Expansion nach Russland
Preussag erholt sich vom 11. September

Europas führender Touristikkonzern Preussag verzeichnet nach eigenen Angaben im Gegensatz zum britischen Konkurrenten MyTravel Group jüngst weiterhin steigende Buchungszahlen. Konzernchef Michael Frenzel erwartet für das kommende Jahr nun wieder eine spürbare Erholung und prüft ferner eine Expansion nach Russland.

Reuters IBIZA. Zwar verzeichnet das Touristikunternehmen mit Stammsitz in Hannover für die Sommersaison im Jahresvergleich noch immer Einbußen. Der Rückstand bei den gebuchten Umsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe sich dabei aber seit April von minus 8,5 auf 7,9 Prozent verringert, sagte Preussag-Chef Michael Frenzel am Freitag vor Journalisten auf der spanischen Insel Ibiza.

Die Reisebranche in Europa erhole sich weiter von dem massiven Einbruch nach den Anschlägen vom 11. September, wobei Preussag in allen Ländern besser als die Branche abschneide und Marktanteile gewinne. Vom nächsten Jahr an seien in allen Ländern wieder Zuwächse zu erwarten. Schon für die im November beginnende Wintersaison kalkuliere Preussag mit steigenden Buchungszahlen.

Frenzel blieb bei seiner Prognose, dass das operative Ergebnis in der Touristik in diesem Jahr deutlich schlechter ausfallen werde als im Vorjahr. Wichtig sei, dass Preussag sich trotz der schwierigen Entwicklung in der europäischen Touristik in diesem Jahr gut behaupte.

Anders als MyTravel verzeichne die Preussag-Tochter Thomson nach Ostern keine Rückgänge, sondern einen Zuwachs, sagte Frenzel. "Jüngste Meldungen von Wettbewerbern, vor allem in Großbritannien, spiegeln weder die Situation des Gesamtmarktes noch unsere Entwicklung wieder", sagte Frenzel. MyTravel als drittgrößter europäischer Reisekonzern hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Buchungseingänge seit Ostern wieder rückläufig seien. Daraufhin war nicht nur der Kurs von MyTravel, sondern auch von Preussag und anderer europäischer Touristikaktien in den vergangenen zwei Tagen erheblich gefallen. Preussag erreichte am Donnerstag mit 26,53 Euro zwischenzeitlich den tiefsten Stand in diesem Jahr. Am Freitag notierte die Preussag-Aktie in einem festen Gesamtmarkt zum Vortagesschlusskurs gut 2,65 Prozent höher bei 27,85 Euro.

Deutschland bleibt zurück

Besonders groß ist allerdings nach wie vor der Buchungsrückstand in Deutschland. Hier zu Lande verzeichne die deutsche Preussag-Tochter TUI noch immer ein Minus von 14,2 Prozent, während die gesamte Reisebranche noch 16 Prozent unter dem Vorjahr liege, hieß es. Für die gesamte Sommersaison kalkuliert Preussag in Deutschland weiter mit einem Rückgang des Marktes um sechs bis acht Prozent, wobei TUI um zwei bis drei Prozentpunkte günstiger abschneiden will. Die Hauptbuchungszeit liege noch bevor.

In Großbritannien liegt die Preussag-Tochter Thomson laut Frenzel nur noch 2,7 Prozent unter Vorjahr und damit besser als im April mit noch minus vier Prozent, sagte Frenzel. Als Grund für die günstigere Entwicklung in Großbritannien nannten britische Preussag-Manager einen starken Vertrieb und gezielte Marketingmaßnahmen nach den Anschlägen vom 11. September.

Eine genaue Prognose für den Sommer und das Gesamtjahr sei weiter schwierig wegen des hohen Anteils kurzfristiger Buchungen, sagte Frenzel. Vom nächsten Jahr an erwartet Preussag auf der Grundlage aktueller Marktforschungen europaweit wieder Zuwächse für die Reisebranche, in Deutschland von etwa vier Prozent, in Großbritannien 2,6 Prozent, in Frankreich von knapp sechs Prozent.

Trotz des hohen Rückstandes in Deutschland verzichtet Preussag weiterhin darauf, eigene Kapazitäten bei Flügen und Hotels aus dem Markt zu nehmen, wie etwa der Konkurrent Thomas Cook. Preussag habe einen geringeren Anteil eigener Flugzeuge als andere Reisekonzern, sagte Frenzel. Die geringere Nachfrage bei Preussag gehe deshalb bisher zu Lasten der Verträge mit konzernfremden Fluggesellschaften. "Bisher reicht dieser Flexibilitätspuffer. Und ich gehe davon aus, dass das so bleibt", sagte Frenzel.

Potenzial in Russland

Preussag will seine Präsenz vor allem in Osteuropa ausbauen. Kommende Woche werde der Preussag-Vorstand in Moskau erste Gespräche mit russischen Touristikmanagern führen, sagte Frenzel. Anschließend sei auch ein Treffen mit dem russischen Tourismusminister geplant. Das Interesse an Pauschalreisen nach Mitteleuropa nehme in Russland spürbar zu. "In Russland beginnt sich eine Reiseindustrie zu entwickeln. Wir wollen prüfen, ob und welche Möglichkeiten wir in Russland haben", sagte Frenzel. Denkbar sei sowohl eine Allianz mit russischen Partnern oder auch der Aufbau eines eigenen Veranstalters. Bislang ist Preussag in Osteuropa in Polen mit seiner Tochter TUI und einer Beteiligung an der Fluggesellschaft White Eagle präsent. Ein anderer interessanter Markt sei auch Tschechien, hieß es.

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