Experiment Zwei-Länder-WM
Und Fußball verbindet doch

Allen Unkenrufen zum Trotz scheint sich das Verhältnis von Japanern und Koreanern durch die WM verbessert zu haben.

Es schien vielen als gewagtes Experiment - eine gemeinsam veranstaltete Weltmeisterschaft von Japan und Südkorea. Noch immer sind die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern gespannt. Die jahrzehntelange Kolonialherrschaft Japans über Korea, der Krieg, Zwangsprostitution, das alles ist in Korea nicht vergessen. Noch im vergangenen Jahr stritten beide Länder über Passagen in einem japanischen Schulbuch, die die Kriegsgräuel nach Ansicht Koreas verharmlosten. Auch der Besuch des japanischen Premierministers Junichiro Koizumi im Yasukuni-Schrein in diesem April löste Proteste aus, denn in dem Tokioter Schrein sind auch hohe japanische Kriegsverbrecher begraben.

Nun sind 30 Tage gemeinsame WM vorbei - und die Experten sind sich einig, dass Koreaner und Japaner auf einer persönlichen Ebene zueinander gefunden haben. Ressentiments bleiben vielerorts. Eine Finalteilnahme der Koreaner wäre für so manchen Japaner schwer zu verkraften gewesen. Aber gerade in der jüngeren Generation hat der Kulturaustausch und der Reiseverkehr ins jeweils andere Land einen neuen Höhepunkt erreicht. Viele offizielle Gesten mögen nur solche bleiben - schließlich hat auch der nordkoreanische Fußballverband Südkorea trotz einer Schießerei mit mehreren Toten zum vierten Platz gratuliert, aber auch die häufigen Treffen zwischen Politikern und Staatsrepräsentanten wie der japanischen Kaiserfamilie mögen langfristige Symbolwirkung zeigen, auch wenn der Kaiser wieder einmal eine Einladung Seouls ausgeschlagen hat.

Fußball ist nun neben asiatischem Pop, Literatur, Essen und Mode ein Verbindungspunkt mehr zwischen beiden Ländern. Und über die Bildschirme in Korea wie in Japan flimmert in den Wochen nach der WM noch die Trickfilmserie mit den WM-Maskottchen, die keiner so richtig toll fand, weil sie dieses Mal erstmals nicht das Austragungsland symbolisierten. Vielleicht sieht man das beim nächsten Mal schon lockerer.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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