Europäischer Flugzeugbauer lockt mit günstigen Preisen
Lufthansa will bei Airbus groß einkaufen

Die Deutsche Lufthansa braucht auf der Langstrecke bald neue Jets: Ein Kaufvertrag über zehn neue Flugzeuge des Airbus-Typs A330-200 steht kurz bevor. Ältere und unrentabel fliegende Jets mustert die Lufthansa indes aus.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Lufthansa AG steht vor einem Großauftrag an den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, will die Kranich-Airline erstmals den auf dem Weltmarkt erfolgreichen 250-Sitzer A330-200 bestellen, der flexibel sowohl auf Mittel- als auch Langstreckenflügen eingesetzt werden kann. Bei den Verhandlungen mit Airbus soll es um den Kauf von zehn Flugzeugen im Wert von 1,35 Mrd. $ (Listenpreis) gehen. Weil Airbus - angesichts der weltweiten Luftfahrtkrise - derzeit mit üppigen Rabatten auf dem Markt wirbt, gehen Branchenbeobachter allerdings von einem Kaufpreis in Höhe von rund 1 Mrd. $ aus.

Ein Manager der Konzerntochter Lufthansa Technik wurde am Mittwoch auf der Luftfahrtschau in Farnborough mit den Worten zitiert, die Fluggesellschaft werde "voraussichtlich in dieser Woche eine Entscheidung über den Kauf neuer Flugzeuge treffen". Lufthansa selbst wollte den bevorstehenden Deal nicht bestätigen und verwies auf laufende Gespräche mit den beiden Herstellern Airbus und Boeing. "Es gibt definitiv keinen Abschluss", sagte ein Sprecher. Der Airbus-Rivale aus den USA betonte allerdings, aktuell nicht mehr mit Lufthansa zu verhandeln: "Bei diesem Deal ist Boeing definitiv aus dem Rennen", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

Hintergrund der geplanten Lufthansa-Investition ist die inzwischen wieder gute Verfassung des Langstreckengeschäfts. Spätestens im nächsten Sommer wird hier bei der Lufthansa mit Kapazitätsengpässen gerechnet. Ende dieses Jahres wird die deutsche Fluggesellschaft nämlich sechs Langstrecken-Airbusse des Typs A340-200 aus der Flotte nehmen und an South African Airways abgeben. Die ältere Version des vierstrahligen Langstreckenjets ist bei Airbus nur noch ein Auslaufmodell, weil sie im Vergleich zu anderen Jets wesentlich höhere Betriebskosten verursacht. Auch Lufthansa wurde mit der A340-200 nicht glücklich und will nun auf den Bestseller A330-200 umsteigen. Dieses Airbus-Modell gilt derzeit als weltweit bevorzugter Typ in der 250-Sitze-Kategorie. Mit den neuen Flugzeugen könne die Kranich-Airline Strecken von der Heimatbasis Frankfurt in den mittleren Osten oder an die US-Westküste weitaus günstiger betreiben, heißt es in Lufthansa-Kreisen.

Weil Deutschlands größte Fluggesellschaft die schlimme Luftfahrtkrise zum Anlass genommen hat, ältere und unrentable Flugzeuge aus der Flotte auszumustern,

drohen bei einem Anziehen des Geschäfts die Kapazitäten bald knapp zu werden: Nach den Terroranschlägen des 11. September hatte Lufthansa auf der Langstrecke acht Jumbo-Jets der älteren Generation (Boeing 747-200) stillgelegt. Nur zwei von ihnen sind reaktiviert, die anderen wurden verschrottet, ins Luftfahrtmuseum gerollt oder auf dem Jet-Friedhof in Arizona geparkt. Dort sollen die Flugzeuge zum Verkauf angeboten werden, bestätigte ein Lufthansa-Sprecher.

Inzwischen aber hat sich das Langstreckengeschäft der Lufthansa - vor allem auf Routen in Richtung Asien - wieder gut erholt. Vertriebschef Thierry Antinori kündigte kürzlich an, Lufthansa wolle den Umsatzanteil Asiens innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre von aktuell 18 % auf 25 % ausbauen. Wegen der starken Nachfrage wurden bereits im Mai die Frequenzen nach Bombay, Nagoya, Tokio und Ho Chi Minh City via Bangkok erhöht. Auch bei Flügen Richtung Peking und Shanghai strebt die Airline in Zukunft kräftiges Wachstum an.

Zum Ausbau der Langstrecke wird Lufthansa im Herbst 2003 den ersten von insgesamt zehn bestellten A340-600 erhalten. Mit fast 75 Metern Länge und einer Passagierkapazität von bis zu 380 Sitzen ist der neue Jet das bisher größte und längste Verkehrsflugzeug bei Airbus. Der doppelstöckige Riesen-Airbus A380 mit 555 und mehr Sitzen soll erstmals 2007 die Kranich-Flotte verstärken. Boeing ist auf der Lufthansa-Langstrecke bald nur noch mit dem guten alten 747-Jumbo vertreten - ein deutlicher Fingerzeig für die erfolgreiche Aufholjagd der Europäer.

Allerdings sind die Preise für die Jets kräftig gefallen. Nach den Terrorangriffen auf die USA sanken die Auftragseingänge sowohl bei Boeing als auch bei Airbus dramatisch. Zugleich bemühen sich die wenigen Fluggesellschaften mit Bedarf für neue Maschinen, die Preise so weit wie möglich zu drücken. "Dies ist eine gute Zeit, um Flugzeuge zu kaufen. Wegen der Marktlage konnten wir günstige Konditionen aushandeln", sagte KLM-Chef Peter Hartman. Die niederländische Airline hat in Farnborough ebenfalls 24 Airbusse des Typs A330-200 bestellt.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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