Ex-Postminister und "Erfinder der Postleitzahl"
Altbundestagspräsident Stücklen gestorben

Der frühere Bundestagspräsident und Ex-Postminister Richard Stücklen (CSU) ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Das bestätigte seine Familie am Freitag.

dpa WEISSENBURG. Stücklen sei am Donnerstagabend in seiner Heimatstadt Weißenburg in Franken von einem langen Leiden erlöst worden, hieß es. Der CSU-Politiker gilt als "Erfinder der Postleitzahl" und des telefonischen Selbstwähldienstes, der in den 60er Jahren das "Fräulein vom Amt" ablöste.

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Michael Glos, erklärte am Freitag in Berlin: "Richard Stücklen war ein Politiker, der wie kaum ein anderer in den zurückliegenden mehr als fünf Jahrzehnten deutsche Politik mit geprägt hat." Er werde als "große Persönlichkeit, beherzter Patriot und treuer Freund in Erinnerung bleiben".

Mit Stücklen starb einer der letzten Gründerväter des im Jahre 1949 konstituierten ersten Deutschen Bundestages. Der Bürgermeister-Sohn war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitbegründer der CSU. Dabei entwickelte der studierte Elektroingenieur schon bald bundespolitische Ambitionen. Dem Bundestag gehörte Stücklen von seiner Gründung bis zum Jahr 1990 an. Er galt bei seinem Ausscheiden als einer der dienstältesten Bundestagsabgeordneten.

Den ersten Höhepunkt erreichte seine Karriere im Oktober 1957, als er im Kabinett von CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer Minister für Post - und Fernmeldewesen wurde. Eigentlich hatte ihn Adenauer damals als Verkehrsminister ausersehen. Auf Stücklens Drängen willigte der Kanzler aber schließlich ein, dem jungen CSU-Politiker das Postressort anzuvertrauen.

Stücklen sorgte während seiner neunjährigen Amtszeit für eine durchgreifende Modernisierung des westdeutschen Post - und Fernmeldewesens. Vor allem mit der Einführung der Postleitzahl fand er dauerhaften Eingang in die deutsche Postgeschichte. Die Große Koalition im Dezember 1966 brachte das Ende von Stücklens Ministerkarriere. Der katholische Franke hatte sich im neuen Kabinett dem konfessionellen Proporz beugen müssen.

Eine zweite Politik-Karriere führte den für seinen Humor und seine Fairness geschätzten Politiker - nach Führungsaufgaben in CSU-Landesgruppe und Bundestagsfraktion - ins Präsidium des Deutschen Bundestags. Insgesamt gehörte er dem Gremium von 1976 bis 1990 an. Von 1979 bis 1983 war er Bundestagspräsident.

Stücklen, der im örtlichen Kreiskrankenhaus starb, litt schon seit längerer Zeit an einer Herzerkrankung. Er hatte deshalb erst im August vergangenen Jahres einen Empfang zu seinem 85. Geburtstag absagen müssen. Stücklen hinterlässt seine ebenfalls schwer kranke Frau Ruth und zwei erwachsene Kinder.

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