Expansion nur im Inland
Karstadt gibt Verkaufsflächen ab

Der Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle will noch in diesem Jahr weitere Verkaufsflächen an Fremdfirmen abgeben. "2003 werden bis zu 500 neue Shops oder Depots in den Karstadt-Filialen entstehen", kündigte Konzernchef Wolfgang Urban im Gespräch mit dem Handelsblatt an. "Darunter sind Marken, die es bislang bei uns noch nicht gibt." Namen nannte er allerdings nicht.

DÜSSELDORF. Derzeit werden im Hause Karstadt unterschiedliche Modelle geprüft. Neben der Vermietung sind auch Konzessionärsmodelle im Gespräch, bei denen die Ware bis zum endgültigen Verkauf im Besitz der Lieferanten bleibt. Ob sich die Abgabe von Flächen rentiert, testet Karstadt derzeit vor allem im Rhein-Ruhr-Zentrum Mülheim.

Bislang lässt Karstadt 4,9 % der Fläche von Partner nutzen - zum Beispiel Jack Wolfskin, Street One oder Benetton. Künftig sollten es 10 bis 15 % sein, plant Uban. Dies wird den Umsatz zunächst drücken. Der Konzern, der nach den International Accounting Standards (IAS) bilanziert, wird die Erlöse der Vermietungspartner im kommenden Jahresabschluss nicht mehr ausweisen.

Einen Umsatz-, aber auch einen Gewinnrückgang hatte der Konzern bereits im vergangenen Jahr verzeichnet. Auf der morgigen Hauptversammlung kann der Karstadt Quelle-Vorstandschef - von seinen Aktionären daher kaum Jubel erwarten. Die Aktie von Europas größtem Versand- und Warenhauskonzern hat sich zwar von 10 auf 16 Euro berappelt, von ihrem Jahreshoch mit 36 Euro ist sie dennoch weit entfernt. "Die Essener sind kreativ, das muss man denen lassen", sagt Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), "es ist aber nicht zu erkennen, wo der Konzern kurzfristig Geld verdienen wird." Die Flaute im Einzelhandel, darin ist sie sich mit vielen Börsenexperten einig, verspreche derzeit auch für Karstadt-Quelle wenig Gutes.

Für die Herabstufung der Aktie durch die Commerzbank, die das Kursziel auf 10 Euro senkte und den Anlegern nun zum Verkauf der Papiere rät, zeigt man im Essener Konzern dennoch kein Verständnis. Allein durch seine Immobilien besitzt Karstadt-Quelle stille Reserven, die Analystem bislang mit knapp 30 Euro je Aktie bewerten.

Expandieren wollen die Essener - abgesehen vom Versandhandelsgeschäft - weiterhin nur im Inland. Die Marke "Karstadt" wollen sie durch Dienstleistungangebote zusätzlich aufladen. Nicht nur Versicherungspolicen oder Konzernkarten verkauft der Konzern bereits unter diesem Namen, in Dortmund und Berlin testen die Einzelhändler derzeit sogar ein Fitness-Studio-Konzept. "Gesundheit und Fitness sind Teil unserer Strategie", sagt Wolfgang Urban, "wir greifen damit gesellschafttliche Trends auf."

An den Rabattschlachten des Einzelhandels, die den Konzern im vergangenen Jahr einen Teil der Rohertragsmarge gekostet haben, will sich Urban nach eigenen Worten nur noch eingeschränkt beteiligen. Rabatte soll es künftig fast nur noch über das Kundenkartenprogramm Happy Digits geben.

Auf der Hauptversammlung am Mittwoch wird der Konzern zudem offiziell ankündigen, demnächst über seinen Versandhändler Quelle auch in den Autoverkauf einzusteigen. Zudem werden mit Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel, Linde-Vorstand Hero-Brahms und Feri-Finance-Vorstand Michael Stammler drei neue Manager in den Aufsichtsrat einziehen. Sie ersetzen den ehemaligen Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen, Lufthansa-Chef Jürgen Weber und den Dredner-Bank-Aufsichtsrat Bernd Voss.

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