Ex-Kanzler Helmut Kohl spricht das Grußwort
CDU will auf Parteitag Geschlossenheit demonstrieren

Siegesgewiss natürlich, aber auch etwas verschämt geht die Union am Wochenende in ihren Wahl-Parteitag. Denn anders als andere wird der erste Redner nicht in fetten Lettern im Programm angekündigt. Der Ex-Kanzler und Ex-Ehrenvorsitzende Helmut Kohl darf zwar am 17. Juni über den 17. Juni reden, groß annoncieren will die Partei den Auftritt des gefallenen Patriarchen aber nicht.

BERLIN. Auch die Macht des Schicksals hat sich gegen eine laute Ankündigung Kohls gewendet, seitdem die CDU wegen ihrer heimlichen Schwarzgeldkonten diese Woche zur 21-Millionen-Euro-Strafe verdonnert wurde. Kohl, dick aufgetragen, wäre da nur peinlich. Gerade in Krisenzeiten.

Aber an Krisen hat die Union in den letzten Tagen keinen Gedanken verschwenden wollen. Inhaltlich läuft der Wahlkampf optimal auf den von der Parteizentrale und ihrer Chefin Angela Merkel verlegten Schmalspurgleisen und auch der hagere Kandidat aus Bayern, Edmund Stoiber, fiel bei seiner Wandlung zum Frontman der gesamten Union nicht unter das ihm gegebene Ministerpräsidenten-Niveau.

Unversehens aber kommt dem Parteitag gesteigerte Bedeutung zu. Das Endlosband "Kompetenzteam" ist ausgeleiert, der Zuspruch der Wähler für die Union hat laut Umfragen den Zenit überschritten, und mit Lothar Späth und Horst Seehofer haben sich zwei ausgesuchte Wahlkampfmatadore präziser zu Sachthemen ausgelassen, als es dem Kandidaten, der das Ungefähre liebt, genehm ist.

Damit nicht genug der Probleme. Dem wieder wahrscheinlichen, langjährigen Koalitionspartner FDP wird diesmal nicht die Ehre der Gunstbezeigung widerfahren dürfen. Die Liberalen nötigen mit ihren Eskapaden am rechten und antisemitischen Rand Angela Merkel viel Selbstbeherrschung ab: Renommieren kann sie mit einem solchen Wahlverwandten nicht, viel eher Stimmen verlieren, wenn die Randdemokraten in Blau-Gelb das Monopol fürs rechte Spektrum knacken, das bisher dem Kandidaten aus der CSU vorbehalten war.

Wahlsieg in Gefahr

Der schon greifbar nahe Wahlsieg scheint rund 100 Tage vor dem Wahlgang plötzlich in Gefahr, auch weil die Motivation der siegesgewissen Unionisten nachlässt. Die Parteichefin weiß das und wird deshalb auf dem Parteitag an den Durchhaltewillen der Parteifreunde für die letzten 100 Tage appellieren. "Nur weil Schröder schreit: Das könnt ihr alles nicht bezahlen, dürfen wir uns nicht ins Schlingern bringen lassen," heißt es in ihrer Umgebung. Erst versprochen, dann gebrochen: Das darf nur für die Anderen gelten.

Die Anderen, das sind diesmal nicht nur die Regierenden, sondern eben auch die FDP. So wird Angela Merkel in Frankfurt die schwarze Corporate Identity durch Abgrenzung schärfen und den Delegierten einbläuen, dass ein Wechsel in Berlin allein mit einer CDU als stärkste Partei gelingen kann. Als quasi staatspolitisches Ziel der Union wird dabei anklingen, dass eine Große Koalition ausgeschlossen bleiben müsse. Ehrenwort.

Der Parteitag soll auch wie eine große Ansprache an den Eigennutz der Bürger wirken, wenn Stoiber und Merkel die Alternativen zu Rot-Grün scharf konturieren: Danach muss klar sein, wie spürbar besser es bei einer CDU-Regierung für alle sein wird - mehr Arbeitsplätze, weniger Bürokratie und noch weniger Steuern.

Erst am Schluss, am kommenden Dienstag, wird Edmund Stoiber reden und auf Drängen Angela Merkels mit seinem modernen, aufgeschlossenen Bild von Frau und Familie verblüffen. Sein Motto: Wir schreiben den Menschen doch nicht vor, wie sie zu leben haben.

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