Europäische Zentralbank erhöht Leitzinssatz um 0,25 Punkte auf 4,5 Prozent
Enttäuschende Zinserhöhung schickt Euro auf Allzeittief

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat gestern mit der fünften Zinserhöhung in diesem Jahr die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer erfüllt. Der Euro-Leitzins wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 % erhöht. Damit bleibt für Analysten ein weiterer Zinsschritt bis Jahresende möglich. Banken und Verbände zollten der Zinserhöhung Beifall, während sich Gewerkschaftsvertreter kritisch äußerten. Der Euro reagierte mit einem weiteren Kursrückgang und erreichte einen historischen Tiefstand zum US-Dollar.

FRANKFURT. Der EZB-Rat begründete seine Entscheidung vorrangig mit den Inflationsrisiken, die vom hohen Ölpreis und der anhaltenden Euro-Schwäche ausgehen. Es sei "unbedingt erforderlich, den mittelfristigen Aufwärtsdruck auf die Preise zu begrenzen", heißt es in einer Presseerklärung. Der Euro-Raum sei in eine Phase starken Wachstums eingetreten. Die Aussichten blieben "sehr positiv". Zusammen mit der kräftigen Expansion der Wirtschaftstätigkeit stelle eine weiterhin großzügige Liquiditätsausstattung ein Risiko für die Preisstabilität dar.

Unter Bankanalysten wurde der moderate Zinsschritt - im Vorfeld hatte es Spekulationen um eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte gegeben - durchweg begrüßt und als angemessen dargestellt. Petra Köhler etwa, Analystin bei der Dresdner Bank, sprach vom "positivsten denkbaren Szenario". Die Europäische Zentralbank habe den Märkten gezeigt, dass sie nicht überreagiere. Auch für den Euro sei dies der "geschicktere Schritt", weil etwas Zinsphantasie im Markt bleibe. Köhler erwartet eine weitere Leitzinserhöhung auf 4,75 % bis Jahresende. Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, sagte: "Die EZB hat sich ihre Optionen für die Zukunft nicht verbaut und ihr Pulver trocken gehalten, ohne dass sie es noch unbedingt verschießen muss."

Nach Ansicht der Bankgesellschaft Berlin hätte eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte den Charme besessen, den Zinshorizont auf lange Sicht - voraussichtlich sogar bis Ende nächsten Jahres - zu klären. Statt dessen werde nun die Spekulation über den geldpolitischen Kurs der EZB weitergehen und die Märkte verunsichern.

Verhaltene Kritik kam auch vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken, der meinte, "ein deutlicherer Zinsschritt wäre wünschenswert gewesen". Die EZB laufe Gefahr, der Marktentwicklung hinterherlaufen zu müssen. Der DIHT bezeichnete die EZB-Entscheidung als "zaghaft". Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, trotz aller Zinserhöhungen habe die EZB noch keine Stärkung des Euros erreicht. Sie riskiere mit ihrer Entscheidung eine Konjunkturschwächung

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