Europas Marktführer steigt in Deutschland ein
Pferdewetten wie in Frankreich

Der Pferdesport in Deutschland ist ein boomender Markt - aber nur, wenn es um Reitpferde geht. Wenn es sich jedoch um schnelle Pferde handelt - Galopper wie Traber - dann sieht?s finanziell nicht so gut aus. Hilfe kommt vom europäischen Marktführer PMU.

KÖLN. Der Gesamtumsatz mit Pferdewetten auf den 19 deutschen Galopprennbahnen ist seit 1994 kontinuierlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 102,8 Mill. Euro eingenommen, 2001 waren es 109,9, im besten Jahr 1994 sogar 143,7 Mill. Euro. Dieses Geld wird zu etwa 70 Prozent wieder an die Wetter als Gewinne ausgeschüttet, die den Ausgang der Rennen richtig vorausgesagt haben. Von dem Rest müssen sich die deutschen Rennvereine, die Betreiber der Rennbahnen, finanzieren. Und auch die Zucht von Vollblutpferden erhält Geld aus diesem Topf.

Galopprennen sind die wie für andere Nutztierrassen vom Staat gesetzlich vorgeschriebenen Leistungsprüfungen. Daher dürfen die Betreiber von Rennbahnen ausnahmsweise Wetten anbieten, obwohl ansonsten Vater Staat ein Monopol auf Glücksspiele wie Lotto oder Spielcasinos besitzt. Die eingenommenen Steuern gewährt der Fiskus den Rennbahnbetreibern zur Finanzierung ihrer gemäß Gesetz vorgeschrieben Aufgaben.

Angespannte wirtschaftliche Lage

Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen ist die oberste Verwaltungsstelle für die Zucht von Vollblutpferden und für die Galopprennen in Deutschland, und hat die Aufgabe, die Vollblutzucht zu fördern und die Rennen zu beaufsichtigen. Es ist eine anerkannte Züchtervereinigung im Sinne des Tierzuchtgesetzes. Der Vorsitzendes des Direktoriums, der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert, bezeichnet die wirtschaftliche Lage als sehr gespannt. Einige Rennbahnen manövrieren bereits am Rande des Konkurses.

In dieser wirtschaftlich schwierigen Situation bot sich nun eine Kooperation mit der französischen Pari Mutuel Urbain (PMU) an. Der größte europäische Anbieter von Pferdewetten hat 2002 einen Umsatz von 6,4 Mrd. Euro (+ 4 %) erzielt, und, wie deren Präsident Bélinguier bei der Vorstellung der Zusammenarbeit in Köln erläuterte, seit 1998 eine deutliche Steigerung seiner Geschäftszahlen erzielt. Bislang waren Wetten auf ausländische Pferderennen in Deutschland nur über unabhängige Buchmacher oder übers Internet oder Telefon bei ausländischen Wettanbietern möglich. Von diesen Wetteinsätzen sah der deutsche Pferderennsport allerdings keinen Cent. "Mit der Zusammenarbeit mit PMU", so begründete Borchert, "werden wir auf jeden Fall unsere finanzielle Situation verbessern." Wie diese pekuniäre Ausgestaltung aussehen soll, wollte er allerdings ebenso wenig erklären wie weitere finanzielle Absprachen der Kooperation mit PMU nicht genannt wurden.

PMU am Umsatz gemessen Nummer drei weltweit

Pari Mutuel Urbain ist Europas größter Anbieter von Pferdewetten. An allen 365 Tagen im Jahr werden an den 8 000 PMU-Wettannahmestellen und mittels Telewetten Tippvorschläge vermittelt, Quoten berechnet und die Gewinnauszahlen an die Wetter vorgenommen. Als Nummer eins unter den europäischen Veranstaltern von Pferdewetten und weltweit als Nummer drei - hinter Japan und Hongkong - rangiert PMU, gemessen am Umsatz unter den 50 größten Unternehmen in Frankreich. Und weil so viele Franzosen meinen, Pferderennen richtig voraussehen zu können und dafür viel Geld ausgeben, sind mitunter auch siebenstellige Gewinne möglich. In Deutschland kann man mittels Gewinnspiel praktisch nur bei Lotto Millionär werden.

PMU überträgt seine Bilder von Pferderennen via der acht eigenen Satelliten in viele Länder der Erde. Vom technischen Netzwerk über die Ausstrahlung der Bilder von den Rennen bis hin zu Verwaltung der Gewinnen kontrolliert PMU als einer der weltweit wenigen Anbieter die gesamte Kette der Pferdewetten.

100 Wettannahmestellen bis Ende des Jahres

Wenn PMU bislang sein Geschäft nicht aufs Nachbarland Deutschland ausweiten konnte, so stand dem das deutsche Rennwett- und Lotteriegesetz entgegen. Das nämlich gewährt dem deutschen Staat das Monopol auf Glücksspiele. Eine der Ausnahmen sind Pferdewetten, weil damit die Leistungsprüfungen für das Nutztier Pferd finanziert werden sollen. Die Lizenzen haben die deutschen Rennvereine. Alleine weil die rechtliche Situation so kompliziert ist, haben die Verhandlungen zwischen der PMU und der German Tote GmbH, einer hundertprozentigen Tochter des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, seit den ersten Gesprächen fast zwei Jahre gedauert. Der Kooperationsvertrag sieht nun die Wettvermittlung in Deutschland auf die französischen Pferderennen vor. German Tote GmbH wurde eigens zur Vermittlung von ausländischen Pferdewetten gegründet und steht damit in direkter Konkurrenz zu den Buchmachern in Deutschland, bei denen bislang - neben Internet- und Telefonwetten mit ausländischen Anbietern - Wetten auf den Ausgang von Sportereignissen möglich sind.

Bis Ende des Jahres will die PMU/German-Tote-Kooperation schrittweise 100 Wettannahmestellen in Deutschland an die Wettvermittlung auf französische Rennen an einen gemeinsamen Totalisator anschließen. Die deutschen Wettannahmestellen, die mit dem zentralen EDV-Systeme von PMU verbunden sein werden, werden somit insgesamt rund 4 500 französische Rennen anbieten. Deutschland ist das dritte Land, das sich - nach Monaco und der französischen Schweiz - am einheitlichen Pool beteiligt.

PMU fördert Reitsport

PMU versteht sich - trotz seiner Größe - immer noch als ein gemeinnütziges Unternehmen, dem 63 Rennvereine angeschlossen sind. Diese decken ihre Finanzierungsgrundlage zu 80 Prozent mit den Zuweisungen von PMU. 53 000 direkte Beschäftigte zählt PMU. Im Jahr 2002 wurde ein Nettobetrag von 410 Mill. Euro an die Rennvereine in Frankreich ausgezahlt. 16 771 Rennen wurden im Laufe des Jahres auf den 225 französischen Rennbahnen mit 27 000 Pferden durchgeführt. PMU fördert auch den Reitsport. Dieser erhält eine Zuwendung, die durch den Staat ausgezahlt wird. 10 000 Arbeitsplätze im Reitsport und der Reitpferdezucht, 5 000 Reitställe und 1,5 Millionen Reiter hängen von ihr ab, womit PMU auch zu einem Fortbestand der staatlichen Gestüte beiträgt, die 1 440 Hengste beherbergen.

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