Ex-Präsident soll vor den Untersuchungsrichter
Verhaftung Milosevics im Westen einhellig begrüßt

Die Verhaftung von Slobodan Milosevic ist in der westlichen Welt einhellig begrüßt worden. US-Präsident George W. Bush verlangte am Sonntag ebenso wie Bundesaußenminister Joschka Fischer die Auslieferung des jugoslawischen Expräsidenten an das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen in Den Haag.

ap PARIS/BERLIN. Ein Sprecher des Haager Tribunals erklärte, Belgrad sei juristisch verpflichtet, den ehemaligen Machthaber auszuliefern. "Wir hoffen, dass seine Festnahme ihn diesem Schritt näher bringt", sagte Sprecher Jim Landale.

Bush sprach von einem wichtigen Schritt zur Überwindung der Diktatur in Jugoslawien. Man könne und dürfe die erschütternden Bilder von verschreckten Frauen und Kindern, ausgemergelten Gefangenen und Massengräbern nicht vergessen. Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte in Berlin, die Bundesregierung halte daran fest, dass alle Staaten ihren völkerrechtlichen Pflichten zur Zusammenarbeit mit der internationalen Strafgerichtsbarkeit nachzukommen haben. Das gelte auch für Belgrad. Die Absicht der jugoslawischen Regierung, "zunächst ein Strafverfahren gegen Milosevic nach innerstaatlichem Recht einzuleiten", sei ein erster Schritt, ihn für die zur Last gelegten schwersten Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, die Festnahme werde helfen, der Region Frieden und Gerechtigkeit zu bringen. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte in Brüssel, mit der Festnahme Milosevics rücke Jugoslawien näher an die Europäische Union heran. Der außenpolitische Vertreter der EU, Javier Solana, sagte, der Prozess gegen Milosevic werde dem jugoslawischen Volk bei der Vergangenheitsbewältigung helfen.

Moskau warnt vor Druck auf Belgrad

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte in Paris, sein Land habe lange auf diesen Tag gewartet. Der britische Außenminister Robin Cook nannte die Festnahme einen wichtigen Schritt, um Milosevic und seine Gefolgsleute "für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zur Verantwortung zu ziehen. NATO-Sprecher Mark Laity sagte, die Festnahme sei "der Anfang des Wegs nach Den Haag".

Die albanische Regierung gratulierte Belgrad zur Verhaftung Milosevics. Jetzt erwarte das albanische Volk auch seine Überstellung nach Den Haag, hieß es in einer Erklärung vom Sonntag. Ähnlich äußerte sich der bosnische Außenminister Zlatko Lagumdzija in Sarajevo. EU-Balkankoordinator Bodo Hombach sprach in einem NDR-Interview von einer "Fortsetzung verlässlicher und berechenbarer Politik der Demokraten in Belgrad".

Das russische Außenministerium warnte indes davor, Druck auf die Regierung in Belgrad auszuüben. Das Vorgehen gegen Milosevic sei eine innere Angelegenheit Jugoslawiens. Der kommunistische Parlamentspräsident Gennadi Selesnjow forderte das Haager Tribunal auf, auch die Verantwortlichen für die Luftangriffe auf Jugoslawiens im Frühjahr 1999 anzuklagen.

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