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Europas Homosexuelle feiern Christopher Street DayDPA-Datum: 2004-07-04 15:25:48

Hamburg (dpa) - Hunderttausende Homosexueller sind am Wochenende in Europa bei Paraden und Kundgebungen zum Christopher Street Day für gleiche Rechte von hetero- und homosexuellen Paaren eingetreten.

Hamburg (dpa) - Hunderttausende Homosexueller sind am Wochenende in Europa bei Paraden und Kundgebungen zum Christopher Street Day für gleiche Rechte von hetero- und homosexuellen Paaren eingetreten.

Von London, Madrid über Köln bis zum Marienwallfahrtsort Altötting (Bayern) machten Schwule und Lesben auf ihre Belange aufmerksam. In Köln, wo seit Freitagabend gefeiert wurde, erwarteten die Veranstalter insgesamt nahezu eine Million Menschen. Bis zu 30 000 Teilnehmer mit 80 Wagen wollten am Sonntag durch die Stadt ziehen.

In Altötting traten Transvestiten ebenso wie schwule und lesbische Paare am Samstag besonders für eine Gleichberechtigung auch beim Adoptionsrecht ein. Es müsse ihnen möglich sein, das leibliche Kind ihres Gefährten zu adoptieren.

Unter weiß-blauem Himmel trat auch eine Gruppe homosexueller Schuhplattler in Tracht vor den etwa 300 Teilnehmern auf. Die Kundgebung verlief friedlich, war aber von einem unübersehbaren Polizeiaufgebot begleitet. Zeitweise hatten die rechtsradikalen Republikaner eine Gegenkundgebung geplant, dieses Vorhaben dann aber aufgegeben.

Schon im Vorfeld hatte die Veranstaltung die Gemüter erhitzt und beschäftigt sogar die Staatsanwaltschaft, weil im Rathaus zahlreiche Protestbriefe mit rechtsradikalem Inhalt eingingen. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sah in der Kundgebung eine «ungeheure Provokation».

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», die Union werde bei einem Regierungswechsel homosexuellen Paaren das Recht wieder nehmen, Kinder zu adoptieren. Zwar akzeptierten CDU und CSU gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, die Grenze sei aber erreicht, wenn auch Kinder einbezogen würden.

Die rot-grüne Koalition will dagegen das Gesetz über die Lebenspartnerschaften in diesem Punkt nachbessern. Dies stieß bei der ersten Lesung des Gesetzes am Freitag im Bundestag auf den entschiedenen Widerstand bei der Union.

In London zogen mehrere tausend Menschen am Samstag bei der «Gay Pride» mit bunt geschmückten Festwagen, Musikgruppen und Tänzern vom Hyde Park aus am Parlament vorbei zur Themse. Der erste Umzug dieser Art hatte 1972 stattgefunden. «Ich bin stolz darauf, dass London weiter auf dem Weg der Gleichberechtigung für Lesben und Schwule voranschreitet», sagte der Bürgermeister Ken Livingston.

In Madrid demonstrierten mehrere Hunderttausend. Erstmals war ein Vertreter des Schwulen- und Lesbenverbands im Regierungspalast empfangen worden. Die stellvertretende Ministerpräsidentin María Teresa Fernández de la Vega bekräftigte die Absicht der sozialistischen Regierung, homosexuelle Ehen zu legalisieren.

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