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Experte: Napster funktioniert trotz Ultimatums wie bisher

Über die Online-Musiktauschbörse Napster konnten nach Experten-Einschätzung am Montag wie gewohnt Musikdateien heruntergeladen werden, obwohl die US-Firma binnen drei Tagen mehr als 100.000 urheberrechtlich geschützte Titel aus ihrem Angebot entfernen muss.

rtr HAMBURG. "Wir konnten praktisch alle Songs der US-Charts abrufen", sagte Sven Hansen von der Computer-Zeitschrift "c't" der Nachrichtenagentur Reuters. Nur bei aktuellen Titeln des Madonna-Albums "Music" würden die angekündigten Filter greifen. Napster muss bis Mittwoch 135.000 Copyright-Songs sperren, um einer Schließung zu entgehen.

Der Branchenverband der US-Musikindustrie, die Recording Industry Association of America (RIAA), hatte Napster eigenen Angaben zufolge am späten Freitagabend eine Liste mit entsprechenden Musikstücken per E-Mail übermittelt. Napster bestätigte den Eingang einer solchen Liste. Nach einer einstweiligen Verfügung gegen Napster muss die Tauschbörse nun binnen drei Werktagen alle Dateien mit diesen Liedern vom Tausch über www.napster.com ausschließen. Andernfalls droht der populären Tauschbörse das Aus.

"c't"-Redakteur Hansen sagte weiter, auch die blockierten Titel könnten heruntergeladen werden: Wenn Dateinamen leicht verändert würden - wie "Music" in "Music1" - würden sie weiterhin gefunden. "Die Suche funktioniert mit einer Wildcard, so dass auch Music1 auftaucht", sagte er. Eine "Wildcard" ist eine Suchfunktion, bei der nur Teile der gesuchten Begriffe eingegeben werden müssen. "Wenn Napster nicht ganz geschlossen werden will, dann müssen sie noch einiges tun", fügte Hansen hinzu.

Die vor knapp zwei Jahren von einem US-Teenager entwickelte Tauschbörse hat inzwischen mehr als 60 Millionen registrierte Nutzer. Sie konnten bisher über Napster Musikstücke suchen und als komprimierte Dateien kostenlos herunterladen. Deshalb wirft die Industrie Napster Musik-Piraterie vor und will per Gerichtsurteil die Schließung der Website erreichen. Anfang März hatte ein US-Bezirksgericht Napster die Frist von drei Tagen gesetzt, in denen geschützte Titel entfernt werden müssen.

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann will Napster bis Juli in einen auf Mitgliedschaft basierenden, kostenpflichtigen Service umwandeln. Bei einer Schließung vor diesem Termin könnten Beobachtern zufolge Napster-Nutzer zu anderen Online-Tauschbörsen abwandern.

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