Ex-Partner Duncan sagt als Kronzeuge aus
Untergang von Andersen rückt näher

Die Gespräche des Wirtschaftsprüfungskonzerns Arthur Andersen mit dem US-Justizministerium um eine außergerichtliche Einigung sind gescheitert. Während immer mehr Kunden abspringen, verhandeln einzelne US-Partner mit der Konkurrenz, um wenigstens ihre Abteilungen zu retten.

coh/dpa WASHINGTON. Der Wirtschaftsprüfungskonzern Arthur Andersen LLP ist im freien Fall. Die Gespräche des partnerschaftlich organisierten Unternehmens mit dem Justizministerium und den Sammelklägern über eine außergerichtliche Einigung sind gescheitert. Damit haben sich die Überlebenschancen weiter verschlechtert. Die einzelnen Partner in den USA führen unterdessen verstärkt Gespräche mit der Konkurrenz, um zumindest sich und ihre Abteilung zu retten.

"Wir sind nicht mehr in Gesprächen mit dem Justizministerium, und es sind mittelfristig auch keine weiteren geplant", sagte Andersen-Anwalt Rusty Hardin. Das Scheitern der Unterredungen bedeutet auch eine Niederlage für das Justizministerium. Es hatte Andersen angeklagt, nachdem der mittlerweile gefeuerte Partner David Duncan zugegeben hatte, Akten des Pleite gegangene Energiehandelskonzerns Enron Corp. vernichtet zu haben, und einwilligte, als Kronzeuge auszusagen. Die Behörde wollte sich nun mit Andersen einigen, um weitere Einsicht in Enron-Akten zu bekommen.

Andersen hatte jedoch darauf bestanden, gleichzeitig auch die Sammelklage geschädigter Enron-Anleger und die zivilrechtliche Untersuchung der Börsenaufsicht SEC beizulegen. Das Justizministerium hatte aber lediglich angeboten, die Anklage auf Eis zu legen und Andersen auf Bewährung zu entlassen.

Die Ablehnung dieses Angebotes nannten Beobachter einen "Akt der Selbstzerstörung". "Wenn man sich von so einem attraktiven Deal verabschiedet und dann mit seiner Firma scheitert, sollte man nicht von Mord durch das Justizministeriums, sondern von Selbstmord sprechen", sagte John Coffee, Juraprofessor an der New Yorker Columbia Universität, dem "Wall Street Journal". Wie das Handelsblatt aus Firmenkreisen erfuhr, lehnte Andersen ab, da man befürchtete, in einigen Bundesstaaten seine Lizenz zu verlieren. Das hätte nach Ansicht von Andersen die Geschäftstätigkeit zu sehr eingeschränkt. Zudem hätte Andersen dem Justizministerium auch bei der Strafverfolgung der eigenen Mitarbeiter helfen müssen.

Aus dem Ministerium war nach dem Scheitern der Verhandlungen zu hören, man sei nun an keinerlei Gesprächen mehr interessiert. Die Staatsanwälte würden vielmehr besonders aggressiv die Anklage vorbereiten. Der Strafrechtsprozess beginnt am 6. Mai.

Für die von der Kanzlei Milberg, Weiss, Bershad, Hynes & Lerach vertretenen Sammelkläger geht es dagegen erst im Dezember 2003 los. Hier waren es die Banken, darunter die Deutsche Bank, die eine außergerichtliche Einigung scheitern ließen, erfuhr das Handelsblatt aus Anwaltskreisen. "Sie weigerten sich, künftige Forderungen an Arthur Andersen in diesem Fall auszuschließen", sagte ein beteiligter Anwalt. Die Banken sitzen einerseits auf der Anklagebank, sind aber auch Kreditgeber für Enron und damit Geschädigte der Unternehmenspleite. Daher versuchen sie, ihren Schaden zu begrenzen. Eine Verzichtserklärung gegenüber Andersen könnte sie folglich Millionen Dollar kosten.

Mit jedem Tag wird jedoch ungewisser, wie viel Schadenersatz Andersen geschädigten Anlegern überhaupt zahlen kann. War zunächst noch die Rede von rund 750 Mill. $, ist die Summe mittlerweile auf etwa 300 Mill. $ gesunken. Aber mit jedem weiteren Kunden, der Andersen verlässt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Enron-Anleger jemals einen Cent sehen. Mittlerweile sind rund 230 Kunden abgesprungen.

Enrons seit Januar für das operative Geschäft zuständiger Topmanager, Jeff McMahon, wird zum 1. Juni den Konzern verlassen. Er gehe aus eigenem Antrieb, sagte der 41-jährige Manager, um dem Konzern einen neuen Anfang mit einem unbelasteten Management zu ermöglichen.

Quelle: Handelsblatt

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