Ex-Premier feiert 70. Geburtstag
Berlusconi: „Ich bin fit wie ein 35-Jähriger“

Silvio Berlusconi feiert am heutigen Freitag seinen 70. Geburtstag. Äußerlich merkt man dem Ex-Premier Italiens das Alter nicht an, doch im Inneren hat die verlorene Wahl Spuren hinterlassen - zumindest für kurze Zeit. Denn schon gibt sich Berlusconi wieder kämpferisch.

MAILAND. Unvergessen ist der Auftritt als Beduine: Zum 50. Geburtstag seiner zweiten Ehefrau Veronica in Marrakesch hatte sich Silvio Berlusconi ganz in Blau verhüllt und ihr unerkannt ein Diamantencollier überreicht. Wenige Tage später tauchte er überraschend in Sardinien auf und sprach den Schönheiten in der Edel-Diskothek "Billionaire" des Renault-Teamchefs Flavio Briatore Komplimente aus. Wenn der Ex-Premier und heutige Oppositionschef in diesem Sommer von sich reden machte, dann meist durch Party-Auftritte.

Doch damit ist jetzt Schluss. Seinen eigenen 70. Geburtstag will der italienische Meister der Inszenierung heute ganz ohne pompöse Feste und Showeinlagen feiern, im trauten Kreise der Familie in seiner Villa Belvedere im Nordosten Mailands. Die 70 Jahre sieht man dem zweimaligen Regierungschef dank der Liftings und Haartransplantationen nicht an. Und Berlusconi selbst versichert, dass das nicht nur für die Oberfläche gilt: "Ich habe die Energie eines 35-Jährigen", erzählte er diese Woche strahlend den Journalisten auf dem Weg aus dem Parlamentsgebäude. "Stellt euch vor: Gestern habe ich meinen Bodyguard beim 100-Meter-Sprint überholt."

Schreibt mich noch nicht ab! - das ist die Botschaft, die Berlusconi verbreitet. Nachdem er vor und nach den knappen Wahlen im April noch gekämpft hatte wie ein Löwe, um doch noch den Sieg zu erringen, erweckte er im Sommer den Eindruck, dass er sich ins Privatleben zurückziehen will. Und das lag nicht nur daran, dass ihm der staatliche Fernsehsender Rai jetzt weniger Sendezeit lässt. Selbst eher kritisch gesonnene Kommentatoren vermissten den politischen Haudegen: "Wir fordern ihn auf, seinen Platz im Leben des Landes wieder einzunehmen und jenen, die ihn und seine Koalitionspartner gewählt haben, eine Stimme zu geben", schrieb Anfang September der ehemalige Moskau-Botschafter Sergio Romano im "Corriere della Sera".

Berlusconi scheint sich die Aufrufe zu Herzen genommen zu haben: "Ich kann mich nicht zurückziehen", verkündete er diese Woche: "Ich fühle mich verantwortlich, denn ich kann die 50 Prozent, die uns gewählt haben, nicht im Stich lassen", sagte er einsilbig und nahm in der zweiten Reihe Platz.

Dass dem Macher die Rolle in der Opposition nicht passt, ist klar. Und da Berlusconi ein geborener Optimist ist, rechnet er schon fest mit seiner Rückkehr in die Hauptrolle. "Prodis Regierung wird implodieren", sagt er seinem Widersacher mit Blick auf die heute anstehende Haushaltsvorlage und den Streit innerhalb der Regierungskoalition voraus. Auch wenn er sich nur halb so alt fühlt, wie er ist: Berlusconi weiß, dass die Zeit drängt. Denn innerhalb der Opposition haben längst die Hahnenkämpfe um seine Nachfolge begonnen. Wenn überhaupt, hat Berlusconi nur bei baldigen Neuwahlen eine Chance.

Doch heute ist erstmal Familie angesagt: "Erst gehe ich bei meiner Mutter frühstücken und dann werde ich meine Frau und meine Kinder sehen", gibt er sein Programm zum Besten. Buon compleanno!

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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