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Expansionshunger der Hypo-Vereinsbank ungestillt

Nach der Übernahme der Bank Austria ist die Hypo-Vereinsbank in Lauerstellung für weitere günstige Akquisitionen in ganz Europa.

dpa MÜNCHEN. "Schritt für Schritt wollen wir auch in West- und Südeuropa vorankommen", sagte Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt der dpa in München. In Osteuropa sei der Konzern nach der Fusion mit der Bank Austria gut positioniert, gute Gelegenheiten werde man sich aber nicht entgehen lassen.

Beim Ringen um die Übernahme der slowakischen Sparkasse "Slovenska Sporitelna" zog die Hypo-Vereinsbank allerdings vor wenigen Wochen den Kürzeren. "Das wäre sehr schön gewesen, der Preis war aber nicht mehr vertretbar", sagte Schmidt. Die österreichische Erste Bank zahlt 18,4 Mrd. slowakische Kronen (425 Mio Euro/830 Mio DM) für das Institut. Noch im Rennen ist die Hypo-Vereinsbank dagegen bei der Privatisierung der Prager Komercni banka (KB), die etwa 2,5 Mrd. DM kosten soll. Osteuropa sei einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft, betonte Schmidt.

Ein weiterer größerer Schlag - wie beispielsweise die Übernahme einer großen Bank in Spanien, Italien oder Frankreich - wird möglicherweise erst nach 2001 erfolgen. "Wir konzentrieren jetzt alle Kräfte auf die Integration der Bank Austria", betonte Schmidt. Bisher laufe der Zusammenschluss wie geplant. "Wir ergänzen uns ideal und sind voll im Zeitplan." Spätestens im Frühjahr 2003 solle die Integration mit einer einheitlichen IT-Plattform abgeschlossen sein.

Durch den kürzlich realisierten Zusammenschluss mit der Bank Austria wird die Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG (München) nach eigener Einschätzung mit einer Bilanzsumme von 670 Mrd. Euro und über 2 000 Filialen zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa. Die Bank Austria ist für das operative Geschäft in Osteuropa zuständig. "Die Strategie für die Hypo-Vereinsbank-Gruppe legt dabei der Konzern- Vorstand fest", betonte Schmidt.

Auch im Immobiliengeschäft sieht die Hypo-Vereinsbank als größter Baufinanzierer Europas Wachstumschancen vor allem im Ausland. "Die Margen sind im Ausland besser", sagte Schmidt. In Deutschland dagegen werde man sich wegen der andauernden Talfahrt der Margen eher zurückhalten: "Wir sind für eine Immobilienfinanzierung zu nicht finanzierbaren Preisen nicht zu haben." Hier zu Lande gebe es einen "ruinösen Wettbewerb", bei dem unter Eigenkosten angeboten würde.

Mit einer Neuordnung des Immobiliengeschäfts will die HypoVereinsbank die Rentabilität verbessern. Derzeit liegt die Eigenkapitalrendite im Immobilienbereich bei 5,2 %. Konzernweites Ziel ist eine Nachsteuer-Rendite von 15 %. Mit neuen Finanzierungsinstrumenten will die HypoVereinsbank vor allem professionelle Kunden ansprechen. Im Privatkundengeschäft sollen durch standardisierte Produkte und Prozesse Kosten eingespart werden. Hier gebe es noch erhebliches Potenzial, sagte Schmidt.

1999 war der Jahresüberschuss der Hypo-Vereinsbank um 44 % auf 439 Mill. Euro (859 Mio DM) eingebrochen. Zur Beseitigung aller Altlasten war die Kreditrisikovorsorge um fast 50 % auf rund 2,5 Mrd. Euro aufgestockt worden. In diesem Jahr hat die Hypo-Vereinsbank ihre Risikovorsorge kräftig zurückgefahren und ihre Erträge steigern können. Für das Gesamtjahr 2000 soll die Vorsorge auf rund eine Milliarde Euro zurückgenommen und das Ergebnis nach Steuern deutlich verbessert werden. Für 2001 rechnet Schmidt mit zweistelligen Wachstumsraten.

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