Europas Standardwerte im Test
Spaniens Aktien punkten bei Analysten

Im Ländervergleich schneiden derzeit spanische Aktien gut ab. Von der Ausgabenfreude des Staates profitieren besonders Bauaktien.

LONDON. Zuerst die gute Nachricht: Es gibt noch Leben am Aktienmarkt. In den vergangenen Wochen legten die wichtigsten europäischen Börsenbarometer wieder etwas zu. Doch nun kommt das "Aber": Ein guter Monat an der Börse bringt noch nicht die Wende auf dem Aktienmarkt - auch nicht in den Meinungen der Analysten in London. Dort kursieren unterschiedliche Erwartungen über die nähere Zukunft der größten europäischen Standardtitel.

Dass die wirtschaftliche Talsohle erreicht ist, glauben die Börsenbeobachter trotz der Unwägbarkeiten im Irak und anderen Risiken schon. Die Frage ist jedoch, wie lange die Konjunktur am Boden verharrt. Über den deutschen Markt gehen die Prognosen am weitesten auseinander. Roger Hirst von der Investment-Bank Bear Stearns ist Optimist: Diese Phase werde schnell überwunden, meint er. Das spricht für einen baldigen Anstieg, denn traditionell nehmen die Börsen eine Erholung vorweg. Hirst, Leiter des europäischen Aktien-Research, erwartet, dass die Börsenbarometer in ganz Europa bis zum Jahresende im Durchschnitt noch um zehn Prozent zulegen. Dem Deutschen Aktienindex (Dax) traut er auf Sechs- Monats-Sicht zwischen 4 000 und 4 500 Punkten zu, weil "die lange Zeit negativer ökonomischen Daten zu Ende geht".

Dagegen rechnet Ian Harnett von UBS Warburg mit weiteren Schwierigkeiten in Deutschland: Mangelnde Aufbruchstimmung und ein unflexibler Standort strahlten auf den Aktienmarkt aus und dürften den Dax auf seinem jetzigen Niveau um 3 350 Punkten halten, vermutet er. Optimistischer beurteilt er den italienischen und spanischen Markt. Dort sei die Bewertung niedrig und das Potenzial hoch.

Unabhängig von regionalen Unterschieden achten die Londoner Analysten auf Restrukturierungs- und Erholungs-Stories. Die Begründung liefert Michael MacPhee, Leiter des Sektors für europäische Aktien beim Fondsmanager Baillie Gifford: "Wer jetzt die Kosten senken kann, beweist seine Fähigkeit zur Selbsthilfe." Bei ihm stehen deshalb auch Papiere aus dem mittlerweile fast anrüchig zu nennenden Telekom-Bereich auf der Empfehlungsliste: "Viele Anleger gehören bald wieder dem Lager für Telekom-Equipment an", sagt MacPhee. Neben dem finnischen Anbieter Nokia glaubt er aus diesem Grund auch an Ericsson, wenngleich sich die Aktien derzeit ein wenig "depressiv" verhielten.

Gute Entwicklungs-Stories findet MacPhee auch in der Versicherungsbranche. Jedoch schließt er ausdrücklich die Lebensversicherer aus, deren Portfolio durch die Krise am Aktienmarkt noch immer stark geschrumpft sei. Als Einzelwerte mit guten Wachstumsaussichten nennt er die irische Fluggesellschaft Ryanair und den deutschen Autohersteller Porsche.

Harnett von UBS Warburg sieht das größte Potenzial in Europa am spanischen Markt. Er erwartet kurzfristig Auftrieb für Iberia, die Fluglinie des Landes. Hat das noch vorwiegend technische Gründe, weil er die Aktie als überverkauft ansieht, geht Harnett auf Grund niedriger Zinsen und den anhaltenden Ausgabenfreude des Staates von einem weiterhin boomenden Bausektor aus. Harnetts Favorit im Bausegment ist die Grupo Dragados, einer der größten Bau- und Servicekonzerne Spaniens mit einem Umsatz von 5,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr.

Die Banken sind dagegen eine Branche, über die sich die Analysten nicht einigen können. Während McPhee skeptisch ist, weil den Banken "derzeit ein starker Winde von vorne" entgegenschlägt, sieht Ian Harnett die Royal Bank of Scotland nach dem lang erwarteten Teilausstieg des größten Investors, der spanischen Bank Santander Central Hispano (SCH) als unterbewertet an. Auch andere Institute wie Unicredito stehen bei ihm höher im Kurs.

Quelle: Handelsblatt

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