Ex-Finanzchef packt aus
Schlinge um Haffa-Brüder zieht sich immer enger

Die EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa sind im Betrugsprozess vor dem Landgericht München durch einen der wichtigsten Zeugen weiter in Bedrängnis geraten.

Reuters MÜNCHEN. Im Prozess gegen Thomas und Florian Haffa hat ein früherer Vorstand der EM.TV AG von Veränderungen der Konzernzahlen im Jahr 2000 berichtet.

Der frühere Controlling-Vorstand Ulrich Goebel sagte am Dienstag vor dem Landgericht München, die Unternehmensleitung habe die Halbjahreszahlen 2000 in seiner Abwesenheit verändert. Seine Abteilung und er hätten den Bericht so gut wie fertig gehabt, bevor er eine USA-Reise angetreten habe. Als er zurückgekehrt sei, habe er sich über die in einer Pflichtmitteilung veröffentlichten Umsätze gewundert.Der angeklagte ehemalige Vorstandschef Thomas Haffa und sein Bruder Florian als Finanzvorstand hätten ihm aber jede inhaltliche Auskunft dazu bis Anfang Oktober verweigert.

Goebel sagte, er habe den Eindruck gehabt, dass der EM.TV-Vorstand als Ganzes bezüglich der Berichte seine Rechte und Pflichten nicht so wahrgenommen habe, wie gesetzlich vorgesehen. So seien die Unternehmenszahlen bis Oktober 2000 im Vorstand nicht diskutiert worden. Bei einer Aufsichtsratssitzung Mitte Oktober hätten die Brüder die Geschäftsentwicklung noch als sehr erfreulich dargestellt und für 2002 Umsätze von mehreren Hundert Millionen DM als erreichbar präsentiert, darunter ein Internet-Geschäft mit der Telekom mit einem Volumen über 400 Millionen DM, sagte der ehemalige Vorstand.

Im November hätten sich die Prognosen für das laufende Jahr dann derartig verschlechtert, dass er einen Fachanwalt beauftragt habe, eine Gewinnwarnung vorzubereiten, sagte Goebel weiter. Zwei Tage später sei er von Aufsichtsratschef Nickolaus Becker entlassen worden.

Die Haffa-Brüder sind wegen des Vorwurfs des Kursbetrugs angeklagt, weil sie die Krise von EM.TV lange verschwiegen und Aktionäre getäuscht haben sollen.

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