Expansion und Kooperationen gehören zur Strategie
Große Fondsfirmen expandieren trotz Börsenkrise

Das Aktienklima hat sich dem Gefrierpunkt genähert. Das setzt die Investmentgesellschaften unter Druck. Die großen Adressen im internationalen Anlagegeschäft sehen sich aber nicht als gefährdet an. Trotz aller Sparanstrengungen geben manche gerade jetzt Geld für die weitere geschäftliche Expansion aus.

FRANKFURT/M. Die Ereignisse überschlagen sich. In immer kürzeren Abständen meldet die Investmentbranche Übernahmen und Kooperationen. Allein in der letzten Woche schluckte die größte deutsche Publikumsfondsgesellschaft DWS die kleine Franken-Invest. Fast gleichzeitig kündigten die Kölner Privatbank Oppenheim und der amerikanische Finanzriese Prudential Financial ein Joint Venture zur Stärkung des deutschen Fondsgeschäfts an.

Der Trend zur Bündelung der Kräfte spiegelt den immer härteren Wettbewerb und den sich verschärfenden Kampf um Marktanteile und Kunden wider. Die treibende Kraft ist der Margendruck. In der Baisse reduzieren schrumpfende Aktienfondsvermögen die daran gekoppelten Einnahmen, während die Kosten - insbesondere für technische Infrastruktur - weiter steigen. Kosten sparen ist deshalb das große Thema in der Branche. Aufkäufe oder Kooperationen können dazu ebenso dienen wie Auslagerungen einzelner Firmensparten wie beispielsweise die Fondsbuchhaltung und die Kontenführung. "Nach zwei Jahren Börsentalfahrt haben einige Firmen sicher Ertragsprobleme", mutmaßt Adam Lessing, bei der Investmentgesellschaft Axa Investment Managers zuständig für den globalen Vertrieb der Privatkundenprodukte.

Ganz große Anbieter scheinen allerdings noch über ausreichende Handlungsspielräume zu verfügen. Häuser wie die größte amerikanische Investmentgesellschaft Fidelity oder die niederländische Robeco sehen in der Börsenbaisse sogar eine Chance zum antizyklischen Handeln und investieren in die europäische Expansion. Die renommierte US-Firma T. Rowe Price und die britische M & G haben Vertriebsoffensiven in Deutschland gestartet. Prudential geht beim Joint Venture mit der kleinen Oppenheim über eine Kapitalbeteiligung von 50 % an deren Fondstöchtern einen eigenen Weg.

"Wir haben mehrere Millionen Euro in eine gerade abgelaufene deutsche Anzeigenkampagne gesteckt", sagt Thomas Balk, bei Fidelity Investments verantwortlich für das Europageschäft. Auch die niederländische Robeco ist sehr optimistisch für die zukünftigen Geschäftschancen. "Wir eröffnen jetzt neue Büros in Europa", beschreibt Europa-Vertriebschef Willem van Sommeren Gréve den Expansionsdrang. Die desolate Börsenlage schreckt ihn nicht. Zwischenzeitliche Einbrüche habe es in der Geschichte immer wieder gegeben, meint er gelassen.

Große federn Risiko besser ab

Die ganz Großen der Branche können - zumindest theoretisch - im rauen Börsenklima Risiken besser abfedern als Nischenanbieter. Sie werfen zu ihren Gunsten in die Waagschale: Umfassende Produktangebote, internationale Aktivitäten, breite Kundenbasis, teilweise auch die Aktivitäten im Altersvorsorgegeschäft.

Diese Stichworte geben gleichzeitig Anhaltspunkte dafür, warum kleinere Firmen manchmal als gefährdet gelten. Axa-Manager Lessing ist sicher: "Wer beispielsweise nur ein Produkt für internationale Aktien anbietet, dem brechen jetzt die Erträge weg." Das gleiche treffe bei einer Konzentration des Geschäftes auf einzelne Absatzmärkte zu. In Italien etwa würden die Anleger seit Monaten Geld aus Aktienfonds abziehen. "Auch eine gute Mischung aus privaten und institutionellen Kunden macht sich bezahlt", erklärt Axel Maier, Vorstand bei der Deutschland-Tochter von Baring Asset Management. Momentan würden eher die institutionellen Anleger das Geschäft stützen, weil sie kontinuierlich anlegen müssten.

Größe allein scheint manchmal sogar die Risiken einer Spezialisierung zu kompensieren. Die auf Wachstumswerte ausgerichtete Janus ist das Paradebeispiel. Im Börsenboom konnte sich die sechstgrößte US-Fondsgesellschaft des zufließenden Anlagegeldes kaum erwehren. Jetzt ist vom verwalteten Vermögen weniger als die Hälfte übrig geblieben. Trotz des Handicaps will auch Janus in Europa expandieren. Richard Garland, Leiter des internationalen Geschäfts, sieht die eigene Firma nicht gefährdet: "Wir haben eine schlanke Firmenstruktur - im Gegensatz zu anderen, die unter zu vielen Beschäftigen und zu hohe Fixkosten leiden."

Jetzt wird in der gesamten Branche der Gürtel enger geschnallt. "Wir haben seit einem Jahr einen Einstellungsstopp. Die Mitarbeiterzahl sinkt. Das gilt wohl auch für alle anderen großen Gesellschaften", sagt DWS-Chef Udo Behrenwaldt. Unter dem erhöhten Druck werden viele Vermögensverwalter eine weitere Möglichkeit zur Kostensenkung in Zukunft stärker nutzen: Die Auslagerung von Firmensparten (Outsourcing), insbesondere Fondsbuchhaltung und Verwaltung, an Dritte. Auch das Fondsmanagement dürfte häufiger an externe Spezialisten delegiert werden, insbesondere bei speziellen Anlagesegmenten wie Nebenwerte oder Hochzinsanleihen.

Der erste Punkt ist Experten zufolge allerdings wichtiger als der zweite. "Die Kostenschlacht wird nicht bei den Fondsmanagern entschieden", sagt Wolfgang Mansfeld, Vorstand der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörigen Union Fonds Holding. Das Oppenheim-Motiv zur Etablierung des Joint Ventures passt zu dieser Einschätzung. In Zukunft sollen anspruchsvolle Privatkunden über unabhängige Finanzberater angesprochen werden. Prudential stellt ihnen technisches Know-how für die die Kontenführung von Fondsdepots zur Verfügung. "Mit unserem Partner schaffen wir die Voraussetzungen für dieses Geschäft in maximal einem Jahr, ohne ihn hätten wir drei Jahre gebraucht", erklärt Oppenheim-Gesellschafter Hubertus Freiherr von Rukavina.

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