Exklusive Vermarktungsrechte in USA
Medigene-Titel nach Sonderstatus für Medikament im Plus

Der Aktienkurs des Biotechnologieunternehmens Medigene ist zeitweise um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Marktexperten führen das auf einen von der US-Zulassungsbehörde erteilten Sonderstatus für einen Medikamentenkandidaten der Firma zurück.

Reuters MÜNCHEN. Wie die im Nemax50 gelistete Medigene in München mitteilte, hat die US-Zulassungsbehörde FDA dem Unternehmen für den Wirkstoff G207 zur Behandlung von Gehirntumoren den so genannten "Orphan Drug Status" zuerkannt. Dieser sichere der Gesellschaft sieben Jahre nach Marktzulassung die exklusiven Vermarktungsrechte in den USA.

"G207 ist für Medigene der zweitwichtigste Wirkstoff, sagte Analyst Benedikt von Braunbühl vom Bankhaus Metzler. "Wenn das Medikament erst einmal auf dem Markt ist, kann im Prinzip nicht mehr viel schief gehen." G207 wird derzeit noch in einer relativ frühen klinischen Phase getestet und soll nach bisherigen Plänen 2005 auf den Markt kommen. Das Marktpotenzial wird auf 300 Millionen Euro geschätzt.

Im ersten Quartal 2002 hat Medigene nach eigenen Angaben wegen erhöhter Ausgaben für die Entwicklung von Medikamenten seinen operativen Verlust fast verdoppelt. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) habe Medigene in den ersten drei Monaten des Jahres einen Verlust von 9,3 Millionen Euro verbucht nach einem Minus von 4,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal, hieß es. Die Kosten für Forschung und Entwicklung seien gleichzeitig auf 8,2 Millionen Euro von 4,7 Millionen Euro gestiegen. Die Einnahmen aus den strategischen Allianzen mit den Pharmakonzernen Schering und Aventis fielen auf 897.000 Euro von 1,19 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

"Die Quartalszahlen an sich sind wenig aussagekräftig", sagte von Braunbühl und verwies darauf, dass Medigene noch keine Umsätze mit eigenen Produkten erziele. Wichtig sei, dass die Firma offensichtlich ihren Geldverzehr unter Kontrolle habe. "Das Geld sollte bis zum Break Even 2004 reichen", sagte von Braunbühl.Medigene verfügte zum 31. März über liquide Mittel von 78 Millionen Euro.

Die Münchener Firma entwickelt Medikamente gegen Herz- und Tumorerkrankungen. Mit Leuprogel, einem Medikament zur Behandlung von Prostatakrebs, soll ab 2003 ein erstes eigenes Produkt auf den Markt kommen und für Umsätze sorgen. Die Zulassung für zwei verschiedene Dosierungen des Präparats hat Medigene im Dezember und im April beantragt.

Zurzeit erprobt das Unternehmen sechs Medikamente in klinischen Studien. Bei dem bislang als künftig umsatzstärkstes Mittel eingeschätzten Medikament Etomoxir gegen chronische Herzschwäche traten dabei Schwierigkeiten auf, die den Aktienkurs von Medigene im April um über ein Drittel hatten einbrechen lassen. Klinische Tests der Phase II waren wegen möglicher Nebeneffekte vorzeitig beendet worden.

Erst nach einer Auswertung der Daten soll entschieden werden, ob Medigene das Projekt ganz einstellen muss. "Für Etomoxir erwarten wir das Ergebnis der Auswertung der Phase II-Studiendaten noch im ersten Halbjahr", erklärte Vorstandschef Peter Heinrich.

Der Medigene-Aktienkurs kletterte im frühen Handel um zwölf Prozent auf 10,24 Euro. Auch DZ-Bank-Analyst Thomas Höger begründete den Anstieg mit dem Sonderstatus für den Wirkstoff für G207, verwies aber auch darauf, dass die Aktie derzeit unterbewertet sei. Am späten Vormittag notierten die Titel in einem festen Marktumfeld noch mit 4,6 Prozent im Plus bei 9,56 Euro.

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