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EVCA-Zahlen für europäischen Beteiligungsmarkt 2003

Die European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA), Brüssel, veröffentlichte am 3. ...

Die European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA), Brüssel, veröffentlichte am 3. 6. 2004 ihre Jahresbilanz 2003 zu den europäischen Beteiligungskapital-Investitionen und-Aktitivitäten im Fund Raising. Die Ergebnisse bestätigen eine Rückkehr zur Stabilität im europäischen Beteiligungsmarkt und damit die im März bekannt gegebenen vorläufigen Zahlen. Die im Rahmen des 19. Jahressymposiums der EVCA in Berlin veröffentlichten Ergebnisse wurden gemeinsam von Thomson Venture Economics und PricewaterhouseCoopers ermittelt. Sie basieren auf einer Befragung von Fondsmanagern in 20 europäischen Ländern. Fonds-Investitionen: 29,1 Mrd. EUR
Mit einer Steigerung von 5,2% im Vergleich zum Vorjahr stellt sich 2003 als das zweitstärkste Investitionsjahr innerhalb der europäischen Beteiligungsindustrie dar. Mit 25,3% entfällt der größte Länderanteil auf Großbritannien, gefolgt von Frankreich mit 16,7%, Deutschland 14,2% und Italien 14,0%.
Ein Großteil der Investitionen 2003 entfiel auf Buy outs: Ihr Anteil betrug 63,3% (18,4 Mrd. EUR) der Investitionen, dies entspricht 15,1% bezogen auf die Anzahl der Investitionen. Besonders beliebt waren Buy outs in Italien mit 74,4% des gesamten in diesem Segment investierten Betrags. An zweiter und dritter Stelle folgten Deutschland (71,5%) und Großbritannien (69,9%). Die durchschnittliche Größe von Buy outs verringerte sich von 14,4 Mio. in 2002 auf 11,7 Mio. EUR in 2003. Wie im Vorjahr stellten Expansionsfinanzierungen hinsichtlich der Anzahl der getätigten Investitionen mit 46,2% den größten Anteil dar. Betragsmäßig entfielen auf diesen Bereich 21,4%. Start-ups machten 31,1% (Anzahl der Investitionen) bzw. 6,8% (Betrag der Investitionen) aus.
Erneut wurde der Hauptteil der Investitionen (5,6 Mrd. EUR bzw. 19,4%) im Consumer-Bereich getätigt. Als zweitstärkste Branche schloss sich mit 4,9 Mrd. EUR bzw. 16,9% die Kommunikationsindustrie an. High-Tech-Unternehmen konnten 2003 doppelt so viele Investitionen (7 Mrd. EUR) wie im Vorjahr auf sich ziehen. Auf sie entfiel in 2003 ein Viertel der insgesamt getätigten Investitionen - in 2002 war es lediglich ein Achtel. Die investitionsstärksten Länder im High-Tech- Bereich in 2003 waren Irland (95,8%), Ungarn (77,5%) und die Schweiz (50,0%).
Die Anzahl der Private Equity-Investitionen erhöhte sich um 1,4% auf 10.375. 75,5% des investierten Kapital entfiel auf Erstinvestitionen, 24,5% auf Folgefinanzierungen. Insgesamt 7.446 Unternehmen wurden 2003 mit Beteiligungskapital unterstützt. Das sind 10,8% weniger als im Vorjahr 2002.
Die durchschnittliche Deal-Größe erhöhte sich leicht von 2,7 Mio. EUR in 2002 auf 2,8 Mio. EUR in 2003. Bei Betrachtung nach Finanzierungsphasen betrug die durchschnittliche Deal-Größe bei Seed-Finanzierungen 0,4 Mio. EUR und bei Start-up- Finanzierungen 0,6 Mio. EUR. Bei Expansionsfinanzierungen bzw. Replacement Capital (= Kauf von Unternehmensanteilen durch Anteilseigner, die das Unternehmen verlassen wollen) waren es 1,3 Mio. EUR bzw. 5,6 Mio. EUR. Buy out-Investitionen waren 2003 durchschnittlich 11,7 Mio. EUR groß. 64,9% des insgesamt in 2003 investierten Kapitals erfolgte ohne Syndizierungen. Investitionen wurden mit 82,2% (Anzahl der Investitionen) und 71,2% (Höhe der Investitionen) in dem Land getätigt, in dem der Fondsmanager seinen Sitz hat. Dennoch erhöhten sich die grenzübergreifenden Investitionen von 16,3% in 2002 auf 17,8%.
