Ex-Vorstandschef in Warteposition
Ron Sommer: Die Deutsche Telekom ist sein Schicksal

"Hi-ha-ho, Sommer ist k.o." Es ist ein knappes Jahr her, da lernte der damalige Telekom-Chef Ron Sommer, was der Begriff Volksaktie auch bedeuten kann: Schmähgesänge, wie sie sonst vor allem bei Fußball-, Eishockey- oder Handballspielen üblich sind. Die Deutsche Telekom hatte zur Hauptversammlung geladen, und für Sommer war die vernichtende Kritik der Aktionäre so etwas wie der Anfang vom Ende. Die T-Aktie hatte in zwei Jahren etwa 90 Prozent ihres Werts verloren, den Konzern drückte ein hoher Verlust und Milliardenschulden.

Blass wirkte Sommer, erschöpft. Gar nicht so schwungvoll und braun gebrannt wie gewohnt. Anderthalb Monate später trat er zurück, unter Druck gesetzt von der Bundesregierung und einem Aufsichtsrat, der das Vertrauen verloren hatte.

Ein knappes Jahr nach der Krawall-Hauptversammlung in der Kölnarena ist es sehr still geworden um den 53-jährigen Sommer. Er meidet die Öffentlichkeit. Wenn die Telekom ihren Aktionären heute wieder die Ergebnisse des vergangenen Jahres präsentiert, dann wird Sommer wohl noch einmal Thema sein. Aber sehen lassen wird er sich nicht. Er hat sich ins Privatleben zurück gezogen, in eine Zone, die er schon zu Telekom-Zeiten sorgsam abgeschirmt hatte. Homestorys in Illustrierten waren nie seine Sache, auch nicht zu seinen besten Zeiten als Volksheld der Anlegerrepublik.

Heute, ein knappes Jahr nach dem Rauswurf, wirke Sommer "erholt, gelassen, stets wie aus dem Ei gepellt", sagt sein Biograf Peter Glotz, der ihn seit seinem Rückzug bei der Telekom wiederholt gesehen hat. "Und er ist noch ein wenig entspannter als früher."

Sommer pendelt offenbar zwischen dem Haus in Köln, das er gemeinsam mit seiner Familie bewohnt, einem Feriendomizil in Österreich und den USA. Ende vergangenen Jahres hat er dort einen Pilotenschein erworben. "Voll rein gestürzt" habe er sich in diese Sache, sagt ein langjähriger Wegbegleiter. Leerlauf sei eben nicht Sommers Sache. Inzwischen arbeite der Ex-Telekom-Chef bereits daran, die Fluglizenz zu erweitern.

Ganz zurück gezogen hat er sich jedoch nicht aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Bei der Rückversicherungsgruppe Münchener Rück etwa sitzt er weiter im Aufsichtsrat. "Er erscheint regelmäßig und ist in den Sitzungen genau so aktiv wie früher auch", sagt ein anderes Mitglied des Kontrollgremiums.

Sommer halte auch sonst noch viele Kontakte zu Topmanagern, sagt ein früherer Telekom-Mann. "Ein Sommer kann sich gedanklich nicht verabschieden." Aber sobald er irgendwo auftaucht, muss er mit Fragen zu seinem alten Konzern rechnen - und über das Thema spricht er nicht gerne. Zumindest nicht öffentlich.

Auch als der Betriebsrat ihn im Februar zu einer Art Abschiedsfest geladen hatte, beschränkte sich Sommer weitgehend darauf, seine Strategie noch einmal kurz zu verteidigen. Seitenhiebe gegen die Bundesregierung oder gar gegen alte Kollegen sparte er sich. Und die Arbeitnehmervertreter verabschiedeten sich von ihm mit stehenden Ovationen - trotz der umstrittenen Abfindung in Höhe von elf Millionen Euro.

Auch wenn Sommer wie jüngst auf der Geburtstagsparty eines Exkollegen auftaucht, ist die Telekom natürlich Thema. "Dem liegt das Unternehmen noch heute wie ein eigenes Baby am Herzen", sagt ein guter Bekannter - und weist darauf hin, der Konzern verfolge weiter die Vier-Säulen-Strategie ihres ehemaligen Chefs.

Sommer befindet sich in einer Warteposition: Je besser sich der Konzern entwickelt, desto besser steht seine Leistung im Nachhinein da. Und desto eher dürfte er wieder in eine Spitzenposition vermittelbar sein. Zuletzt haben sich die Telekom-Zahlen gut entwickelt.

Aber noch hat Sommer keinen neuen Topjob gefunden - ähnlich wie andere aus der Bundesliga der deutschen Manager. Thomas Middelhoff etwa, bis zum vergangenen Sommer Vorstandschef der Bertelsmann AG, lebt bislang im wohldotierten Ruhestand auf Zeit. Und der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser beschäftigt sich für die US-Firma General Atlantic Partners mit Risikokapital für junge Unternehmen.

Ein auf Führungskräfte spezialisierter Personalberater hält Sommers Chancen für "im Ausland deutlich größer als in Deutschland. Bei uns dürften ihn - berechtigt oder nicht - viele als belastet einstufen". Wohl auch deshalb, weil die Bonner Staatsanwaltschaft gegen die Telekom und gegen Sommer persönlich ermittelt. Der Verdacht: Bilanzfälschung wegen zu hoch bewerteter Immobilien und Kapitalanlagebetrug. Ein Ergebnis sei nicht in Sicht, sagte ein Sprecher der Behörde.

Dennoch sei Sommer kurzzeitig als Chef eines europäischen Telekom-Unternehmens im Gespräch gewesen, berichtet ein Headhunter. "Es gibt zwar nichts Konkretes", erzählt ein langjähriger Berater. "Aber ich glaube nicht, dass Sommer sich bis zum Sankt Nimmerleinstag auf die Bank setzt und den Verkehr anschaut."

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