Europaweiten Appellen zum Trotz Europaweiten Appellen zum Trotz

Die IG Metall hat das angestrebte Votum ihrer Mitglieder für einen Arbeitskampf erhalten. Im Bezirk Baden-Württemberg stimmten knapp über 90 Prozent der Gewerkschafter für einen Streik, im Bezirk Berlin/Brandenburg waren es nach Gewerkschaftsangaben über 85 Prozent.
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Reuters HAMBURG. Die IG Metall hält nach diesem Ergebnis ungeachtet europaweiter Appelle aus Politik, Wirtschaft und der Zentralbank an ihren Streikplänen für die kommende Woche fest. Die Hoffnungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), dass ein Arbeitskampf vermieden werden kann, dürften damit enttäuscht werden.

Im Bezirk Baden-Württemberg stimmten knapp über 90 Prozent der Gewerkschafter für einen Streik, im Bezirk Berlin/Brandenburg waren es nach Gewerkschaftsangaben über 85 Prozent. Notwendig waren 75 Prozent. Die IG Metall in Baden-Württemberg plant den Arbeitskampf kommenden Montag in 20 Betrieben mit 56 800 Beschäftigte zu beginnen. Davon betroffen sind wahrscheinlich auch die Stuttgarter Autohersteller Mercedes-Benz und Porsche. Die für die Streiks nötige Zustimmung des IG Metall-Bundesvorstands gilt als wahrsacheinlich. Die Arbeitgeber erklärten, das Ergebnis der Urabstimmungen sei nicht überraschend, aber sehr bedauerlich./p>

Am Dienstag will die IG Metall in Baden-Württemberg 14 400 Arbeiter und Angestellte in 22 Betrieben zu Streiks aufrufen. Am darauffolgenden Mittwoch solle der Schwerpunkt auf dem Mittelstand liegen, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Auch am "Brückentag" zwischen Christi Himmelfahrt und dem Wochenende seien Arbeitsniederlegungen geplant. Die Streiks sollten sich zunächst auf den Maschinen- und Fahrzeugbau konzentrieren. Insgesamt soll in 199 Betrieben gestreikt werden, in der ersten Streikwelle sollen es 110 sein.

IG Metall-Bezirkschef im Südwesten, Bertold Huber, sagte, er hoffe auf ein Nachdenken bei den Arbeitgebern, und dass dieses dazu führe, dass sie in den nächsten Tagen oder Wochen ein akzeptables Angebot vorlegten. Der IG-Metall-Bezirkschef von Berlin/Brandenburg, Hasso Düvel, sagte, ein Streik werde auf jeden Fall Anfang kommender Woche beginnen. Dann werde man sehen, ob die Arbeitgeber zu einem höheren Angebot bereit seien. Für die IG Metall in Ostdeutschland sei eine zwölfmonatige Laufzeit eines Abschluss wichtig, betonte Düvel. Ein Tarifvertrag dürfe die Angleichung der Arbeitszeit an Westniveau nicht blockieren. Der IG-Metall-Vorstand will am Donnertag entscheiden, in welchem Bezirk von Montag an gestreikt wird. Düvel sagte, wahrscheinlich werde Berlin/Brandenburg dann "noch nicht dabei sein".

3,3 % für Chemie-Beschäftigte im Osten

Unterdessen einigte sich die IG BCE mit den Chemiearbeitgebern darauf, dass die Einkommen der ostdeutschen Beschäftigten bis zum Jahr 2009 an Westniveau angeglichen werden. Wie im Westen sollen die Entgelte der 30 000 ostdeutschen Chemiebeschäftigten in diesem Jahr zunächst um 3,3 Prozent erhöht werden. Im Oktober 2002 kommt ein so genannter Angleichungsfaktor von 2,8 Prozent hinzu. Auch 2003 soll der Westabschluss übernommen und um einen weiteren Anpassungschritt von 2,8 Prozent aufgestockt werden. Außerdem wurde für den Osten eine Öffnungsklausel vereinbart, die es Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ermöglicht, die Anpassung zu strecken. Für die 570 000 Chemiebeschäftigten im Westen waren Einkommensverbesserungen von 3,3 Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung von 85 Euro vereinbart worden.

IG-Metall-Spitze: Keine Gespräche vor Streikbeginn

Die IG-Metall-Spitze bekräftigte erneut, dass es vor dem geplanten Streikbeginn am Montag keine weiteren Gespräche mit den Arbeitgebern geben solle. Huber sagte nach der Urabstimmung in Baden-Württemberg: "Ich kann mir nicht vorstellen, vor Beginn der Streiks nochmal an den Verhandlungstisch zurückzukehren. " In Gewerkschaftskreisen hieß es, am Dienstag solle das größte Daimler-Chrysler-Werk in Sindelfingen in den Arbeitskampf einbezogen werden. Gespräche wären damit frühestens am Mittwoch nächster Woche wieder möglich.

Wahrscheinlich wird der IG-Metall-Bundesvorstand Baden-Württemberg zunächst als einzigen Streikbezirk bestimmen. Dort waren die Gespräche mit den Arbeitgebern vor elf Tagen gescheitert. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Einmalzahlung von 190 Euro für März und April geboten; ab Mai sollten die Einkommen linear für 13 Monate um 3,3 Prozent erhöht werden. Die IG Metall will einen Tarifabschluss nur akzeptieren, wenn er eine vier vor dem Komma trägt, obwohl sowohl Konjunkturforscher als auch Vertreter aus Wirtschaft und Politik dies als konjunkturschädlich einstufen. ".

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