Ex-Luftwaffen-Offizier unter Verdacht
Erste Festnahmen nach Bali-Anschlägen

Bei der Suche nach den Drahtziehern der Bombenanschläge auf Bali mit mindestens 189 Toten hat es erste Festnahmen gegeben. Zwei Männer, die zunächst als Zeugen verhört worden waren, wurden nach Angaben der indonesischen Polizei am Mittwoch als Verdächtige in Haft genommen.

HB JAKARTA/KUTA/SYDNEY. Überdies nahmen Fahnder einen früheren indonesischen Luftwaffenoffizier fest, der aber später wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, wie der indonesische Polizeichef General Da'i Bachtiar mitteilte. Den Ermittlungen zufolge wurde bei den Anschlägen vom Samstag unter anderem auch der starke Plastiksprengstoff C-4 verwendet, der auch militärisch eingesetzt wird.

Bei den beiden Verdächtigen handele es sich um Indonesier von der Hauptinsel Java, sagte Balis Polizeichef, Brigadegeneral Budi Setyawan. Sie wurden nach Angaben der britischen BBC am Mittwoch offiziell als Verdächtige verhaftet, nachdem sie seit Dienstag intensiv verhört worden waren. Dabei waren die Männer durch "verwirrende Angaben" aufgefallen. Einer von ihnen soll der Bruder eines weiteren Verdächtigen sein, dessen Ausweis am Ort der Explosionen gefunden worden sei. Auch vier Tage nach den Anschlägen hatte sich weiterhin niemand als Urheber bekannt.

Die Zahl der vermissten Deutschen reduzierte sich am Mittwoch auf fünf. Nach wie vor könne nicht ausgeschlossen werden, dass unter ihnen auch Tote seien, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Eine Deutsche war bei den Anschlägen getötet worden. Sechs verletzte Deutsche werden in Krankenhäusern in Australien behandelt.

Bei den Bombenanschlägen vor zwei gut besuchten Discotheken in dem Ferienort Kuta wurden laut Fahndern drei verschiedene Sprengstoffe verwendet. Neben dem C-4 sei auch TNT benutzt worden, sagte ein Behördensprecher. Das hätten Laboruntersuchungen des US- Geheimdienstes CIA ergeben. C-4 war auch bei dem Anschlag auf das US- Kriegsschiff "USS Cole" vor zwei Jahren verwendet worden.

Im Nachbarland Malaysia wurden unterdessen vier mutmaßliche Moslemextremisten festgenommen, die Verbingungen zur radikalen islamistischen Gruppe Jemaah Islamiyah haben sollen. Die Organisation wird unter anderem von Australien verdächtigt, hinter den Anschlägen auf Bali zu stecken. Zunächst hätten die Ermittlungen aber keine Hinweise ergeben, dass die Männer etwas mit den Bombenattacken zu tun haben, sagte der malaysische Polizeichef Norian Mai.

Indonesien und Australien vereinbarten am Mittwoch eine enge Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Bombenanschläge. "Wir haben über den Ausbau der Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus gesprochen", sagte der indonesische Außenminister Hassan Wirayuda nach einem Treffen mit seinem australischen Amtskollegen Alexander Downer in Jakarta. Australien und Indonesien vermuten die Terrororganisation El Kaida hinter den Autobomben-Anschlägen, bei denen zahlreiche junge Australier getötet worden waren.

Der australische Ministerpräsident John Howard lobte eine Belohnung von zwei Mill. australischen $ (1,1 Mill. Euro) für Hinweise aus, die zur Festnahme der Täter führen. Er betonte im Gespräch mit der BBC, der Regierung in Canberra hätten keine Geheimdienst-Hinweise auf die Attentate vorgelegen. Verteidigungsminister Robert Hill sagte, Australien erwäge die Wiederaufnahme der militärischen Zusammenarbeit mit der indonesischen Eliteeinheit Kopassus, die vor vier Jahren eingestellt worden war.

Als Reaktion auf die Bombenanschläge kündigte die indonesische Regierung die Schaffung einer neuen Geheimdienst-Behörde für den Kampf gegen den Terrorismus an. Die Behörde werde "größere Befugnisse haben als der existierende Geheimdienst", sagte der indonesische Sozialminister Bachiar Chamsyah bei einem Besuch auf Bali.

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