Europäische Zentralbank warnt vor Risiken durch Ölpreise und Handelsstreitigkeiten
US-Wirtschaft läuft der Euro-Zone davon

Die Wirtschaft in den USA wird dynamischer wachsen als in der Euro-Zone. Das geht offenbar aus den Berechnungen des IWF hervor, die am Donnerstag in Berliner Regierungskreisen bekannt wurden. Die EZB schätzt das Wachstum in Euro-Land optimistischer ein als noch im Dezember und sieht den Export als wesentlichen Impulsgeber.

DÜSSELDORF. Die USA bauen ihren Wachstumsvorsprung vor der Euro-Zone noch weiter aus. Das geht aus aktuellen Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor, die gestern in Berliner Regierungskreisen bekannt wurden. Der IWF hat seine Berechnungen zum US-Wirtschaftswachstum offenbar angehoben, während er für Euro-Land etwas pessimistischer ist als bislang, wurde in Berlin im Vorfeld des heutigen Treffens der G7-Finanzminister im kanadischen Halifax bekannt.

Der IWF geht nun von einem US-Wachstum von 2,7 statt 2,3 % in diesem und von 3,5 statt 3,4 % im kommenden Jahr aus. In den USA sei die Produktivität Anfang des Jahres überraschend stark gewachsen, vor allem weil die Löhne nur moderat gestiegen seien. Ein Risiko für die Konjunktur sei aber weiterhin das hohe Leistungsbilanzdefizit. Die Amerikaner benötigen täglich einen Netto-Zufluss von einer bis 1,5 Mrd. $ in ihr Land, um das Defizit zu decken.

Für die Euro-Zone soll der IWF seine 2002-Prognose dagegen leicht gesenkt haben: auf 1,3 von 1,4 %; für 2003 werden 2,9 % erwartet. Damit liegt der IWF auf einer Ebene mit der OECD und innerhalb der Spanne der EZB-Berechnungen (siehe "Ausblick"), wobei die Notenbank nun etwas optimistischer ist als noch im Dezember 2001. Die Experten der europäischen Zentralbanken gegeben zwei Mal jährlich - im Dezember und im Juni - Prognosen ab.

Die Entwicklung der Nachfrage schätzen sie nun deutlich anders ein als Ende 2001. Der Außenbeitrag, die Differenz aus Ex- und Importen, dürfte den Notenbankern zufolge einen höheren Wachstumsbeitrag leisten als bisher erwartet. Weil die Weltwirtschaft stärker Fahrt aufnehme, könnten die Ausfuhren 2003 sogar zwischen 4,5 und 7,7 % zulegen. Geringer dürften dagegen die Impulse von der Binnen-Nachfrage sein. Erst im kommenden Jahr würden die Unternehmen wieder deutlich mehr in Ausrüstung investierten. Der private Konsum dürfte sich erholen, der Staat sich dagegen mit seinen Konsumausgaben beschränken.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft beurteilen EZB und IWF besser - wobei der IWF noch ein wenig optimistischer ist und seine Prognosen um jeweils einen Prozentpunkt angehoben hat: 2002 rechnet er mit 2,9 % globalem Wachstum, 2003 mit 4,1 %. "Es gebe zwar Unsicherheiten, aber es scheint, dass wir uns auf sechs oder sieben Jahre globales Wachstum einstellen können," hieß es gestern in Berlin mit Blick auf die IWF-Prognose. Die EZB warnt aber auch vor Risiken, allen voran der Entwicklung des Ölpreises und der möglichen Verschärfung von Handelsstreitigkeiten. Dennoch rechnet die Notenbank mit 2,5 % globalem Wachstum 2002 und 3,8 % 2003.

Die IWF-Prognose für Deutschland liegt unverändert bei 0,9 % Wachstum in diesem und 2,7 % im kommenden Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%