Europameisterschaften in Patras
Deutsche Turner melden sich zurück

Olympia macht munter. Auch die zuletzt viel geschmähten deutschen Turner wurden von der Athen-Welle erfasst und leiteten bei den Europameisterschaften in Patras in eindrucksvoller Manier die Wende ein.

Patras (dpa) - Ein fünfter Platz der verjüngten Männer-Riege ließ den 13. Rang der WM 2001 vergessen, dazu kam noch ein unerwarteter und deshalb besonders beachtlicher sechster Rang durch EM-Debütant Tom Neubert am Reck. Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) seit Sonntag zusätzlich auf die aufstrebenden Junioren.

Erfolgreichster Verband war Rumänien, das nicht nur den Mannschafts-Titel und den Sechskampf durch den WM-Vierten Dan Potra gewann, sondern mit den Weltmeistern Marius Urzica am Seitpferd und mit Marian Dragulescu beim Sprung (mit Dimitri Kasparowitsch, Weißrussland) ebenfalls die Nummer 1 stellte. Top am Boden war der Olympia-Zweite Alexei Nemow (Russland), Erster an den Ringen Weltmeister Jordan Jowtschew (Bulgarien) und am Barren Vasileios Tsolakidis (Griechenland) mit der Wettkampfhöchstnote von 9,837 Punkten. Am Reck sicherte sich sein Landsmann Vlasios Maras Gold.

Die deutsche Junioren-Riege schaffte einen erstaunlichen dritten Rang und stellte in Rene Piephardt (17) den Dritten und in Fabian Hambüchen (14) auch noch den Siebten im Sechskampf. Im Barren- Endkampf wurde Athen-Kandidat Hambüchen mit Körpergröße 1,43 m Erster, Titelverteidiger Waldemar Eichhorn (1,41 m) Zweiter wie am Reck. "Diese Erfolgserlebnisse haben wir dringend benötigt, sie kamen zum rechten Zeitpunkt", stellte Sportdirektor Wolfgang Willam fest.

"Wir haben die Talsohle durchschritten und bestätigt, dass wir auch mit unserem System Spitzenleistungen schaffen können", erklärte Eduard Friedrich, als DTB-"Vize" für die olympischen Sportarten verantwortlich. "Bei der WM 2001 den Schnitt gegen die Alten zu tun, hat sich heute ausgezahlt", freute sich der Chef über den Aufwärtstrend und lobte seine Mannen: "Ihr habt das männliche Kunstturnen in Deutschland wieder zu einem Begriff gemacht."

Vor allem die Junioren mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren dankten es mit 9 von 14 Plätzen in den Finals - nie war deutscher Nachwuchs erfolgreicher bei einer EM. Dass es insgesamt fünf Medaillen (1/2/2) gab, macht Hoffnung auf die Olympia-Teilnahme. Schulterklopfen gab es auch für die "Großen", die nach dem Absturz bei Olympia 2000 auf den 10. und dem WM-Debakel 2001 mit Rang 13 in der Öffentlichkeit schon gar nicht mehr wahrgenommen wurden. "Wir haben uns als Team gemeinsam nach vorn bewegt. Die Truppe passt zusammen und kämpft", blickte Cheftrainer Rainer Hanschke optimistischer denn je in die Zukunft. Nun müssten im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation die Ausgangswerte deutlich angehoben werden, um mehr als 9,15 Punkte im Schnitt zu schaffen. Seine aktuelle Riege hatte ein Durchschnittsalter von 23 Jahren; in Sydney waren es noch 27,8 gewesen.

In der deutschen Riege war Sven Kwiatkowski (25) der Älteste - Tom Neubert (22) der Jüngste. Kwiatkowski, der als einziger seines Teams den Sechskampf bestritt, wurde Zwölfter. Zwischenzeitlich war er gar Elfter, weil Roman Zozulia der Siegerehrung ferngeblieben und deshalb aus der Ergebnisliste gestrichen wurde. Ein ärztliches Attest rehabilitierte den Ukrainer am Sonntag. "Es hätte mehr sein können", übte Kwiatkowski Selbstkritik. Neubert dagegen hatte Grund zur Freude, auch wenn er am Reck eine Medaille - noch - verpasste.

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