Experte: "Da liegt Deutschland sehr weit zurück"
Deutschland: Defizite bei Vorkehrungen gegen Milzbrand

Nach den Milzbranderkrankungen in den USA wird auch in Deutschland der Ruf nach besseren Vorkehrungen gegen mögliche bio-terroristische Angriffe lauter.

ap KÖLN. "Wir müssen uns der Gefahr real stellen", sagte Bernhard Ruf von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie in Leipzig am Dienstag im Westdeutschen Rundfunk. Er forderte entsprechende Katastrophenpläne.

Im Vergleich zu den Amerikanern, die weltweit führend seien, liege Deutschland weit zurück, kritisierte der Wissenschaftler. Technisch sei es allerdings ausgesprochen schwierig, eine große Fläche und eine große Menge von Menschen gleichzeitig zu infizieren. Im Falle eines Angriffs mit Anthraxbakterien müssten zahlreiche Menschen vorbeugend behandelt werden, sagte Ruf. Dazu müssten eine Infrastruktur zur Verteilung von Antibiotika aufgebaut und Depots eingerichtet werden. Die Medikamente müssten vor allem rechtzeitig verteilt werden. "Und da sind wir nicht sehr weit vorne", betonte der Wissenschaftler.

Die Inkubationszeit der bakteriellen Krankheit beträgt einige Stunden bis mehrere Tage. Die ersten Symptome sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Koliken und Atemnot. Häufig wird auf Grund des Krankheitsbildes auch zuerst Grippe diagnostiziert. Der Schutz vor Milzbrand sei schwierig, betonte Ruf. Das Problem bei der Impfung sei, dass sie nicht hundertprozentig wirksam und nur in begrenzten Mengen verfügbar sei. Der Impfstoff sei zurzeit eine Rarität auf dem Weltmarkt, weil die Amerikaner viel aufkauften. In Deutschland gebe es auch keine bedeutenden Forschungen zu der bakteriellen Krankheit. "Das wird sich hoffentlich ändern."

In Deutschland kam es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nach 1996 nur noch zu ganz vereinzelten Erkrankungen, Sterbefälle wurden extrem selten. 1975 starb in Deutschland ein 48-jähriger Mann an Milzbrand. Er hatte Fleisch- und Wurstwaren aus einer Notschlachtung gegessen. Bei Tieren ist nach Angaben des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) die Krankheit in den vergangenen Jahren "absolut sporadisch" aufgetreten.

Nach Angaben Rufs kann die Krankheit von Tieren auf Menschen überspringen, "aber nur unter besonderen Bedingungen", wenn beispielsweise ausreichend Erreger kultiviert seien und diese inhaliert würden. Jemand der erkrankt sei, müsse eine ausreichende Menge aushusten, für eine Ansteckung müssten die Erreger gleichzeitig inhaliert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%