Experte erwartet Parität zum Dollar
Mit dem Euro auf Nummer Sicher gehen

Der Euro erscheint manchem als riskante Währung. Doch es fehlt an überzeugenden Alternativen. Experten warnen davor, gerade jetzt vermeintlich sichere Häfen wie Dollar und Schweizer Franken anzusteuern.

Der Euro kommt einfach nicht vom Fleck: Nach den Terroranschlägen in den USA kletterte die Gemeinschaftswährung zwar leicht gegenüber dem US-Dollar. Doch diese Zuwächse gingen zwischenzeitlich vollständig verloren. "Manche fürchten, wenn der Euro jetzt nicht steigt, dann packt er es überhaupt nicht mehr", sagt Mark Austin, Devisenexperte der britisch-asiatischen Großbank HSBC in London.

Sorgen machen sich Anleger auch um die Einführung des Euro-Bargeldes zum Jahreswechsel. Stehen die Euro-Münzen und Scheine rechtzeitig bereit? Wird der Umtausch reibungslos ablaufen? Und wie verhalten sich die Sparer in Osteuropa, die hohe D-Mark-Bestände halten? Niemand kann diese Fragen derzeit mit Sicherheit beantworten.

Umstieg auf fremde Währungen ist riskant

Trotzdem raten Devisenexperten davon ab, jetzt auf fremde Währungen umzusteigen. Denn die vermeintlich "sicheren Häfen" am Devisenmarkt - der Dollar und der Schweizer Franken - dürften gegenüber dem Euro aus fundamentaler Sicht mittelfristig kaum an Wert gewinnen. Und die Zinsen, die Investoren für Währungskonten in Franken und Dollar erhalten, sind historisch niedrig.

"Wenn ich als Euro-Anleger in fremde Devisen investiere, schaffe ich mir nur ein zusätzliches Währungsrisiko", sagt Elke Speidel-Walz, die bei der Deutschen Bank in Frankfurt Anlagestrategien für Privatkunden entwickelt. "Da bleibe ich doch lieber in meiner Heimatwährung und verdiene ein paar Prozent mehr mit sicheren Euro-Geldmarktfonds und Anleihen", fügt sie hinzu.

Gerade in Zeiten großer Nervosität herrscht am Devisenmarkt die Devise: keine Experimente. Schließlich ist niemand gezwungen, ein Währungsrisiko einzugehen. Wer im eigenen Währungsraum sein Geld anlegt, braucht sich um Wechselkursschwankungen wenig Sorgen zu machen. Entscheidend sind für ihn vielmehr die heimischen Inflationsraten. Und diese liegen seit der Einführung des Euros zum Jahr 1999 unter dem langjährigen Durchschnitt für die D-Mark. Für die nächsten Monate erwarten die Europäische Zentralbank (EZB) und führende Volkswirte zudem einen deutlichen Rückgang der Preissteigerung im Euro-Raum.

Das gilt für die USA nicht unbedingt. Denn dort versuchen derzeit Notenbankchef Alan Greenspan und US-Präsident George W. Bush gemeinsam, die Wirtschaft aus der Krise zu reißen. Massive Zinssenkungen und höhere US-Staatsausgaben sollen die Konjunkturwende bringen, gleichzeitig bergen sie jedoch mittelfristig die Gefahr eines Inflationsschubs.

Psychologische Effekte stärken den Dollar

Wenn aber so vieles gegen den Dollar spricht, warum zeigt der Greenback sich bislang trotzdem so stabil? "Die USA sind nun mal die einzige verbliebene Supermacht", sagt Joachim Fels, leitender Währungsexperte der Investmentbank Morgan Stanley in London, "die US-Währung gilt daher weltweit immer noch als sicherer Hafen bei politischen Krisen". Dieser psychologische Effekt stärke zurzeit den Dollar. Außerdem beobachtet Fels, dass die Investoren an den internationalen Devisenmärkten in jüngster Zeit wieder stärker an eine schnelle Konjunkturwende in den Vereinigten Staaten glauben. Auslöser sei die Ankündigung der US-Regierung, die lahmende Wirtschaft mit massiven Staatsausgaben anzukurbeln.

Anders sieht die Lage in der Schweiz aus. Dort ist die Inflation niedrig und die Wirtschaft bislang gesund. Es herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Trotzdem glaubt Manuela Preuschl, Volkswirtin und Devisenexpertin der Deutschen Bank, dass der Franken gegenüber dem Euro künftig eher fallen als steigen wird. Der Grund liege in der Wechselkurspolitik: "Die Schweizer Nationalbank hat klar gemacht, dass sie keinen stärkeren Franken will", betont Preuschl.

Als die Alpenwährung - die klassische Fluchtburg in unsicheren Zeiten - nach den US-Terroranschlägen zulegte, senkte die eidgenössische Notenbank die Zinsen kräftig. Sie schwächte damit gezielt den Franken, denn der Anstieg macht schweizerische Güter im Ausland teurer - und gefährdet damit die exportabhängige Wirtschaft des Alpenlandes. Deshalb werden die Schweizer Währungshüter den Franken auch künftig in Schach halten, vermutet Volkswirtin Preuschl.

Rein theoretisch könnten Euro-Müde auch in die dritte Weltwährung neben Dollar und Euro flüchten: den japanischen Yen. Auf die Terroranschläge reagierte der Yen zunächst mit einem Anstieg, der aber bald abbrach. Derzeit empfiehlt kein Devisenexperte Yen-Engagements. HSBC-Experte Mark Austin erklärt warum: "Japan steckt seit langem in einer tiefen Rezession und braucht nichts weniger als eine starke Währung." Denn klettert der Yen, verdüstern sich die Exportchancen für Nippons Unternehmen. Die japanische Zentralbank hat daher mehrfach am Devisenmarkt interveniert, um den Yen-Kurs zu drücken. Sie könnte dies bald wieder tun.

Alles in allem fahren Euro-Anleger also am besten, wenn sie in ihrer Heimatwährung bleiben. Viel zu verlieren haben sie nicht: Im schlimmsten Fall rutscht die Gemeinschaftswährung gegenüber Dollar und Franken ein kleines Stück ab. Im besten Fall könnte der Euro dagegen deutlich zulegen und sich womöglich sogar als neuer "sicherer Hafen" etablieren, deutet Deutsche-Bank-Expertin Preuschl vorsichtig an.

"Wir erwarten, dass der Euro auf Sicht von zwölf Monaten die Parität zum Dollar erreicht, vielleicht schon früher", sagt Preuschl. Wäre doch schade, wenn Anleger kurz vorher auf die US-Währung umsteigen würden.

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