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Ex-Bundesbank-Chef Karl Otto Pöhl wird 75

Bei der deutschen Wiedervereinigung war Ex-Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl ein einsamer Rufer in der Wüste. Als damaliger Notenbankchef sah er schon 1990 für die DDR „katastrophale Zustände“ nach der Währungsunion voraus.

dpa FRANKFURT/MAIN. Bei der deutschen Wiedervereinigung war Ex-Bundesbank-Präsident Karl Otto Pöhl ein einsamer Rufer in der Wüste. Als damaliger Notenbankchef sah er schon 1990 für die DDR "katastrophale Zustände" nach der Währungsunion voraus.

Pöhl warnte vor den kommenden Lasten der Vereinigung. Unermüdlich setzte sich Pöhl in den Wendejahren 1989/90 für eine schrittweise wirtschaftliche Annäherung beider Staaten ein - doch seine Kritik verhallte ungehört. Die Geschichte hat dem Mahner gegen eine überhastete Währungsunion zwischen Bundesrepublik und DDR inzwischen Recht gegeben.

"Ich habe eine Steuererhöhung gefordert, aber Bundesfinanzminister Theo Waigel hat mich dafür beschimpft", erinnert sich der Ex- Präsident der Deutschen Bundesbank, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. "Später wurde der Solidaritätszuschlag eingeführt." Pöhl warnte davor, "die Wiedervereinigung mit der Notenpresse zu finanzieren." Seine Empfehlung für einen Umtauschkurs von 2:1 zwischen DDR-Geld und harter D-Mark sowie einer Sonderwirtschaftszone Ost ignorierte die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

"Man hat die Regeln der Sozial- und Rentenversicherung einfach auf die DDR übertragen. Davon hängt unser heutiges Dilemma ab", erklärt der damalige oberste Währungshüter. Heute fühlt er sich bitter bestätigt, ist aber nach eigenen Worten "keineswegs glücklich darüber, Recht behalten zu haben". Aus Enttäuschung über seinen geringen Einfluss trat der Bundesbankpräsident im Sommer 1991 zurück - obwohl seine Amtszeit noch mehr als vier Jahre gedauert hätte. "Ich war frustriert über die Art der Wiedervereinigung. Die Notenbank darf kein Instrument der Politik sein."

Heute zeigt der Diplomvolkswirt Verständnis für die damaligen Entscheidungen der Politik. Das "Diktat der Stunde" habe keine Alternativen gelassen, die Demonstranten auf den Straßen in Ostdeutschland hätten die Mark unbedingt gewollt. "Es war wie eine Lawine, die niemand stoppen konnte und wollte." Die führende Elite sei überfordert gewesen: "Wir alle wussten nicht genug, wir alle haben es uns leichter vorgestellt."

Pöhl verließ für viele überraschend die Bühne der Tagespolitik. Der passionierte Golfer setzte sich aber nicht zur Ruhe, sondern wurde Anfang 1992 Sprecher der angesehenen Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, wo er 1998 altersbedingt aus der Geschäftsführung ausstieg. Zahlreiche Aufsichts- und Beiratsmandate hat der international hochgeachtete Geldpolitiker, der zwischen seiner Wahlheimat Portugal, Frankfurt und den USA pendelt, heute noch inne.

Der gebürtige Hannoveraner und Vater von zwei Kindern startete seine Karriere als Journalist und war dann zunächst Abteilungsleiter im Ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Der eloquente Volkswirt mit dem SPD-Parteibuch diente im Bundeswirtschaftsministerium, war Berater von Bundeskanzler Willy Brandt und Staatssekretär im Finanzministerium unter Helmut Schmidt, bevor er 1977 zunächst Vizepräsident und 1980 Präsident der Deutschen Bundesbank wurde.

Bleibende Spuren hat der gewiefte Taktiker auf dem Weg zur Europäischen Währungsunion hinterlassen. Als seine wichtigste persönliche Leistung nennt Pöhl das Statut der europäischen Zentralbank, das unter seinem Vorsitz erarbeitet wurde. "Ich habe mich sehr dafür engagiert, dass wir eine unabhängige europäische Notenbank bekommen haben", sagt Pöhl. "Der Euro musste so hart wie die D-Mark werden." Mit der Politik der Europäischen Zentralbank ist der Architekt der europäischen Währungsunion zufrieden, ihre Geldpolitik sei "sehr professionell und der Lage angemessen".

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