European School of Management and Technology (ESMT)
Kommentar: Glanzlose Geburt

Mit lautem Getöse war die Gründung der gerade in Berlin aus der Taufe gehobene European School of Management and Technology (ESMT) angekündigt worden, ein "deutsches Harvard" solle sie werden. Doch bislang ist sie vor allem eines: ein PR-Fiasko.

"Glauben Sie mir, ich habe es einmal geschafft, eine Business School aufzubauen, ich werde es auch diesmal schaffen." Die Worte von Derek F. Abell, Präsident der "Super-Business School", die die deutsche Industrie in Berlin (und München) hochziehen will, fassen unfreiwillig den Stand der Dinge zusammen. Denn ob die European School of Management and Technology (ESMT), die soeben in Beisein des Bundespräsidenten und ranghoher Vertreter der Wirtschaft offiziell gegründet worden ist, top oder ein grandioser Flop wird, ist zu diesem Zeitpunkt weitgehend ein Frage, wieviel Glauben man dem Engländer schenkt.

Bislang war von dem Startup ESMT manches zu lesen, aber wenig zu hören. "Wir gackern nicht, sondern brüten erst das Ei aus, bevor wir es zeigen", rechtfertigte Gerhard Cromme, Thyssen-Krupp-Aufsichtsratsvorsitzender und Koordinator der Gründerinitiative das große Schweigen nach der vollmundigen Ankündigung ("Deutsches Harvard") im Frühjahr. Doch die groteske Medienarbeit hat bewirkt, dass heute praktisch die gesamte deutsche Presse auf die erstmals in dieser Zeitung geäußerten Zweifel an der finanziellen Ausstattung der ESMT eingeschwenkt ist. Die ESMT ist bislang vor allem eines: ein PR-Fiasko.

Wie also sieht Cromme's Ei aus? Die ESMT, die einmal mit den zehn bis zwölf ersten Namen in der Business School-Welt konkurrieren will und im Endausbau 60 Vollzeit- und 20 Gastprofessoren haben soll, besteht heute im Wesentlichen aus zwei Personen: dem international erfahrenen Präsidenten Abell, den die Gründer beim renommierten IMD in Lausanne abgeworben haben, und dem von der Humboldt-Universität beurlaubten Marketing-Professor Wulff Plinke. Sie verfügt über das denkmalgeschützte DDR-Staatsratsgebäude, das sie kreditfinanziert wird umbauen müssen, und hat Aussicht auf ein vom Freistaat Bayern bereit gestelltes Gebäude in München. Keine Infrastruktur, kein Business-Plan. Die Stiftung, die hinter der als GmbH geführten Schule steht, ist derzeit mit 90 Millionen Euro ausgestattet - nicht wenig Geld, aber 10 Millionen weniger als ursprünglich angekündigt. Dazu kommen, nicht sofort, sondern in den nächsten acht Jahren, 25 Millionen Euro der Hertie-Stiftung für ein eigenständiges Institute for Public Management.

Immer klarer wird auch, dass die ESMT gar nicht dem Modell Harvard Business School folgen wird, sondern eher der durchaus profitablen Top-Schule IMD, die Abell selbst mitaufgebaut hat. Die ESMT zielt auf den lukrativen Executive Education-Markt, also die sehr teueren, kurzen Fortbildungsprogramme für Top-Manager oder Manager mit Leadership-Potenzial. Der MBA-Teil wird, wie am IMD, wohl eher klein bleiben. Für 2003 hat die ESMT nur ein Dutzend solcher Executive-Education-Programme im Angebot. Das kann Abell schaffen. Für ein paar Tage wird er wohl auch internationale Stars nach Berlin locken können, und für 20 bis 25 Teilnehmer braucht er kein umgebautes Staatsratsgebäude, sondern kann genau so gut in ein benachbartes Fünf-Sterne-Hotel gehen. Doch dann? In den nächsten Monaten erst wird sich erweisen, ob sein Management-Prinzip aufgeht: Man gebe (sehr) guten Leuten das Geld und den Freiraum, den sie brauchen, dann werden sie sich ihr Reich schon selbst schaffen. Die Zukunft wird sich zeigen, wie viele der weltweit 100 bis 200 in Frage kommenden Management-Gurus ein solches Angebot nach Berlin ziehen wird.

Für die deutsche Industrie um Allianz, Deutsche Bank, Eon etc. war es wohl zu spät, ein unausgegorenes Konzept ohne Gesichtsverlust sang- und klanglos untergehen zu lassen, zumal angesichts der starken politischen Rückendeckung durch den Bundeskanzler. In den kommenden Monaten wird Abell zeigen müssen, ob man ihm glauben durfte. Auf Englisch heißt das: Wait and see.

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