Ex-Präsident: USA und Bin Laden haben im Kosovo-Krieg gemeinsame Sache gemacht: Milosevic beschuldigt Deutschland der Kriegstreiberei

Ex-Präsident: USA und Bin Laden haben im Kosovo-Krieg gemeinsame Sache gemacht
Milosevic beschuldigt Deutschland der Kriegstreiberei

Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat am Freitag vor Gericht in Den Haag Deutschland beschuldigt, absichtlich Krieg auf dem Balkan geschürt zu haben. Zugleich erhob er in seiner Stellungnahme zur Anklage den Vorwurf gegen die NATO, diese habe einen "bestialischen" Völkermord im Jugoslawien-Krieg begangen.

Reuters DEN HAAG. Der deutsche Geheimdienst, erklärte Milosevic, habe überall in Europa Kriminelle angeheuert und sie in den Kosovo geschickt, um eine Vertreibungsstrategie gegen die dort lebenden Albaner einzuleiten. Diese Vertreibungen seien später den Serben in die Schuhe geschoben worden, um einen Vorwand für den Nato-Krieg gegen Jugoslawien zu haben, sagte Milosevic. Deutschland habe eine führende Rolle bei dieser "Verschwörung" der Nato gespielt.

In dem Zusammenhang nannte Milosevic auch den Namen des früheren Chefs des Bundesnachrichtendienstes Klaus Kinkel, der zwischen 1992 und 1998 unter Bundeskanzler Helmut Kohl als Außenminister diente. Beide Politiker wolle er am liebsten als Zeugen vorladen, sagte Milosevic. Bereits Anfang der 90-er Jahre habe Deutschland eine Vorreiterrolle der späteren kriegerischen Entwicklung gespielt, als es darum gegangen sei, die Europäer zur Anerkennung der Unabhängigkeit Kroatiens und Sloweniens zu bringen und damit bewusst den Zerfall Jugoslawiens zu beschleunigen, erklärte Milosevic seine Version der Geschichte.

Den USA warf Milosevic vor, im Kosovo-Krieg 1999 gemeinsame Sache mit dem moslemischen Extremisten Osama bin Laden gemacht zu haben, den die USA die Anschläge vom 11. September zur Last legen. Bin Ladens El-Kaida-Organisation habe eine Einheit in den Kosovo geschickt. Diese habe auf der Seite der von den USA unterstützten albanischen Rebellen gegen serbische Sicherheitskräfte gekämpft, sagte Milosevic. Er fügte hinzu: "Die Anschläge von New York und Washington zeigen, wie der von euch unterstützte Terrorismus aussieht, wenn er sich gegen euch richtet." Es ist bekannt, dass moslemische Kämpfer aus arabischen Staaten auf Seiten der Albaner gekämpft haben. Der US-Geheimdienst hatte vor den Anschlägen im September auch im Kosovo nach Bin Laden und seinen Gefolgsleuten gefahndet.

Milosevic zeigte, um den Vorwurf angeblicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Nato zu untermauern, Bilder von verstümmelten und verbrannten Menschen, die während der Bombenangriffe der Nato umgekommen waren. Der Westen selbst habe "Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit" begangen, und dafür würde er, wenn es möglich wäre, am liebsten alle Politiker von damals vorladen: neben Kohl und Kinkel den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, seine Außenministerin Madeleine Albright, Gerhard Schröder, UNO-Generalsekretär Kofi Annan und den britischen Premierminister Tony Blair.

Milosevic sagte weiter, Hunderttausende von Albanern, die 1999 während des Nato-Luftkrieges gegen Jugoslawien geflohen seien, seien nicht, wie im Westen berichtet, von den Serben vertrieben worden, sondern von den eigenen Landsleuten. Die UCK, aus ganz Europa zusammengezogene Halunken, hätten die "Illusion eines Exodus" produziert. An der Grenze hätten bereits Hunderte von Kameraleuten darauf gewartet, die angeblichen serbischen Missetaten zu dokumentieren.

Zu seiner Verteidigung wolle er noch weitere Video-Filme präsentieren, sagte Milosevic. Er hatte am Donnerstag einen Fernsehbericht des ARD-Magazins "Monitor" vorspielen lassen, der sich kritisch mit der Rolle der Nato in Jugoslawien befasste. Der Westdeutsche Rundfunk äußerte sich am Freitag verärgert über die Verwendung des Beitrags in diesem Zusammenhang. Es ist kein Kompliment, von Milosevic zitiert zu werden", sagte der Chefredakteur des WDR-Fernsehens, Jörg Schönenborn. Der von Milosevic vor Gericht gezeigte Mitschnitt des ARD-Magazins "Monitor" vom Februar 2001 könne den wegen Kriegsverbrechen und Völkermordes angeklagten Ex-Präsidenten auch nicht entlasten.

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