Experte kritisiert Eröffnungsbilanz
Streit um Telekom-Immobilien flammt wieder auf

Einen Tag vor der Hauptversammlung der Deutschen Telekom ist der Streit um die milliardenteure Abwertung von Unternehmensimmobilien erneut aufgeflammt. Das ARD-Politmagazin Report Mainz berichtete am Montag, es bestehe der Verdacht, dass die Telekom bereits 1995 mit einer falschen Bilanz an die Börse gegangen sei.

ap BONN. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus, verteidigte dagegen das Verhalten der Telekom: "Es hat keine leichtfertige Bewertung gegeben."

Das Fernsehmagazin aus Mainz verwies in seinem am Montag vorab veröffentlichten Bericht auf einen ihm vorliegenden Bericht der Bewertungsfirmen C&L Treuarbeit Deutsche Revision und Dr. Seebauer & Partner, die im Jahre 1994 den Wert der Telekom-Immobilien mit 31,8 Mrd. DM bewertet hätten. In der Konzernbilanz der Telekom vom 1.1 1995 sei der Wert jedoch mit 35,7 Mrd. DM angegeben worden. Der Unterschiedsbetrag von 3,9 Mrd. DM (zwei Mrd. ?) entspreche genau der Summe, um die die Telekom am 21.Febuar 2001 ihr Immobilienvermögen überraschend abgewertet habe.

Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger bewertet die Hochbewertung des Immobilienvermögens laut Report als Maßnahme, um die Eigenkapitaldecke der Telekom zu verbessern. "Die Eigenkapitalausstattung, die man ohne Hochbewertung hätte darstellen können, wäre so verheerend niedrig gewesen, dass irgendwo Eigenkapital her musste", zitiert das Fernsehmagazin den Experten. Den Hamburger Bilanzexperten Wilhelm Strobel zitiert Report mit den Worten: "Wenn die Eröffnungsbilanz um vier Mrd. überzogen ist, dann hätte die Firma niemals mit dieser Bilanz an die Börse gehen dürfen."

Warburg hält T-Aktie für unterbewertet

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus verteidigte dagegen das Vorgehen des Bonner Telefonriesen. Winkhaus betonte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe) er gehe davon aus, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen der Immobilien-Bewertung und damit verbundene Zivilklagen zu Gunsten des Unternehmens entschieden würden. Winkhaus sagte, er habe sich persönlich mit der Frage der Immobilien-Bilanzierung eingehend befasst. "Es hat keine leichtfertige Bewertung gegeben." Winkhaus erwartet nach derzeitigem Kenntnisstand keinen weiteren Wertberichtigungsbedarf.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte wegen der nachträglichen Abwertung des Immobilien-Vermögens beantragt, bei der Hauptversammlung Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Die T-Aktie verlor am Montag bis zum Nachmittag fast zwei Prozent an Wert. Die Investmentbank M.M.Warburg bekräftigte dennoch ihre Kaufempfehlung für die Telekom-Aktien. Die nach der Voicestream-Übernahme zu erwartende einzigartige Positionierung der Deutschen Telekom auf dem amerikanischen GSM-Mobilfunkmarkt in Kombination mit der starken Marktstellung in Europa werde gegenwärtig an den Märkten noch nicht ausreichend honoriert, urteilte Analyst Christoph Vogt. Das faire Kursniveau der T-Aktie liegt nach seiner Einschätzung derzeit bei 35,20 ?, der Kurs lag dagegen am Montag deutlich unter 27 ?.

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