Expansion in Europa stark gebremst
Cinemaxx stürzt an der Börse ab

Das Überangebot an Multiplex-Kinos lässt die Cinemaxx AG in die roten Zahlen rutschen. Nach einer Gewinnwarnung bracht die Aktie von Deutschlands größtem Filmtheaterbetreiber am Donnerstag an der Frankfurter Börse ein. Jetzt gibt Cinemaxx-Chef Hans Joachim Flebbe seine ehrgeizigen Expansionspläne in ganz Europa nahezu auf.

DÜSSELDORF/HAMBURG. "Wir haben uns verrechnet", gestand Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe am Donnerstag den Aktionären auf der Hauptversammlung offen ein. Mit 200 Millionen Kinobesuchern hatten er und seine Branchenkollegen in diesem Jahr kalkuliert. Jetzt werden es bestenfalls 150 Millionen. Fehlende Publikumsmagneten, die so genannten Blockbuster, haben der Branche bisher einen sehr besucherschwachen Herbst beschert - und das bei immer mehr Multiplex-Kinos.

Die Cinemaxx AG rechnet nun für das erste Halbjahr ihres Geschäftsjahres 2000/2001 (30.6.) mit einem Verlust in zweistelliger Millionenhöhe, nachdem sie für das Geschäftsjahr 1999/2000 dank außerordentlicher Erträge noch einen Konzerngewinn von 3,1 Mill. DM ausgewiesen hatte. Genauer beziffern will Cinemaxx den erwarteten Verlust allerdings nicht.

Kurs von Spekulationen beflügelt

An der Frankfurter Börse brach der Kurs als Reaktion auf die Gewinnwarnung ein und verlor bis zum Nachmittag um mehr als 38 % auf 4,10 Euro. Das Jahreshoch hatte bei fast 25 Euro gelegen. Nach Ansicht von Daniel Brickwell, Analyst bei ABN Amro, war der Kurs von Cinemaxx in den vergangenen Monaten nicht von der aktuellen Gewinnsituation des Unternehmens getragen. Vielmehr habe die Spekulation eine Rolle gespielt, dass die im Mai eingestiegene Senator Entertainment ihren Anteil möglicherweise aufstockt. Das halten Branchenkenner mittlerweile für unwahrscheinlich.

Wie Ernst-Günter Surkus, zuständig für Investor Relations bei Cinemaxx, dem Handelsblatt erklärte, will der Hamburger Kinokonzern nun seine ursprünglichen Pläne aufgegeben, auf dem deutschen Markt 50 Multiplexe zu etablieren. Zu den aktuell 34 bestehenden Multiplexen sollen nur noch zwei in Stuttgart und Dresden hinzukommen. "Mit der Strategie der flächendeckenden Expansion können wir nicht weiter machen", sagte Surkus.

Auch die Expansion in Europa wird gebremst: Konzentration auf wenige ertragreiche Standorte lautet die Devise. Erst im Spätherbst hatte Cinemaxx in Kopenhagen den größten Kinokomplex Skandinaviens mit 3200 Plätzen eröffnet. Auch für alle anderen nordeuropäischen Länder wurden konkrete Verhandlungen geführt.

Neue Vermarktungsstategie soll helfen

Denn ertragsschwache Großkinos kann Cinemaxx nicht ohne weiteres schließen, da die Verträge in der Regel über 20 Jahre laufen. Deshalb wird über eine neue Vermarktungsstrategie nachgedacht, wie man mehr Besucher in die Cinemaxx - und Ufa-Kinos locken kann. Eine Firmensprecherin räumte gestern allerdings ein, dass bei den traditionellen Kinos Schließungen absehbar seien, etwa, wenn ein Mietvertrag ablaufe.

Dass viele Städte in Deutschland mit Multiplexen überversorgt sind und sich der Standortwettbewerb stetig verschärft, ist bereits seit einiger Zeit absehbar. Die schlechten Besucherzahlen mangels Kassenschlagern verschärfen die Situation zusätzlich.

Aktuell liegt die Zahl der Kinobesucher mit 119,8 Millionen um 2,6 Millionen beziehungsweise 2,2 % über dem Vorjahreswert. Dagegen ist die Zahl der Multiplexe allein in diesem Jahr um 18 auf insgesamt 122 gestiegen. Das ist ein Plus von knapp 15 %.

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