Ex-Elf-Manager soll Licht in die Leuna-Affäre bringen
Bundestagsabgeordnete zur Vernehmung Sirvens in Paris

Der Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat am Montag in Frankreich einen neuen Anlauf unternommen, um Licht in die Leuna-Affäre und die damit verbundenen Bestechungsvorwürfe zu bringen. Sieben Ausschussmitglieder trafen am frühen Nachmittag im Pariser Santé-Gefängnis ein, um dort den Ex-Elf-Manager Alfred Sirven zu vernehmen.

afp PARIS. Der 75-Jährige, der vor einem Jahr nach langer internationaler Fahndung auf den Philippinen verhaftet wurde, hat bisher keine verwertbaren Aussagen zur Leuna-Affäre gemacht. Als ehemaliger Verwalter der Schwarzen Kassen beim französischen Ölkonzern Elf Aquitaine gilt er jedoch als eine der Schlüsselfiguren der Affäre.

Die Delegation unter Leitung des Ausschuss-Vorsitzenden Volker Neumann (SPD) will weitere Anhaltspunkte dafür bekommen, ob beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an den damals staatlichen Elf-Konzern Bestechungsgelder in Deutschland geflossen sind. "Das ist das erste Mal, dass ein deutscher Untersuchungsausschuss in Frankreich eine solche Vernehmung machen kann", sagte SPD-Obmann Frank Hofmann am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Sirven habe sich zu der Vernehmung bereit erklärt. "Wir verschaffen uns nun einen persönlichen Eindruck, den Rest muss man sehen." Bei einer ersten Vernehmung durch den Ausschuss im Februar in der Haftanstalt im hessischen Weiterstadt hatte sich Sirven gesagt, er wolle erst die Akten studieren.

Bei dem umstrittenen Leuna-Geschäft 1992 flossen an die Vermittler Dieter Holzer und Pierre Léthier Provisionszahlungen von 256 Millionen Franc (39,03 Millionen Euro/knapp 77 Millionen Mark). Der Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages prüft weiterhin, ob mit einem Teil dieser Gelder deutsche Politiker bestochen wurden. Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte Mitte Dezember nach Prüfung der Genfer Leuna-Akten erklärt, es gebe keine Anhaltspunkte, "dass deutsche Politiker in strafrechtlich relevanter Weise Zahlungen von Elf-Aquitaine erhalten haben".

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