Europas erster Tracking Stock trotz Technologieflaute vierfach überzeichnet
Alcatel Optronics startet durch

Die erste Geschäftsbereichsaktie in Europa ist von den Anlegern ohne Euphorie, aber glatt angenommen worden. Die Emission von Alcatel Optronics war trotz der Kurskorrektur für Techno-Werte vierfach überzeichnet. Vor einigen Tagen wurde Alcatel für die moderate Preisspanne noch heftig kritisiert.

HB PARIS. "Lass' immer etwas auf dem Tisch", heißt eine wichtige Regel beim Pokern - und bei Neuemissionen. Diese Regel hat Frankreichs Telefontechnik-Riese Alcatel S.A. bei der Emission ihrer Tracking Stocks auf den Geschäftsbereich Alcatel Optronics beherzigt. Während der Zeichnungsperiode hatte sich aus der Preisspanne von 80 bis 100 Euro ein Emissionspreis von 85 Euro herauskristallisiert. Als Europas erste Geschäftsbereichsaktie am vergangenen Freitag in Paris und New York erstmals notiert wurde, startete das Papier zunächst mit einem Plus von 1,29 Euro auf 86,70 Euro. Allerdings schloss das Papier an ihrem ersten Handelstag unter dem Ausgabekurs bei 84,50 Euro. Das Mutterhaus Alcatel verbuchte dagegen ein Plus von 2,2 % bzw. 1,65 Euro auf 76,45 Euro.

"Die Emission war ein voller Erfolg, und das in einem schrecklich schwierigen Börsenumfeld", freute sich Alcatel - Finanzchef Pierre Halbron. Er triumphierte damit über seine Kritiker: Vor allem in der Londoner City hatten die Franzosen sich harsche Kommentare anhören müssen. Der Tenor: Alcatel drücke seine Optiksparte unter Wert in den Markt und belaste sich damit bei künftigen Akquisitionen, die mit der Aktie bezahlt würden. Halbron stellte klar: "Seit Beginn der Zeichnungsfrist am 28.9.2000 sind die Kurse an der Nasdaq um 16 % gesunken, der Index für Optoelektronikwerte gar um 19 %. Ein Preis am oberen Ende der Preisspanne war einfach nicht drin."

Mit Hilfe von Morgan Stanley Dean Witter brachte Alcatel 16,5 Mill. der neuen Papiere an den Märkten unter - in Paris unter dem Symbol CGO direkt im Ersten Marktsegment (Premier Marché), an der Nasdaq in Form von American Depositary Shares (ADS) unter dem Kürzel ALAO. Es steht darüber hinaus bis Ende Oktober noch eine Platzierungsreserve zur Verfügung, die 2,475 Mill. Aktien umfasst und noch nicht vollständig abgerufen wurde. Die Optronics-Sparte wird durch die Emission insgesamt auf 8,1 Mrd. Euro bewertet. Alcatel bekommt im Rahmen der Operation rund 1,6 Mrd. Euro in die Kasse.

Die platzierten Aktien stehen für 20 % des Geschäfts von Alcatel Optronics. Sie verbriefen keine Eigentumsrechte, sondern einen Anspruch auf Partizipation an der Wertentwicklung des Geschäftsbereiches. So wird Alcatel auf die neuen Alcatel-Optronics-Aktien eine Dividende von je 10 % des Reingewinns der Sparte ausschütten.

Die Sparte gehört zum Kerngeschäft von Alcatel und sichert dem Konzern einen Platz unter den weltweit führenden Netztechnikanbietern der Welt wie Lucent, Cisco Systems und Nortel Networks. Die Tracking Stocks sollen laut Spartenchef Jean-Christophe Giroux vor allem als Akquisitionswährung dienen. Es gebe noch keine Übernahmeziele. Doch visiere man den Erwerb kleinerer Firmen an, womöglich Startups, die Alcatel Optronics mit ihren Entwicklungen Zeitvorteile verschaffen könnten.

Derzeit sind 60 % der Optronics- Produkte jünger als ein Jahr, wie Giroux und Halbron ausführten. 1999 lag diese Quote bei 30 %. "Der Moment, wo wir die neue Devise nutzen, wird kommen", sagte Halbron. "Dieser Sektor entwickelt sich exzessiv schnell, da kann man sich keinen Zeitverlust leisten."

Befürchtungen, dass die Ergebnisse der Sparte und damit die Entwicklung der Aktie von Hauptaktionär Alcatel - mit 80 % Umsatzanteil größter Kunde - manipuliert werden könnten, bräuchten die Investoren nicht zu haben, betonte Giroux. Es gebe einen Grundlagenvertrag zwischen Alcatel und der Optronics-Sparte, der für sämtliche Transaktionen mit der Muttergesellschaft Marktpreise festschreibe. Der Anteil der externen Kunden, darunter Siemens, NEC und Nortel, werde in den nächsten Jahren auf 50 % steigen.

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