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Evotec rechnet für 2001 mit negativem Ergebnis

Das Biotechnologieunternehmen Evotec wird die Gewinnschwelle beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in diesem Jahr möglicherweise nicht mehr erreichen.

Reuters HAMBURG. "Falls wir nur Umsätze am unteren Ende der Erwartungen erzielen, werden wir den Break-Even beim Ebitda nicht schaffen", sagte Vorstandschef Jörn Aldag auf einer Analystenkonferenz am Dienstag. Dieser solle dann 2002 erreicht werden. Die im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes gelistete Firma hatte für das Geschäftsjahr 2001 Umsätze zwischen 67 und 74 Mill. ? in Aussicht gestellt. Die Evotec-Aktie fiel nach der Nachricht zeitweise um über fünf Prozent auf 10,20 ?.

Zuvor hatte Evotec mitgeteilt, den um nicht zahlungswirksame Aufwendungen bereinigten Betriebsverlust im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich reduziert und damit die Erwartungen von Analysten übertroffen zu haben. Zudem sei ein Vertrag mit der amerikanischen Pharmacia Corp um vier Jahre verlängert worden. Angaben aus Branchenkreisen zufolge entspricht dies einem Auftragsvolumen im mittleren einstelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Es stehe nicht fest, dass die Umsatzerlöse tatsächlich am unteren Ende der Erwartungen ausfallen werden, sagte Aldag auf der Analystenkonferenz weiter. Dies sei lediglich eine Projektion aus der aktuellen Situation heraus, und ein Indikator dafür, dass Unternehmen sich derzeit nur zögerlich für neue Systeme entscheiden würden. Er sehe jedoch keinen Anlass, warum die Pharmafirmen ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben kürzen sollten. Die Ebitda-Gewinnschwelle werde sicher im Jahr 2002 erreicht, sagte Aldag.

"Die Investoren werden ein bisschen enttäuscht darüber sein, dass sie (Evotec) in diesem Jahr kein positives Ebitda erreichen, auch wenn ich erstaunt bin, dass irgendjemand das tatsächlich erwartet hat", sagte Goldman-Sachs-Analyst Stephen McGarry. "Sie gehen bedacht vor und streichen nicht bei Forschung und Entwicklung", fügte er hinzu. McGarry bewertet Evotec mit "Outperform".

Mittelfristig erwartet Evotec nach Angaben des Vorstandschefs weiterhin ein deutliches Wachstum. Der bereinigte operative Verlust für das zweite Quartal 2001 betrug den Angaben zufolge 2,94 Mill. ? nach 4,4 Mill. ? im Vorjahreszeitraum. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem um 0,5 Mill. ? höheren Verlust gerechnet. Das bereinigte Ergebnis schließe Firmenwertabschreibungen von rund 34 Mill. ? aus, die im Wesentlichen auf die Übernahme von Oxford Asymmetry International (OAI) zurückzuführen seien, hieß es. Inklusive Firmenwertabschreibungen habe sich der Nettoverlust im Berichtszeitraum auf 37,5 (minus 4,1) Mill. ? oder 1,06 (minus 0,17) Euro je Aktie erhöht. Der Umsatz sei im zweiten Quartal auf 15,06 (4,3) Mill. ? gestiegen und blieb damit leicht unter den durchschnittlichen Analystenerwartungen von 15,23 Mill. ?.

Das derzeitige Auftragsbuch decke bereits 84 % des budgetierten Umsatzes für 2001 ab, teilte Evotec weiter mit. Der deutliche Umsatzanstieg im ersten Halbjahr 2001 sei im Wesentlichen auf OAI sowie das starke Wachstum im Bereich der biologischen Dienstleistungen zurückzuführen. Die Gesellschaft will nach eigenen Angaben zum Komplettdienstleister für die gesamte Phase der Erforschung neuer Wirkstoffe werden. Dabei sollen biologische und chemische Prozesse kombiniert werden.

Marietta Miemietz, Analystin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, bezeichnete die Evotec-Quartalszahlen als gut. Auch die bereits 84-prozentige Abdeckung des für das Gesamtjahr budgetierten Umsatzes sei positiv. Größte Schwäche von Evotec bleibe jedoch, dass schwer absehbar sei, wie sich der Biologie-Bereich entwickeln werde. "Was sie da wirklich brauchen, sind Deals mit großen Partnern, die viel Profil im Markt haben", sagte Miemietz, die Evotec mit "Add" bewertet. Am späten Nachmittag notierten die Evotec-Titel in einem behaupteten Gesamtmarkt 3,44 % im Plus bei 11,12 ?.

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