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Ex-Wirtschaftsminister Rexrodt ist tot

Der FDP-Spitzenpolitiker und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (62) ist tot. Er starb am Donnerstagmorgen in der Berliner Universitätsklinik Charité vermutlich an den Folgen einer schweren Krebserkrankung.

dpa BERLIN. Der FDP-Spitzenpolitiker und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (62) ist tot. Er starb am Donnerstagmorgen in der Berliner Universitätsklinik Charité vermutlich an den Folgen einer schweren Krebserkrankung.

Sein plötzlicher Tod löste weit über die Partei hinaus Betroffenheit aus. Bundespräsident Horst Köhler sprach der Witwe Ingrid Rexrodt sein Beileid aus: "Mit Günter Rexrodt verliert die Bundesrepublik einen markanten und profilierten Politiker." Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte, die Partei habe einen großen Liberalen und er einen großen Freund verloren. Der gebürtige Berliner Rexrodt wäre am 12. September 63 Jahre alt geworden.

Die genaue Todesursache werde jetzt durch eine Obduktion geklärt, teilte die Universitätsklinik mit. Rexrodt sei im Mai wegen eines "ausgedehnten Tumorleidens" an der linken Halsseite operiert worden. Diesmal sei er zu einer Nachbehandlung im Krankenhaus gewesen.

Wegen seiner Erkrankung konnte der FDP-Bundesschatzmeister auch nicht zum Bundesparteitag im Juni nach Dresden kommen. Inzwischen waren aber alle von einer Besserung ausgegangen, so dass sein Tod überraschend kam. Im Mai 1996 war Rexrodt schon einmal lebensgefährlich erkrankt, als er sich bei einer Südafrikareise eine Malaria Tropica zugezogen hatte, die er erst nach zweieinhalb Monaten überstanden hatte.

"Mit tiefer Erschütterung und großer Trauer haben wir heute Morgen unerwartet vom Tod Günter Rexrodts erfahren", sagte Westerwelle. Rexrodt habe die Politik der FDP maßgeblich mitgeprägt. Im Bundestag war Rexrodt haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Rexrodt gehörte dem FDP-Präsidium an und war seit Mai 2001 Schatzmeister. Nach einer wechselvollen Karriere in Politik und Wirtschaft - unter anderem als Vorstandsvorsitzender der Citibank - wurde Rexrodt im Januar 1993 in der Regierung von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Wirtschaftsminister. In dieser Position war er Nachfolger von Jürgen Möllemann (FDP), der später bei einem Fallschirmabsturz ums Lebens kam und als innerparteilicher Gegner Rexrodts galt. Rexrodt gehörte lange Jahre dem Bundestag und dem Berliner Abgeordnetenhaus an. In Berlin war er von 1985 bis 1989 Finanzsenator.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigte Rexrodts Leistungen in der Wirtschaftspolitik. Als Wirtschaftsminister habe er "die Weichen für notwendige Veränderungen in unserer Volkswirtschaft gestellt", schrieb Schröder in einem Beileidstelegramm.

Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher zeigte sich erschüttert. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte dem Nachrichtensender N24: "Mit Günter Rexrodt verlieren wir einen unglaublich zuverlässigen, sympathischen Kollegen." Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, Rexrodt - der vor seinem Eintritt in das Kabinett Kohl Vorstand bei der Treuhandanstalt war - habe gerade in den ersten Jahren der Wiedervereinigung viel bewegt.

Auch die Spitzen von Grünen und CSU sowie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse würdigten Rexrodt. Die Wirtschaftsverbände reagierten betroffen. Handwerks-Präsident Dieter Philipp sagte, Rexrodt habe sich "konstruktiv und streitbar" für die Interessen des Mittelstandes eingesetzt. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, sagte, Rexrodt sei ein Wirtschaftsminister mit klaren ordnungspolitischen Überzeugungen gewesen.

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