Experiment abgebrochen
Fifa rudert in Zeitlupe zurück

Umstrittene Entscheidungen der Schiedsrichter bei gelben und roten Karten, Elfmetern oder der Anerkennung von Toren sollen im weiteren Verlauf des WM-Turniers in Japan und Südkorea nicht mehr über die Großleinwände flimmern. Franz Beckenbauer begrüßte die Entscheidung: Eine noch einmal gezeigte Fehlentscheidung eines Schiedsrichters könnte möglicherweise zu "Unruhen" führen.

dpa SEOUL. Der Fußball-Weltverband (FIFA) macht beim Experiment mit dem Stadion-TV einen Rückzieher. Umstrittene Entscheidungen der Schiedsrichter bei gelben und roten Karten, Elfmetern oder der Anerkennung von Toren sollen im weiteren Verlauf des WM-Turniers in Japan und Südkorea nicht mehr über die Großleinwände flimmern. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass es nicht immer das Klügste ist, alles zu zeigen", erklärte Fifa-Mediendirektor Keith Cooper am Mittwoch in Seoul. Für die Kehrtwende bei diesem Versuch, den Stadionbesuchern einen neuen Service zu bieten, sorgte Fifa-Präsident Joseph Blatter selbst. "Er hat beim Besuch eines Spieles erkannt, dass es weiser ist, einen Schritt zurückzugehen", berichtete Cooper.

Bisher hat es nach Fifa-Angaben keine Zwischenfälle unter Fans gegeben, die durch Wiederholungen von prekären TV-Ausschnitten ausgelöst wurden. "Wir schauen dabei auch nicht auf einen speziellen Fall, wollen aber durch eine Form der Selektion für eine kontrolliertere Auswahl sorgen", sagte Cooper. Offizielle der Fifa oder von den japanischen und südkoreanischen Fußball-Verbänden sollen mit den Technikern in den 20 WM-Stadien voraussichtlich die Szenen- Selektion bestimmen. "Die Besucher sollen weiter die Gelegenheit haben, die Aktionen der Teams auf der Leinwand noch einmal zu sehen, nicht aber die absichtlichen bösen Fouls", so Cooper.

Auch Franz Beckenbauer hält eine Ausblendung der umstrittenen Szenen angesichts der großen Emotionalität in den Fußball-Arenen der Welt für eine Lösung. "Dies wäre ein vernünftiger Kompromiss, die Spiele zu übertragen, aber nur die Höhepunkte zu wiederholen", meinte der WM-Organisationschef für 2006. Eine noch einmal gezeigte Fehlentscheidung eines Schiedsrichters könnte möglicherweise zu "Unruhen" führen.

Trotz der kontroversen Diskussion würde er die Übernahme dieser TV-Innovation auch für die Bundesliga und die Weltmeisterschaft in vier Jahren in Deutschland begrüßen. "Das ist ein sehr guter Service. Schließlich bekommen die Zuschauer im Stadion nicht immer gleich alles mit", so der "Kaiser", der 1977 während seines US-Gastspiels bei Cosmos New York Stadion-TV schon erlebt hat. "In den USA ist das gang und gäbe. Wenn man als Spieler Zeit und das Team hoch geführt hatte, konnte man sich die Partie auf der Leinwand anschauen", berichtete Beckenbauer.

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