Ex-Goldman Sachs Manager verweist auf Erfolge
US-Investor Flowers gilt als seriös

Der amerikanische Interessent für die Bankgesellschaft Berlin, Chris Flowers, hat im Berliner Senat und beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen vorgesprochen. Außerdem soll Flowers bereits eine wirtschaftliche Prüfung der angeschlagenen Bank veranlasst haben.

BERLIN. Der Amerikaner Chris Flowers gilt als seriöser und ernsthafter Interessent für die Bankgesellschaft Berlin. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Banken- und Politikerkreisen sowie aus dem Umfeld des Konzerns. Bei Gesprächen habe Flowers einen guten Eindruck hinterlassen, hieß es über den selbstständigen Unternehmer, der kürzlich sein Interesse für eine Übernahme der Bank publik gemacht hat. Zu diesem Zweck hat der US-Investor bereits die Gesellschaft J.C. Flowers & Co. llc gegründet.

Flowers hat den Kontakt zum Land Berlin vor gut einem Monat aufgenommen. Das Land ist mit 56,6 % Mehrheitsaktionär der Bank. Mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und Finanzsenatorin Christiane Krajewski habe er sich erstmals am 3. August getroffen, zu einem einstündigen Gespräch. Dies bestätigte eine Sprecherin Krajewskis. Bisher liegt allerdings noch kein Angebot des Investors und seines Konsortiums vor. Unklar ist zudem, wer zum Konsortium gehört. Flowers zufolge werden wieder einige der Unternehmen dabei sein, die sich an der von ihm organisierten Übernahme der Tokioter Bank Shinsei beteiligt hatten. Zu ihnen gehörten unter anderem die Finanzhäuser ABN Amro, UBS und Citibank.

Wirtschaftliche Prüfung veranlasst

Aus Kreisen der Bankgesellschaft hieß es, Flowers habe bereits eine "due dilligence" veranlasst, also eine wirtschaftliche Prüfung. Die Bank ist wegen Kreditrisiken für Immobilien in die Krise geraten und braucht eine Kapitalspritze von rund 2 Mrd. Euro. Die Hauptversammlung (29. August) soll deswegen eine Kapitalerhöhung beschließen. Diese wird das Land Berlin wohl zunächst allein tragen. Dem Vernehmen nach sucht Berlin bereits einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden, Wolfgang Rupf. Entsprechende Gerüchte wollte die Finanzsenatorin gegenüber dem Handelsblatt nicht kommentieren.

Flowers will den Vorstandsvorsitz im Falle eines Einstiegs einem Deutschen vorbehalten. Mit dem Mathematiker hat sich zum ersten Mal ein Interessent mit einem kompletten Übernahmeangebot gemeldet. Der 43-jährige will alle Bedingungen des Landes Berlin erfüllen. Er ist nach eigenem Bekunden auch offen für Kooperationen - etwa mit der NordLB, die neben Berlin mit 20 % größter Aktionär der Bank ist. Auch die NordLB überlegt, sich zusammen mit den Sparkassen stärker bei der Bank zu engagieren.

Flowers ist Direktor der Shinsei-Bank

Im Wettbewerb um den Bankenplatz Berlin verweist Flowers auf Tokio: Seit Übernahme der Shinsei-Bank sei es gelungen, die Zahl der Arbeitsplätze dort um 6 % zu erhöhen. Im März 2000 hatte das Konsortium von Flowers die ehemalige Long Term Bank-Credit (LTCB) für rund 10 Mrd. Euro übernommen. Die LTCB war nach ihrem Konkurs wegen fauler Kredite 1999 zwangsverstaatlicht worden. Bei der heute in Shinsei (Wiedergeburt) umbenannten Bank ist Flowers Mehrheitsaktionär und Direktor. Den Rest halten Mitglieder des Konsortiums. Ein ähnliches Modell schwebt Flowers - der weder japanisch noch deutsch spricht - in Berlin vor.

Das erste Geschäftsjahr der Shinsei Bank (per 31. März) kennzeichnet eine gestraffte Struktur samt Abbau der Bilanzsumme: um ca. 28 % auf umgerechnet 86 Mrd. Euro. Auch hat das Management die Bilanz energisch von Krediten zweifelhafter Bonität gesäubert.

Bei der Bewerbung für die LTCB konnte Flowers neben seinem Höchstgebot auch mit seiner Biografie beeindrucken: Bereits mit 31 Jahren wurde der Harvard-Absolvent Partner bei der Investmentbank Goldman Sachs. Bis 1998 erwirtschaftete die Gruppe, die Flowers dort leitete, ein Drittel aller Einnahmen aus dem Investment-Banking. Später machte er sich selbstständig und erwarb die Mehrheit an The Enstar Group, Inc., die sich an Banken und Versicherungen beteiligt.

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