Europameister
Titel lässt ganz Spanien jubeln

Nach 44 langen Jahren ohne Titel hat der Euro-Triumph ganz Spanien geeint. Ob in Madrid oder Barcelona, der starke Auftritt der "Seleccion" wurde überall im Land ausgiebig gefeiert. AuchDas Königshaus ließ sich nicht lange bitten.

Das Königspaar feierte fröhlich im Ehrengastbereich, die Spieler machten in den Stadion-Katakomben eine Polonaise und mit ihnen jubelte das ganze Land über den ersten Titel seit 44 Jahren: Mit dem 1:0 (1:0)-Sieg im EM-Finale 2008 gegen Deutschland hat die spanische Nationalmannschaft ihren Turnierfluch endgültig besiegt und sich erstmals seit 1964 wieder zu "Königen von Europa" gekrönt.

"Que viva Espana!", und "Campeones, Campeones! Ole, Ole, Ole!", schallte es durch das Wiener Ernst-Happel-Stadion. Und die Helden des Abends wollten gar nicht mehr aufhören zu tanzen und zu singen. Als Kapitän Iker Casillas um 22.53 Uhr den Euro-Pokal aus den Händen von Uefa-Präsident Michel Platini empfing, begann die längste Party, die Fußball-Spanien jemals erlebt hat.

"Wir haben gelitten, doch das Leiden wurde belohnt. Ich freue mich für alle. Für die Mannschaft - und ganz Spanien", sagte König Juan Carlos. Mit ihm feierten 15 000 im Stadion und Mill. auf den Straßen in der Heimat. Und während die Spieler in Champagner badeten, träumten einige schon vom nächsten Ziel. "Wir streben in zwei Jahren den Weltpokal an", sagte Siegtorschütze Fernando Torres.

Die Qualifikation zur Endrunde in Südafrika muss die "Seleccion" jedoch ohne Trainer Luis Aragones angehen. Der 69 Jahre alte Vater des Erfolges geht zu Fenerbahce Istanbul in die Türkei und wurde von seinen "Kindern" noch auf dem Platz liebevoll verabschiedet: Torres und Co. schnappten sich den "Weisen von Hortaleza" - und warfen ihn immer wieder in die Luft; Liebeserklärungen folgten. "Er verdient diesen Titel am meisten von uns allen", meinte etwa Cesc Fabregas.

Bevor Aragones wie vor der EM versprochen mit seiner Frau über den Jakobsweg pilgern wird, hinterließ er seinem mutmaßlichen Erben Vicente Del Bosque noch eine Grußbotschaft. "Ich hoffe, dass er die Spieler gut behandelt. Diese Mannschaft hat Klasse, ich hoffe, dass er sie weiter entwickelt. Ihr Weg ist noch nicht zu Ende", sagte er.

Man muss kein Europameister-Trainer sein, um zu erkennen, dass die "Seleccion" eine große Zukunft hat. Die Stammelf bleibt zusammen, bei der WM 2010 werden lediglich Carles Puyol und Marcos Senna über 30 Jahre alt sein. Wozu dieses neue Spanien in der Lage ist, musste nicht nur Deutschland erfahren: Torres und Co. gewannen jedes ihrer sechs EM-Spiele und waren immer die bessere Mannschaft.

"Ihre Überlegenheit war absolut", lobte Real Madrids deutscher Coach Bernd Schuster, und Bundestrainer Joachim Löw musste neidlos anerkennen, "dass Spanien konstant auf allerhöchstem Niveau gespielt hat". Seit dem 0:1 in einem Länderspiel Ende 2006 gegen Rumänien ist die "Seleccion" in 22 Spielen unbesiegt, die Art und Weise, in der sie Europas Fußball-Thron stürmte, war beeindruckend.

Acht Spanier in der Turnierauswahl

Sie stellte in David Villa (4 Tore) den EM-Schützenkönig, ließ als einzige Mannschaft gegen Deutschland keinen Treffer zu, hatte in Xavi den laut Uefa besten Spieler der Endrunde und acht (!) weitere Spieler in der Turnierauswahl. Das "tiqui-taca", das ebenso sichere wie schöne Passspiel der Spanier, könne europaweit stilbildend sein, meinte Aragones: "Jeder, der den Fußball liebt, will so ein Spiel sehen, wie wir es spielen." Stürmer Torres ergänzte: "Das Team, das am besten gespielt hat, hat gewonnen. Das ist gut für den Fußball."

Neben die Befriedigung, mit schönem Spiel zum Erfolg gekommen zu sein, trat die Erleichterung. "Jetzt können wir endlich sagen: "Seht her! Wir können doch gewinnen!"", sagte Aragones. Der ewige Fluch des "Sterbens in Schönheit", der spanischen Mannschaften seit dem einzigen Turniersieg 1964 anhaftete, ist abgelegt.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis war der Zusammenhalt zwischen den Spielern verschiedener Regionen, die sich einst mit tiefer Abneigung begegneten. "Nicht Madrid oder Barcelona hat gewonnen, sondern das ganze Land", jubelte Fabregas. Und Casillas ergänzte: "Spanien ist vereint!" Vereint im Jubel. Vereint hinter dem Europameister.

© SID

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