Ex-Chef Haffa gegen Schadenersatzansprüche gerüstet
Neuer EM.TV-Chef Klatten drängt auf rasche Verbesserungen

Der designierte Vorstandsvorsitzende von EM.TV, Werner Klatten, drängt auf eine rasche Veränderung bei dem Münchner Medienunternehmen. "In den nächsten drei Monaten werden die ersten qualitativen Verbesserungen zu spüren sein", sagte Klatten der Zeitung "Welt am Sonntag". Sein Ziel sei, "die Distribution von Kinderprogrammen in andere europäische Länder zu verstärken".

afp BERLIN. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" vom Samstag besteht für den zurückgetretenen EM.TV-Chef Thomas Haffa eine Missmanagement-Versicherung, die eine Schadenssumme von maximal 200 Mill. DM abdeckt. Diese so genannte Directors' & Officers' liability insurance (D&O), die EM.TV bei den Deutschland-Ablegern von zwei US-Versicherungskonzernen abschloss, soll den Manager vor den finanziellen Folgen eigener Fehlentscheidungen schützen.

Klatten sagte dem Blatt, er habe bereits zwei Finanzierungszusagen erhalten, die für den 25,1 Prozent-Einstieg an EM.TV erforderlich sind. Sie sollen aus jeweils einer Kreditzusage einer Bank und Garantien einer "großen Private Equity-Firma" bestehen. Diese Zusage garantierten die Bezahlung für die Aktien, die der bisherige Mehrheitsaktionär und in der vergangenen Woche zurückgetretenen Vorstandsvorsitzende Haffa gehalten hatte. Klatten habe eigenen Angaben zufolge diese Aktien zu einem fixierten Preis erworben, müsse für sie aber erst am 2. Januar 2002 bezahlen: "Wie die Konditionen gegenüber den Geldgebern genau sein werden, hängt davon ab, wie sich der Kurs weiter entwickeln wird. Je höher der Kurs sein wird, desto weniger Firmenanteile gebe ich an Private Equity weiter und desto höher wird der Anteil an Fremdfinanzierung durch Kredite".

Sobald die Finanzierung feststehe, werde er sie auch offen legen, betonte Klatten. Auf die Transparenz bei der Finanzierung will das Bundeskartellamt drängen: "Die Anteile dürfen nachweislich nicht im Auftrag wettbewerblich bedenklicher Dritter erworben werden", sagte ein Sprecher der "Welt am Sonntag". Bislang sei der Einstieg von Klatten beim Bundeskartellamt noch nicht angemeldet worden.

Mit einer Missmanagement-Versicherung wird vermieden, dass Vorstände mit ihrem Privatvermögen haften, wie es im Aktienrecht eigentlich vorgesehen ist. Haffas Police decke sogar grobe Fahrlässigkeit ab, schrieb die "Berliner Zeitung". Nur im Falle von Vorsatz greife sie nicht. Haffa ist bereits seit einiger Zeit mit Schadenersatzforderungen von Aktionären konfrontiert.

Derartige Policen für Spitzenmanager gehörten bei US-Konzernen seit langem zum Standard, heißt es in dem Bericht. Mittlerweile seien sie aber auch bei vielen großen deutschen Aktiengesellschaften als Vermögensschutz für den Vorstand sehr verbreitet. Experten kritisieren, dass derartige Versicherungspolicen die Risikobereitschaft von Spitzenmanagern unvertretbar erhöhen.

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