Experte fü Deckelung
Transparenz unerwünscht

Viele Vorstände freuen sich über Aktienoptionsprogramme. Dass sich die Aktionäre hierüber ärgern, verhindern sie durch Zurückhaltung bei den Zahlen.

DÜSSELDORF. In puncto Transparenz bei der Unternehmensführung und-kontrolle kann in Deutschland noch Wesentliches verbessert werden, urteilt der Frankfurter Universitätsprofessor Theodor Baums. Der Chef des Instituts für Bankrecht empfiehlt börsennotierten Unternehmen, Auskunft über den Wert eines Aktienoptionsprogramms zu geben, das zugunsten des Managements beschlossen wurde.

"Auf unseren Vorschlag, das auch im Kodex zu verankern, ist die Cromme-Kommission bisher nicht eingegangen", ärgert sich der vormalige Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance. Diese hatte das Arbeitsfeld für die zeitlich nachgeschaltete Regierungskommission "Deutscher Corporate Governance Kodex" unter dem Vorsitz des Thyssen Krupp-Aufsichtsrats Gerhard Cromme abgesteckt, die vor vier Monaten etwa 50 Verhaltensempfehlungen für Aufsichtsräte, Vorstände und Wirtschaftsprüfer vorgelegt hat.

Ein möglicher Einwand gegen die Veröffentlichung des Wertes der Aktienoptionen ist, dass dieser nicht genau zu beziffern ist. Dieses Argument wischt Baums vom Tisch: "Es gibt verschiedene Verfahren, mit denen man eine Bandbreite angeben kann."

Deckelung für Aktienoptionsprogramme sinnvoll

Für den Aktienrechtsexperten ist diese Information von grundsätzlicher Bedeutung. "Wenn ich neue Aktien zur Bedienung von Aktienoptionen schaffe, ist es eine Pflicht, die Hauptversammlung über das Ausmaß der Verwässerung aufzuklären."

Der Gesetzgeber habe dieses Thema bislang nicht aufgegriffen, da die Anfechtungsrisiken erheblich steigen würden. "Aber eine Aufnahme dieser Empfehlung in den Kodex als Selbstverpflichtung hätte den juristischen Charme, dass es keinen Anfechtungsgrund geben würde", gibt Baums zu bedenken.

Eine generelle Begrenzung von Managergehältern sollte es nach seiner Auffassung nicht geben. "Ich würde es aber befürworten, wenn Aufsichtsräte sich überlegten, die Gewinne aus Aktienoptionsprogrammen zu deckeln", sagt Baums.

Wenn ein Vorstand ein Aktienoptionsprogramm im Wert von 100 Millionen Dollar habe, wie beispielsweise in den USA, dann stimme etwas mit der Aufsicht nicht. Gleichzeitig räumt Baums ein, dass in Deutschland derzeit keine "abenteuerlichen Vergütungen" gezahlt werden. Durch die Kursentwicklung stünden die meisten Aktienoptionsprogramme derzeit "unter Wasser".

Entwicklung der Wettbewerber miteinbeziehen

Bei der Vergütung sollte auch darauf geachtet werden, dass keine fehlgeleiteten Anreize gegeben werden. Eine Orientierung allein an der Kursentwicklung sei schädlich. Manager von Enron und Worldcom profitierten durch ihre Aktienoptionsprogramme von stark steigenden Kursen. Um diese zu erzielen, schreckte man letztlich auch nicht vor Bilanzmanipulationen zurück.

Gleichwohl hält Baums Aktienoptionen für einen wichtigen Bestandteil der Managervergütung. Wenn das Gehalt im wesentlichen aus einem Fixum bestünde, würde der Manager sein Geld verdienen, auch wenn es dem Unternehmen schlecht ginge.

Bei der Ausübung der Aktienoptionen plädiere er dafür, nicht allein die Entwicklung des eigenen Aktienkurses als Maßstab zu nehmen. Dann könnten auch Underperformer belohnt werden. Als Benchmark könnte die Entwicklung der Wettbewerber dienen.

Ferner spricht sich Baums dafür aus, Aktienoptionen über die Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand laufen zu lassen. Es sei zwar kein Abfluss zu verzeichnen, aber es sei im Prinzip egal, ob "ich etwas aus der Kasse zahle oder Aktien verschenke". Coca Cola hat bereits erklärt, die Ausgaben für Aktienoptionen künftig von den Gewinnen abzuziehen.

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