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Expansion sorgt bei Henkel für Gewinnsprung

vwd DÜSSELDORF. In Deutschland zeichnet sich auch für das kommende Jahr keine wirtschaftliche Belebung ab - davon ist der Düsseldorfer Henkel-Konzern überzeugt. Für das eigene Unternehmen ist das Management aber zuversichtlich und reagiert auf die Konsumflaute mit regionaler Neuausrichtung, verstärktem Marketing und einem Sparprogramm. Die Übernahme des US-Konkurrenten Dial hat den Umsatz in Nordamerika bereits deutlich erhöht und Henkel vom Heimatmarkt Deutschland weniger abhängig gemacht. 2004 war vor allem ein Jahr des Expansion. 2005 erwarten Analysten keine ähnlich spektakulären Schritte, sondern Feinarbeit.

Auf dem Programm stehen jetzt die weitere Integration von Dial, eine stärkere Hinwendung zu den asiatischen Märkten und allenfalls kleinere Zukäufe. Insgesamt rechnen Analysten damit, dass sich die Veränderungen des vergangenen Jahres positiv bei Umsatz und Ergebnis bemerkbar machen. Vor allem beim Gewinn vor Sondereffekten erwarten sie eine Verbesserung. Dazu trägt der Wegfall der Geschäfts- und Firmenwertabschreibungen durch die Rechnungslegung IFRS bei, die sich US-GAAP anpasst. Operativ positiv werden vermutlich die hohe Marge von Dial und die Übernahme von Sovereign wirken, einem US-Hersteller von Kleb- und Dichtstoffen.

Auch das Insektizid-Geschäft in den USA und Asien, das in diesem Jahr ebenfalls neu in Henkels Portfolio gekommen ist, sollte das Ergebnis stützen. Zudem werden sich erste Effekte des Sparprogramms bemerkbar machen, das der Dax-Konzern Ende November angekündigt hatte. So rechnet Analystin Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg für 2005 mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 1,25 Mrd Euro nach geschätzten 805 Mio Euro im laufenden Jahr.

Wende bei Waschmitteln sollte sich fortsetzen

Gegen das schwache Marktumfeld in den Unternehmensbereichen Wasch- und Reinigungsmittel sowie bei Kosmetik/Körperpflege stemmt sich Henkel mit verstärktem Marketing, vor allem günstigen Promotion-Aktionen. Nach einem schwierigen ersten Halbjahr hatte der Konzern bei den Waschmitteln Erfolge erzielt und den Rückläufigen Umsatztrend in Deutschland gestoppt. Henkel rechnet damit, dass die positive Entwicklung weitergeht. Der Aufschwung von Handelsmarken und Wettbewerber wie der US-Konzern Procter & Gamble hatten das Unternehmen unter Druck gesetzt. Doch der Konzern widersetzte sich dem Preisverfall bei Waschmitteln und trug so dazu bei, den Trend zu beenden.

Als Aufgabe für das kommende Jahr bleibt die weitere Eingliederung des Waschmittel- und Kosmetikkonzerns Dial. "Sie wird 2005 ein größeres Thema", sagt Analystin Petra Meyer von Sal. Oppenheim. Dabei sind weitere Synergieeffekte möglich, denn Henkel will Produkte von Dial und ARL, einem ebenfalls übernommenen US-Haarpflegehersteller, in Euroopa einführen. Umgekehrt sollen Henkel-Artikel auf den amerikanischen Markt kommen.

Bei Klebstoffen für Konsumenten und Handwerker, dem drittem Unternehmensbereich, machte sich die Komsumschwäche nicht bemerkbar, der Bereich wuchs bislang stärker als der Gesamtmarkt. Auch das vierte Standbein, der Technologiesektor mit Kleb- und Dichtstoffen für die Industrie, hatte sich 2004 bisher sehr gut entwickelt. Für Unsicherheit sorgen jetzt aber die steigenden Rohstoffkosten. Analysten rechnen damit, dass Henkel mit Preiserhöhungen und verbesserten und rentableren Produkten gegensteuern wird. Zudem werden die beiden Bereiche stärker nach Asien ausgerichtet. Bislang erzielt der Konzern dort rund 7 Prozent seines Umsatzes.

In Europa dagegen liegt er bei rund zwei Dritteln. Der Anteil der Erlöse aus Fernost soll aber weiter steigen. Henkel will dort produzieren, wo die Kunden sind, und die findet der Konzern zunehmend in Asien. Dazu zählen zum Beispiel Automobilhersteller, die immer öfter auf Klebeverbindungen setzen. "Mit Technologies ist Henkel in Asien bereits Nummer zwei - es wäre zu wünschen, dass dort jetzt auch die Stellung bei Waschmitteln und Kosmetik ausgebaut wird", sagt Christian Weiz von der HypoVereinsbank.

In allen vier Bereichen muss Henkel sein Ende November angekündigtes Sparprogramm umsetzen, mit dem in den kommenden zwei Jahren 3000 Stellen in Nordamerika und Euroopa abgebaut werden sollen. Die Kosten von 400 Mio Euro sollen vollständig noch 2004 verbucht werden, was Raum für Gewinnwachstum in der Zukunft lässt. Henkel selbst geht davon aus, dass ab 2007, wenn das Programm abgeschlossen ist, jährlich 125 Mio Euro gespart werden.

"Damit würde das Management seinem langfristigen Ziel näher kommen, bis 2008 eine Marge von 12 Prozent zu erzielen", sagt Analystin Schäfer. Sie empfiehlt die Aktie zum Kauf und nennt ein Kursziel von 75 Euro - das sind rund 10 Euro über dem gegenwärtigen Kurs. Auch bei anderen Experten überwiegen positive Stimmen. So rät Meyer von Sal. Oppenheim ebenfalls zum Kauf und sieht den fairen Wert bei 76,50 Euro. Die Landesbank Rheinland-Pfalz nennt ein Kursziel von 78 Euro, die HypoVereinsbank sogar 81 Euro.

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