Experte erwartet für das Frühjahr die Parität
Euro – Dollar: Das Verhältnis der USA zur neuen Währung

"Die Ereignisse vom 11. September haben nun wirklich alles überschattet." Sagt William Spitler vom US-Wirtschaftsministerium. Das Interesse der US-amerikanischen Unternehmen ist nicht gerade überwältigend.

Spitler soll vor allem kleinere und mittelgroße Firmen beraten. Diese sind oftmals nicht in der Lage oder Willens, Strategien für jedes einzelne europäische Land zu entwerfen. Mit einem großen Absatzmarkt könnte sich das bald ändern. "Die Firmen wissen nur wenig über internationales Finanzwesen", sagt er. Es sei schwierig für sie, ihre Gewohnheiten zu ändern und künftig Rechnungen auch in Euro auszustellen und nicht in Dollar.

Für amerikanische Firmen ist es natürlich angenehmer, Rechnungen in Dollar auszustellen. Damit tragen die Europäer das Risiko von Währungsschwankungen. Künftig aber werden sicher einige Rechnungen auf Euro umgestellt. Auch Anastasia Xenias, die ebenfalls für das Wirtschaftsministerium arbeitet, hat eine Mission: "Wir haben in den letzten Jahren versucht, die Firmen aufzuklären und zu informieren."

Der Haushaltswarenriese Procter&Gamble erwirtschaftet ebenso einen Großteil seines Umsatzes im europäischen Ausland wie McDonalds oder die Autoindustrie. Beispiel General Motors: Zwar steht es zurzeit nicht gut um die deutsche Tochter Opel, doch wenn der Autobauer ins Heimatland USA Gewinne, also Kapital überweist, dann führt ein starker Dollar dazu, dass der Gewinn geschmälert wird. Davon abgesehen sind amerikanische Autos im Vergleich zur Konkurrenz für die Europäer einfach zu teuer.

Aus diesem Grund setzen sich immer mehr Industrievertreter in den USA bei der Regierung dafür ein, von der Politik des starken Dollar abzurücken. Denn nicht nur Vorgänger Bill Clinton, sondern auch George W. Bush hält die Fahne für den Greenback hoch. Die Politik gibt die Leitlinie vor, und die Notenbank zieht mit. Das ist übrigens ein Unterschied zur EZB in Frankfurt.

"Ich würde sagen, es gibt niemanden in den Vereinigten Staaten, der die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank anzweifeln würde." Sie hat sich nach den Worten von Robert Sinche, Chef der Devisenabteilung beim Investmenthaus Salomon Smith Barney in New York, gut etabliert. "Wenn überhaupt, dann fragt man sich, ob sie nicht etwas zu unabhängig ist."

Allein die Einführung von Scheinen und Münzen werde allerdings nicht dazu führen, dass der Euro an Wert gewinnt. Vor allem in der Finanzwelt wird das Rad gedreht. Fondsmanager, Devisenhändler und große Unternehmen bestimmen letztlich, ob sie die Währung akzeptieren.

American Express Travel, einer der größten US-Reiseveranstalter, hält nicht einmal Informationsblättchen zur Verfügung. Das sei bisher kein Thema, sagte eine Sprecherin.

Laurence Kantor, Chef-Währungshändler bei J. P. Morgan Chase, hält vor allem die logistische Feinverteilung des Geldes für bemerkenswert. Ansonsten Desinteresse: "Das Thema Euro ist keines in den USA." Jetzt, wo sich alles auf den Krieg konzentriert, sowieso nicht. Außerdem ändere sich zum ersten Januar eh nicht viel.

Immerhin zeigt er sich für die Bewertung des Euros optimistisch: "In der nächsten Zeit wird der Euro an Wert zulegen." Kantor erwartet für das Frühjahr die Parität zwischen dem großen und dem kleinen Bruder.

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