Europäisches Bankenkonsortium diskutiert Bündelung der Interessen
Neue Initiative für Argentinien-Anleger

Banken in Europa sollen sich zusammenschließen, um eine bilaterale Verhandlungsposition für die Besitzer argentinischer Anleihen zu erreichen. Die Hypo-Vereinsbank bemüht sich zurzeit, über europäische Institute die Interessen der Anleiheanleger zu bündeln. Einige Investoren sehen das Vorhaben kritisch.

DÜSSELDORF. Den Anlegern, die in Argentinien-Anleihen investiert haben, könnte demnächst ein neuer Lösungsweg präsentiert werden. Nach Informationen des Handelsblatts plant die Hypo-Vereinsbank eine pan-europäische Initiative für Gläubiger argentinischer Regierungsanleihen. Dies geht aus einem internen Bankenpapier vor. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) wollte zu dem Papier offiziell keine Stellung nehmen. In Bankenkreisen heißt es, dass sich die Initiative noch "in einem frühen Diskussionsstadium befindet". Angesprochen wurden dem Vernehmen nach große Banken in Österreich und Deutschland. Ein grundsätzliches Interesse an einer Zusammenarbeit mit einem derartigen Bankenkonsortium bestehe zudem in Italien.

Die Aktion zielt laut Arbeitspapier darauf ab, "zum Schutz der europäischen Anleger argentinischer Regierungsanleihen in Euro" über eine Bündelung der Interessen und kompetente Vertretung "eine bilaterale Verhandlungsposition" zu erreichen. Die Anleger in Europa sollten mindestens eine Gleichbehandlung mit den großen US- Fonds erhalten. Den Angaben zufolge wurden allein 52 Euro-Anleihen über 20 Mrd. $ begeben. Die Initiative hofft, Anleihen im Wert von mindestens 1 Mrd. $ bündeln zu können.

Quasi als Sammelstelle soll dazu eine Finanzgesellschaft der HVB in Irland fungieren. Diese wird die argentinischen Euro-Bonds gegen Partizipationsscheine umtauschen; eine Marktbewertung finde dabei nicht statt. Die Scheine, die jederzeit gegen Gebühr rücktauschbar sein sollen, würden dann nach den bisherigen Planungen - anteilig - zur Teilnahme am Ergebnis der Umtauschverhandlungen berechtigen. Dabei bleibe der Privatanleger der Eigentümer der Anleihe. Noch zu prüfen sei, ob die Partizipationsscheine steuerlich bei dem Anleger zu Buche schlagen könnten. Ein, wie es heißt, "hochkompetentes workout team" unter Leitung des US-Professors Adam Lerrick, werde dann u.a. in enger Anlehnung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) die Verhandlungen mit Argentinien führen.

Mit der HVB-Initiative zeichnet sich erstmals Unterstützung für die Anleihebesitzer aus dem deutschen Bankensektor ab. Dabei ist das Thema Argentinien für die HVB nicht ganz neu. Erst im Juni hatte sich die Münchener Großbank im Zusammenhang mit der Konzerntochter BII Creditanstalt International, Cayman Islands, gegen Vorwürfe argentinischer Anleger wehren müssen. Dabei war allerdings die HVB nicht direkt involviert; die BII war eine Tochter der Creditanstalt, die wiederum durch die Übernahme der Bank Austria zur HVB gelangte.

Die Unterstützung der Banken erfolgt erst recht spät. Denn das lateinamerikanische Land ist schon Anfang Januar in Zahlungsverzug geraten. Für die HVB dürften sich jedenfalls - ungeachtet hoher Ausgaben - neue Einnahmen, für die Anleger neue Kosten ergeben. Dem Papier zufolge wird der Provisionsaufwand für den Anleger 1 % (inkl. 0,15 % Kostenerstattung + 0,3 % Zahlstellengebühr) betragen.

Bisher gab es zwei Organisationen, in denen die Besitzer argentinischer Anleihen ihre Interessen gebündelt haben: die Arbeitsgemeinschaft "Argentinien-Anleihen" der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW-AAA), Düsseldorf, und die Interessengemeinschaft Argentinien (IGA), Inzell. Thomas Hechtfischer, Landesgeschäftsführer NRW der DSW, sagte zu der Bankeninitiative: "Es ist eine Variante, die man prüfen muss". Eine Empfehlung an Mitglieder werde aber nur ausgesprochen, "wenn wir darin einen Vorteil sehen". Positiv wertet die DSW, dass dadurch eine Größe erreicht würde, die bei den zu erwartenden Umschuldungsverhandlungen eine erhebliche Rolle spiele. "Wir werden unseren Mitglieder nicht empfehlen, sich an der Initiative zu beteiligen", sagt dagegen Stefan Engelsberger, Gründer der IGA.

Engelsberger und IGA-Beirat Willi Brand, Vermögensbetreuer der HWB- Capital-Management, üben an der Bankeninitiative harte Kritik. So sei die "Abgrenzung von US-Investoren" unrealistisch, da viele Anleger gleichzeitig US- und Euro-Bonds halten. Besser als "einen Keil zwischen Anlegergruppen" zu treiben, wäre ein "runder Tisch" und damit eine "endgültige Lösung des Schuldenproblems unter Einbeziehung aller Gläubiger". Ein "erhebliches Risiko" bestehe auch darin, dass ein Wertzuwachs der Partizipationsscheine voll versteuert werden müsste.

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