Europäische Zentralbank sieht Talsohle durchschritten – ZEW-Umfrage: Mittelfristig keine Zinssenkungen mehr
Duisenberg signalisiert Zinswende

Eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) wird zunehmend unwahrscheinlich.

jmü DÜSSELDORF. "Auf dem gegenwärtigen Zinsniveau stellt die Geldpolitik für sich alleine keine Hürde für die Wiederaufnahme des Wirtschaftswachstums dar", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg am Wochenende einer belgischen Tageszeitung. Demonstrierte die EZB in ihrem Februar-Monatsbericht noch eine neutrale Haltung zu ihrer künftigen Zinspolitik, gab Duisenberg damit einen eindeutigen Hinweis, dass die Zinsen nicht weiter gesenkt würden. "Es gibt eine zunehmende Zahl von Signalen aus ganz Europa, die darauf hindeuten, dass wir die Talsohle durchschritten haben", fügte Duisenberg hinzu.

Eine aktuelle Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 324 Analysten bestätigt diesen Trend. "Nachdem die Erwartungen auf weitere Zinssenkungen im Vormonat noch die Oberhand hatte, haben die befragten Analysten ihre Einschätzungen in der ersten Februarhälfte in einer abrupten Kehrtwende revidiert", sagt Peter Westerheide vom ZEW. 60,4 % der Befragten sind der Ansicht, das Zinsniveau bleibe mittelfristig unverändert. Mit sinkenden Zinsen rechnen nur noch 26 % der Teilnehmer, im Gegensatz zu noch 60,8 % im Vormonat. "Dieser drastische Umschwung reflektiert die positiven Konjunkturaussichten für das zweite Halbjahr", sagt Westerheide. Der Indikator der ZEW-Konjunkturerwartungen sei in den letzten drei Monaten deutlich gestiegen. Mittlerweile sind 60 % der Analysten der Auffassung, dass es in den nächsten sechs Monaten im Euro-Raum aufwärts gehen wird. Der Dezemberwert lag noch bei knapp 40 %.

Auch in den USA stehen die Zeichen auf Zinswende. Nach der historisch einmaligen Serie von elf Zinssenkungen im vergangenen Jahr mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der US-Konjunktur. Nach Angaben des Handelsministeriums befand sich die US-Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2001 nicht mehr in der Rezession. Neuen Daten zufolge wuchs die Wirtschaft in diesem Zeitraum mit einer Jahresrate von 0,2 Prozent. Das ist das fünfmal stärker als ursprünglich angenommen. Mit Spannung erwarten die Märkte die Anhörung von Notenbank-Chef Alan Greenspan vor dem Kongress am Mittwoch. "Hier werden seine optimistischen Aussagen mit Blick auf die Konjunkturdaten überwiegen", erwartet die Investmentbank Lehman Brothers.

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