Eurowings gibt Starterlaubnis – Kampfansage an Ryanair & Co. – Weitere Konkurrenten werden folgen
Eurowings-Billigflieger startet mit Preisattacke

Die Lufthansa-Beteiligung Eurowings hat die Starterlaubnis für ihren neuen Billigflieger Germanwings erteilt. Doch neue Konkurrenten von Virgin Express bis Tui stehen schon in den Startlöchern, um sich einen Anteil an dem lukrativen Markt zu sichern.

KÖLN. Der neue Billigflieger der Lufthansa-Beteiligung Eurowings steigt nach Handelsblatt-Informationen mit einem Preisangriff ab Ende Oktober ins Billigflugsegment ein. Die neue Airline plant, unter dem Namen Germanwings vom Flughafen Köln/Bonn für Einführungspreise auf dem aggressiven Niveau des Wettbewerbers Ryanair zunächst bis zu zwölf europäische Ziele anzufliegen - eine Kampfansage an die Konkurrenz. Offiziell will die Airline erst Anfang September ihr Tarifsystem präsentieren. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft gab unterdessen wie erwartet für den Einstieg im Niedrigpreissegment grünes Licht.

Germanwings hat damit vorerst im Wettlauf der Low-Cost-Carrier um den deutschen Markt die Nase vorn. Denn auch der Reisekonzern Tui sowie die britische Discount-Airline Virgin Express haben den Airport am Rhein als Basis für Billigflieger ins Visier genommen. Damit ist ein beinharter Schlagabtausch vorgezeichnet, denn die Wettbewerber werden auf mehreren europäischen Strecken direkt konkurrieren. Tui will nach Angaben aus Unternehmenskreisen ebenso wie Germanwings die Ziele Madrid, Barcelona, Rom, Mailand und Paris ansteuern - und auch Virgin wird die meisten dieser Städte anfliegen.

Mit dem frühen Markteintritt ab dem 27. Oktober verfügt Germanwings allerdings über einen Startvorteil vor Virgin Express und Tui. Die Briten wollen erst ab Dezember von Köln/Bonn fliegen. Und bei Europas größtem Reisekonzern muss die offizielle Entscheidung über den Einstieg in das Billigsegment erst noch fallen. Branchenkreise erwarten, dass dies noch im Sommer geschieht. Basis für eine Tui-Billig-Airline soll voraussichtlich ebenfalls Köln/Bonn sein.

Wie in einer Gründerwelle kündigen derzeit fast wöchentlich neue Discount-Fluggesellschaften an, Verbindungen auf dem lukrativen deutschen Markt aufzunehmen. Angelockt wird die Billig-Konkurrenz von enormen Wachstumsaussichten. "Billigflieger haben ein phänomenales Potenzial", sagt Gert Zonneveld, Branchenanalyst bei WestLB Panmure in London. "Sie werden ihren Marktanteil in Europa bis 2010 von acht auf 30 Prozent steigern." So wollen auch die britische BMI Baby, der britische Reisekonzern MyTravel sowie die britische Easyjet in den deutschen Markt. Letztere hatte bereits vor Monaten angekündigt, möglicherweise die British-Airways-Tocher Deutsche BA zu erwerben. Die entsprechende Option wurde nach Easy-Jet-Angaben jetzt unterzeichnet und um einen Monat bis April 2003 verlängert. Der Wettbewerb gewinnt damit weiter an Schärfe, denn auch die KLM-Tochter Buzz sowie die deutsche Germania sind buhlen um deutsche Fluggäste.

Eurowings-Chef Friedrich-Wilhelm Weitholz bringt Germanwings nun mit preiswerten Tickets sowie gediegener Ausstattung in Stellung gegen die Konkurrenz. So sind dem Vernehmen nach Ticketpreise ab knapp 20 Euro inklusive Gebühren geplant. "Germanwings wird preiswert sein, aber wir wollen nicht in die Billigecke", betonte der Eurowings-Chef. Als Konsequenz werden die zunächst eingesetzten fünf Maschinen vom Typ Airbus 319 komplett mit Ledersesseln ausgestattet und eine Silberlackierung erhalten. Die Tickets soll es ausschließlich über das Internet und im Callcenter geben. Schon im Jahr 2004 will Weitholz mit dem Angebot, das nächstes Jahr bereits auf 20 europäische Ziele anwachsen soll, bis zu 3 Mill. Passagiere transportieren. Weitholz räumte ein, dass die neue Airline auch in den Gefilden der Lufthansa wildere. Doch Germanwings hänge nicht am Gängelband des Großaktionärs. "Wir haben absolute unternehmerische Freiheit."

Lufthansa hält derzeit 24,9 % an dem Regionalflieger und kann ihre Anteile bis Ende 2003 auf 49 % aufstocken. Der Lufthansa-Vorstand hatte das Vorhaben der Regionalfluggesellschaft bereits im Juli wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Lufthansa selbst hatte die Gründung einer eigenen Billigfluglinie stets abgelehnt. Mit Germanwings hat Lufthansa-Chef Jürgen Weber nun aber indirekt den Einstieg in den boomenden Markt vollzogen.

Luftfahrtexperte Uwe Weinreich bewertete Germanwings vor diesem Hintergrund auch als "Drohgebärde", die den Konkurrenten im deutschen Billigflugmarkt klarmachen soll, dass Lufthansa ihr Gebiet gegen Eindringlinge verteidige.

Quelle: Handelsblatt

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