Europas ehemalige Telefonmonopolisten wollen ihre Schuldenlast verringern
British Telecom spaltet sich auf

Die hohe Schuldenlast führt bei europäischen Telekomunternehmen zu teilweise drastischen Einschnitten. Am weitesten geht dabei der frühere Telefonmonopolist British Telecom (BT). BT hat gestern die Zerschlagung des Konzerns und die Ausgabe von neuen Aktien im Wert von 5,9 Milliarden £ (18 Milliarden DM) angekündigt, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.

and/dri/HB LONDON/BERLIN. Auch die niederländische KPN und die finnische Sonera sehen sich unter Handlungsdruck. So nimmt KPN Ärger mit ihren Kunden in Kauf: Das Unternehmen streicht bisher kostenlose Dienste. Sonera hatte bereits vorgestern einen Teil seiner Voicestream-Aktien für 360 Millionen Euro verkauft.

BT gab darüber hinaus bekannt, das gesamte Mobilfunkgeschäft unter dem Namen BT Wireless abzuspalten und als neues Unternehmen bis Jahresende an die Börse zu bringen. Dazu gehört auch das Mobilfunkgeschäft der deutschen Tochtergesellschaft Viag Interkom. Das Festnetzgeschäft von BT wird künftig unter dem Namen BT Future gebündelt.

BT-Chef Peter Bonfield kündigte an, dass den Aktionären erstmals keine Dividende ausgezahlt werde. Damit dürfte der Konzernspitze der Unmut der 1,7 Millionen Kleinaktionäre sicher sein, die 18 Prozent der ausgegebenen BT-Aktien halten. Analysten begrüßten die Spaltung des Konzerns, forderten aber klarere Aussagen zur Strategie. Die Ratingagentur Standard & Poor?s stufte BT bei der Bonitätsbewertung zurück. Der BT-Kurs sank gestern um vier Prozent auf 545 Pence. Die neuen Aktien sollen per Bezugsrecht für 300 Pence angeboten werden.

Das hoch verschuldete Unternehmen reagiert mit den drastischen Schritten auf die Probleme am Telekommunikationsmarkt und auf sein schlechtes Jahresergebnis. Im letzten Geschäftsjahr verbuchte BT einen Vorsteuerverlust von 1,03 Milliarden £ - nach einem Gewinn von 2,94 Milliarden £ im Jahr zuvor. Der Einbruch wurde auch mit der Übernahme der deutschen Viag Interkom begründet.

BT kündigte zudem weitere Verkäufe im Milliardenwert an, etwa den Verkauf der Gelbe-Seiten-Sparte Yell. Außerdem verhandelt Bonfield mit der US-Telefongesellschaft AT&T über den Verkauf des Anteils am gemeinsamen Großkunden-Joint Venture Concert. Auch BT Ignite, das europäische Festnetzgeschäft mit Unternehmenskunden, will BT an die US-Telefongesellschaft AT&T verkaufen. Falls die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden, wird künftig auch das frühere Festnetzgeschäft der deutschen Viag Interkom von AT&T geführt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%