Das Fund Raising in Europa blieb mit 27 Mrd. EUR nahezu auf gleichem Niveau wie 2002 (leichter Rückgang um 1,8%). Mit 55,5% fand mehr als die Hälfte des Fund Raising in Großbritannien statt. Zurückzuführen ist das u.a. darauf, dass eine Vielzahl der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften ihren Sitz in Großbritannien hat. Schweden (8%) und die Niederlande (7,6%) belegten die Plätze 2 und 3 beim Fund Raising. Für Buy out-Investitionen wurden 2003 mehr Geldmittel beschafft. Das Fund Raising erhöhte sich in diesem Bereich von 66,3% auf 76,5% der insgesamt beschafften Geldmittel. Banken waren weiterhin mit 21,5% (2002: 26%) die wichtigste Kapitalquelle, gefolgt von Pensionsfonds mit 19,5% (2002: 16%) und Dachfonds mit 16,4% (2002: 13%). Unabhängige Fonds stellten mit 20,7 Mrd. EUR bzw. 76,8% des Gesamtbetrags nahezu gleichviel Geldmittel wie im Vorjahr bereit. Auf Captive Funds (= Fonds, die Teil einer größeren Finanzinstitution sind oder dieser gehören) entfielen 16,9%.
Die Höhe des veräußerten Kapitals (Bewertung zu Anschaffungskosten) erhöhte sich um 27% im Vergleich zum Vorjahr 2002. Die Abschreibungen sanken um 50% auf 1,6 Mrd. EUR. 2003 war ein schwieriges Jahr für Exits: Es wurden 4.019 Unternehmen veräußert, verglichen mit 4.911 in 2002. 20,4% der Veräußerungen waren Trade Sales (2,8 Mrd. EUR). Veräußerungen durch Secondary Sales erhöhten sich auf 2,7 Mrd. EUR bzw. 20,2% des gesamten Betrags. IPOs stellten 11,8% der Veräußerungen dar.
Das europäische Portfolio (Bewertung zu Anschaffungskosten) wird zum 31. 12. 2003 auf 139 Mrd. EUR, bereinigt um Veräußerungen, geschätzt. In 2002 waren es 123 Mrd. EUR.
Jean-Bernard Schmidt, EVCA Chairman sowie Chairman und Managing Director von Sofinnova Partners sagte: "Die Zahlen bestätigen, was wir bereits gespürt haben: Das Vertrauen in den Markt kehrt zurück, und es macht sich vorsichtig Optimismus für das Jahr 2004 breit. Das zeigt auch der recht deutliche Aufschwung der Investitionstätigkeit in der ersten Jahreshälfte 2004 und der bislang erfolgreich vollzogenen Börsengänge und Trade Sales". Schmidts Einschätzung des Gesamtmarktes: "Die europäische Beteiligungsindustrie ist in guter Verfassung, um ihre Chancen wieder zu ergreifen. Es bleibt genug Spielraum für langfristiges Wachstum, insbesondere durch verstärktes Engagement von Pensionsfonds, die in Europa ihren Sitz haben. Die Verabschiedung der europäischen Richtlinie für Pensionsfonds unterstreicht, wie notwendig es ist, die europäischen Rentensysteme mit Pensionsfonds zu stärken und sie zu ermutigen, ihre Anlagestrategie durch Beteiligungskapitalinvestitionen zu diversifizieren". Laut Schmidt zeigen die Zahlen für 2003 darüber hinaus, dass Banken weiterhin eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Private Equity und Venture Capital in Europa spielten: Sie blieben mit einem Anteil von über 21% die wichtigste Quelle für Private Equity-Kapital. Nach wie vor sei es aber notwendig, dass die Politik in den betreffenden Ländern die besonderen Bedürfnisse und die Rolle von Beteiligungskapital in Europa mehr anerkennt.
Keith Arundale, Leiter European Venture Capital bei PricewaterhouseCoopers sagte: "Die europäische Beteiligungsindustrie unterstützt Technologieunternehmen weiterhin in großem Stil. In 2003 wurde doppelt so viel Geld in diese Unternehmen investiert. Die Investitionen machten mit fast 7 Mrd. EUR fast ein Viertel der gesamten getätigten Investitionen aus. Fund Raising für Early Stage- und Expansions-Unternehmen machte nur 9% des Gesamtbetrags aus, was zu einem kurzfristigen Rückgang von Geldmitteln für Technologieinvestitionen führen könnte".

Quelle: FINANZ BETRIEB, 03.06.2004

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