Expansion birgt auch Risiken
Analysten schmeckt der Starbucks-Kaffee

Viele Vorschusslorbeeren gibt es für die Expansion von Starbucks nach Deutschland. Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Allerdings hat es der Kaffeeröster hierzulande mit mehr Konkurrenz zu tun.

NEW YORK. Die Analysten großer US-Banken setzen hohe Hoffnungen in die Eröffnung der ersten Starbucks-Filiale in Deutschland und die weitere Expansion der Kaffeehauskette in Europa. Auch im Kernmarkt USA behält die Aktie ihrer Meinung nach zurzeit einen festen Stand und sichert sich damit reihenweise die Kaufempfehlungen der Experten. Erst Ende vergangener Woche hob Analyst John Ivankoe von JP Morgan sein Urteil über die Starbucks-Aktie auf "Kauf" an und kommentierte, er erwarte "weiterhin starke Zuwächse im internationalen und US-Geschäft". Merrill Lynch erhöhte die Bewertung auf "kurzfristig starker Kauf". Die Nachrichtenagentur Bloomberg listet 19 Anlageurteilen zu Starbucks auf, von denen mehr als zwei Drittel zum Kauf raten.

Lob verteilen die Experten für den breiten Einstieg von Starbucks in weitere europäische Märkte. Nachdem die weltweit führende Kaffeehauskette aus Seattle Mitte Mai die ersten beiden deutschen Filialen in Berlin eröffnet hat, sollen in den kommenden drei Jahren bundesweit fast 200 weitere Cafés folgen, davon zwölf noch in diesem Jahr. Nach Worten von Konzernchef Howard Schultz verhandelt das Unternehmen zurzeit außerdem mit möglichen Partnern in Frankreich und Italien. "Starbucks hat gut in die weitere internationale Ausbreitung investiert", lobt JP-Morgan-Analyst Ivankoe. In den bislang eröffneten Filialen in Spanien, Österreich und der Schweiz liege der Umsatz zudem deutlich über den Zielvorgaben, erklärt Scott Waltman von Merrill Lynch. Einen weiteren Pluspunkt für die europäischen Ableger sieht er im gut gemischten Kundenstamm: "Ein großer Anteil sind Touristen, aber es gibt auch immer einen gesunden Anteil von Einheimischen aller Altersstufen und Berufsgruppen."

Allerdings berge die Expansion auch einige Risiken, warnt Ivankoe. Im Vergleich zum US-Markt werde sich Starbucks auf höhere Lohnkosten einstellen müssen und daher möglicherweise geringere Gewinne einfahren. Außerdem trifft der Kaffeeröster seiner Meinung nach in Europa auf stärkere Konkurrenz als zu Hause: "Wir bezweifeln, dass Starbucks dort eine ähnliche Gewinnstruktur aufbauen kann wie in den USA. Denn Kaffee von ähnlicher Qualität, aber zu niedrigeren Preisen ist in Europa verbreiteter." Zunächst sollten die Kunden aber so enthusiastisch auf die Neueinführungen reagieren, dass sich noch keine Probleme zeigen, erwartet Ivankoe.

Auf dem Heimatmarkt läuft zurzeit alles nach dem Geschmack des Unternehmens, das von dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld der vergangenen Monate in mehreren Punkten profitiert hat. Einerseits sei die Konkurrenz deutlich ins Straucheln geraten, kommentiert Waltman, und habe dadurch die Marktposition von Starbucks noch verbessert. Andererseits hielten die eigenen Kunden dem Kaffeehaus die Treue: Genau genommen zählen die Cappuccinos und Milchkaffees von Starbucks zu den Luxusgütern, von denen viele seit dem zurückliegenden Herbst kräftige Einbußen hinnehmen mussten - "aber die Kunden haben gezeigt, dass sie auf ihren Starbucks-Kaffee am Morgen trotzdem nicht verzichten wollen", kommentiert Allan Hickok, Analyst bei US Bancorp Piper Jaffray. Die aktuellen Verkaufszahlen für Filialen, die seit mehr als einem Jahr geöffnet sind, bestätigen seine Ansicht: Um 10 Prozent stieg der Umsatz im Mai - erstmals seit Ende 2000 wieder ein Zuwachs im zweistelligen Bereich.

Die Einführung von neuen Geschmacksrichtungen der hauseigenen Eiskaffee-Marke in diesem Sommer wird den Zulauf nach einhelliger Meinung der Experten noch deutlich verstärken. In den Filialen in Europa sind die neuen Drinks bereits Verkaufsschlager. Scott Waltman hält die Produkte deshalb für die "möglicherweise beste neue Getränkeserie, die Starbucks je entwickelt hat". "In Deutschland, Wien und Madrid erzielt diese Produktlinie zurzeit 30 bis 50 Prozent des gesamten Getränkeumsatzes der Filialen, und zwar hauptsächlich wegen der neuen Geschmacksrichtung."

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