyst Becker sagt, eine quantitative Prognose für die Reserven sei kaum möglich, da sie stark von der Börsenentwicklung abhängen.

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