Ex-Sony-Manager steht seit sechs Jahren an der Spitze der Telekom
Ron Sommer: Vom Volkshelden zum Kapitalvernichter

Wie ein Volksheld wurde Ron Sommer jahrelang gefeiert. Begeisterte Aktionäre baten den graumelierten Chef der Deutschen Telekom auf Hauptversammlungen schon mal um Autogramme. Diese Zeiten sind vorbei. Am Montag mussten sich auch die treuesten T-Aktionäre eingestehen, dass sie aus heutiger Sicht aufs falsche Pferd gesetzt haben.

afp BONN. Für viele ist Sommer vom seriösen Sachwalter ihrer Ersparnisse zum Kapitalvernichter mutiert; auch von seinem Hauptaktionär, dem Bund, bekam er offenbar die Gelbe Karte gezeigt. Doch auch Rücktrittsforderungen frustrierter Anleger lassen die Energie des reiselustigen Managers nicht erlahmen: Er warb am Montag im Rahmen einer mehrtägigen Roadshow in den USA bei Investoren für Vertrauen in seine angeschlagene Unternehmensaktie.

Für den 1949 geborenen Manager gilt gewissermaßen von Geburt an das Motto "Think global" - er kam im israelischen Haifa als Sohn eines Russen und einer Ungarin zur Welt und wuchs in Wien auf; später arbeitete er in New York, Paderborn und Paris. Mit Nachdruck dringt Sommer seit seinem Amtsantritt in der Bonner Telekom-Zentrale am 16. Mai 1995 auf das Abschütteln der alten Monopolisten-Untugenden.

Dass er kein Hausgewächs des lange behördenähnlich geführten Unternehmens ist, erwies sich als dickes Plus: Unnötigen Respekt vor Ämtern und Erbhöfen brachte er nicht mit. Von seinem Vorgänger Helmut Ricke übernahm Sommer einen auf Privatisierung ausgerichteten Mammutbetrieb. Die Telekom wurde am 1. Januar 1995 eine Aktiengesellschaft, fünf Monate vor Sommers Start. Der erste Börsengang 1996 fiel dann bereits unter die Verantwortung des als "Ausnahmemanager" gelobten neuen Mannes in Bonn.

Bis zum Einstieg bei der Telekom hatte der promovierte Mathematiker Sommer schon reichlich Erfahrung in der internationalen Geschäftswelt gesammelt: Nach dem Chefposten in der französischen Zentrale des Computerherstellers Nixdorf arbeitete er sich durch die Hierachien der deutschen Tochter des japanischen Sony-Konzerns, deren Leitung er 1986 übernahm. Anfang der 90er Jahre wurde er nach einer Station in den USA auch Nummer zwei der Europa-Zentrale des japanischen Elektronikriesen.

Gerade der Drang in die weite Welt wurde Sommer zum Verhängnis. Beim Streben, die Telekom zu einem international führenden Unternehmen zu machen, holte er sich mehrfach eine blutige Nase: Als er sein Haus mit Telecom Italia fusionieren wollte, fühlte sich Allianz-Partner France Télécom düpiert. Die Franzosen kündigten die Zusammenarbeit auf, dann ging auch noch der Zusammenschluss mit den Italienern in die Brüche. Der im Mai vollzogene Sprung über den Atlantik mit dem Kauf des US-Mobilfunk-Anbieters Voicestream erwies sich nun als Trojanisches Pferd: Einige der vor allem mit T-Aktien bezahlten VoiceStream-Großaktionäre zeigten sich nicht an dem Papier aus Deutschland interessiert und begannen, es nach dem Ende der Haltefristen abzustoßen. Seitdem lotet die Aktie immer neue Tiefen aus.

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