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Europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz dauert noch: Nach Brüssel fährt der ICE als Bummelzug

Milliarden-Investitionen sind notwendig, um schnelle Bahnstrecken für ICE und TGV zum europäischen Netz zusammen wachsen zu lassen. So ist die neue Linie von Köln nach Frankfurt erst ein Teilstück der Achse nach Brüssel. Doch durchgehend Speed machen die Züge erst in ein paar Jahren.

DÜSSELDORF. Nach der Inbetriebnahme der ICE-Strecke von Köln nach Frankfurt wächst das Netz schneller Schienen in den nächsten Jahren weiter. Nach einer Übersicht der Bahn-Tochter DB Netz AG stehen zehn Großprojekte auf der Prioritätenliste und sollen weitgehend in diesem Jahrzehnt verwirklicht werden. Geschätztes Volumen: wenigstens 18,4 Mrd. Euro. Ein Teil der teuren Vorhaben knüpft die Anfänge eines Europa-Netzes.

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An zahlreichen Projekten wird bereits seit mehreren Jahren kräftig gebaut. So soll die Achse Offenburg - Basel bis 2012 weitgehend viergleisig ausgebaut und für hohe Geschwindigkeiten gerüstet werden. Im Nordabschnitt Rastatt - Offenburg sind bereits 1,25 Mrd. Euro verbuddelt worden. Das weitere Vorhaben wird noch einmal 2,8 Mrd. Euro kosten. Es steht in engem Zusammenhang mit den beiden Schweizer Tunnelprojekten der "Neuen Alpentransversalen" (NEAT): Im nächsten Jahrzehnt sollen leistungsfähige Schienenwege durch Gotthard und Lötschberg, verlängert durch eine Neubaustrecke in der Schweiz zwischen Bern und Olten sowie den aufgemöbelten Schienenstrecken zwischen Basel und Karlsruhe eine starke Nord-Süd-Achse bilden.

Schleife für den Flughafen Köln-Bonn

Bereits am 15. Dezember 2003 wird die Schleife in Betrieb gehen, die den Flughafen Köln-Bonn mit der ICE-Strecke Köln - Frankfurt verknüpft. Das aufwändige Projekt wird etwa 500 Mill. Euro verschlingen. Zeitgleich will die Bahn nach mehrjähriger Bauzeit die "Ausbaustrecke" Köln - Düren in Betrieb nehmen. Das etwa 550 Mill. Euro teure Projekt ist der deutsche Beitrag für eine künftige Schnellverbindung nach Brüssel, an der auch auf belgischer Seite gebaut wird. Ziel ist, die Fahrzeit von Köln in die Europa-Metropole von heute etwa zweieinhalb Stunden auf rund eineinviertel Stunden zu verkürzen.

Das wird allerdings noch bis 2005 oder 2006 dauern. Von dieser ersten durchgehenden internationalen Schnellstrecke sollen die von diesem Dezember an fahrenden drei ICE-3-Zugpaare Frankfurt - Brüssel sowie die Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge Paris - Köln profitieren. In diesem Jahr wird auf belgischer Seite erst ein Teilstück der 120 km langen Linie eröffnet; die schnellen Züge gewinnen zunächst einmal bescheidene elf Minuten Fahrzeit zwischen Köln und Brüssel, sagte ein Sprecher der Belgischen Staatsbahn dem Handelsblatt.

Ab 2006 wollen die Bahnen die West-Ost-Verbindungen zwischen Deutschland und Frankreich verbessern. Das Projekt einer TGV-Strecke von Paris über Metz - Saarbrücken bis nach Mannheim sieht aber auf deutscher Seite lediglich eine Ausbaustrecke für Tempo 200 vor. Die knapp zur Hälfte realisierte Verbindung wird nach Bahn-Angaben rund 270 Mill. Euro kosten.

Die weiteren Projekte in Deutschland dienen in erster Linie dazu, die bisherigen Schnellstrecken besser zu verknüpfen. Bis 2004 werden 750 Mill. Euro in die Verbindung Hamburg - Berlin gesteckt, um sie für 230 km/h Geschwindigkeit fit zu machen und so die Fahrzeit zwischen den beiden größten deutschen Millionenstädten auf etwa 90 Minuten zu drücken. 2006 hofft die Bahn auf die Fertigstellung der Verbindung Nürnberg - Ingolstadt - München. Diese wird für 3,3 Mrd. Euro im Nordabschnitt bis zur Donau neu trassiert. Im Südabschnitt wird die bestehende Strecke ausgebaut.

Viele Fragezeichen stehen über der Verbindung Nürnberg - Erfurt - Halle/Leipzig - Berlin. Die Baustellen auf dem mit 7,5 Mrd. Euro veranschlagten Südabschnitt durch den Thüringer Wald waren mangels öffentlicher Mittel 1999 still gelegt worden. Doch nachdem die Bundesregierung wieder grünes Licht für den Weiterbau gab, wird auf kleiner Flamme gekocht. "Wir führen nur Baurecht erhaltende Maßnahmen durch", sagte ein Bahn-Sprecher. Hintergrund ist, dass die Bahn auf Jahre kein Verkehrsaufkommen auf dieser Strecke sieht, das die hohen Investitionen rechtfertigt.

Viel mehr Erfolg versprechen sich die Bahn-Strategen unter anderem von zwei "Lückenschlüssen" - einer neuen Verbindung der ICE-Strecke Hannover - Würzburg mit dem Großraum Frankfurt und einer Verknüpfung der Strecke Köln - Rhein/Main mit der Linie Mannheim - Stuttgart. Um von Köln nach Stuttgart in nur zwei Stunden fahren zu können, will Bahnchef Hartmut Mehdorn einen Teil der Züge auf neuer Trasse an Mannheim ohne Stopp vorbeifahren lassen. Man könne "nicht jede Milchkanne" im Schnellverkehr mitnehmen, hatte Mehdorn locker formuliert - und sich prompt den Zorn einer ganzen Region zugezogen.

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